Yesica Rios über den Weg vom internationalen Konzern zur Gründung eines Tech-Startup
- leadHER

- 13. Mai
- 47 Min. Lesezeit
Yesica Ríos ist Wirtschaftsingenieurin, Unternehmerin und Mitgründerin von JobMatch – einer digitalen Job‑Matching‑Plattform für Nicht‑Akademiker im Bereich Logistik, Einzelhandel und Service. Ihr beruflicher Weg führte sie von Mexiko über die TU München und die Hamburg Media School bis in eine verantwortungsvolle Rolle bei Volkswagen, bevor sie gemeinsam mit ihrem Mann den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.
In dieser Podcast‑Folge spricht Yesica offen über den Übergang aus der Konzernwelt in die Gründung eines eigenen Tech‑Startup. Sie teilt Einblicke in Entscheidungsprozesse, den bewussten Abschied von Sicherheit, den Aufbau eines Produkts gemeinsam mit der Zielgruppe sowie die Realität von Unternehmertum mit Familie. Das Gespräch zeigt, wie internationale Erfahrung, fachliche Breite und persönliche Klarheit zu einer tragfähigen unternehmerischen Vision zusammenfinden.
Disclaimer: Dieses Transkript wurde mit KI erstellt. Es können Abweichungen zum Original-Audio vorkommen.

Hör jetzt das ganze Gespräch mit Yesica.
Yesica Rios: Das Gespräch über Karrierewechsel, Gründung und Führung
[Merlene]
Hi, ich bin Merlene und ich treffe mich jede Woche mit Frauen in Führungspositionen zum Café, um mit ihnen über ihren Karriereweg zu sprechen. Ziel ist es dabei, auch wenn wir heute noch nicht 50-50 auf Führungsebenen haben, den nächsten Generationen eine Vielfalt an Vorbildern zu bieten und sie dazu zu inspirieren oder zu ermutigen, die Themen Karriere und Führung auch für sich zu entdecken. Meine Gäste thematisieren dabei auch, was für eine Rolle ihre Lebenspartner und andere Vertrauenspersonen beim Thema Selbstverwirklichung und Gleichstellung spielen.
Der Podcast ist also was für jeden, der Lust hat, eine faire Zukunft mitzugestalten. Mein heutiger Gast ist Yesica Rios. Die Wirtschaftsingenieurin hat zuerst in Mexiko, dann an der TU München und später noch Online Marketing Management an der Hamburg Media School studiert.
Den ersten Teil der Geschichte, wie sie sich vom Executive Assistant to the Vice President Sales and Finance bei Volkswagen in Mexiko zur Gründerin ihres eigenen Tech-Startups in Hamburg entwickelt hat, hört ihr heute. Enjoy. Herzlich willkommen, Yesica, zum LeadHER-Podcast.
Einsteigend habe ich direkt die Frage an dich. Du kommst aus einem Corporate-Hintergrund. Du hast acht Jahre fast bei der Volkswagen AG gearbeitet und dann hast du dein eigenes Unternehmen gegründet.
Was war der entscheidende Moment, dass du gedacht hast, okay, jetzt mache ich es selbst?
[Yesica Ríos]
Ja, ich habe sehr viel tatsächlich an diesen Moment gedacht. Es war sehr klar. Also in dem Moment nach acht Jahren in Volkswagen, ich habe meinen Weg da gemacht, aber irgendwann war für mich der Punkt, ich möchte nicht, dass jemand anderes entscheidet, was ich mit meiner Zeit mache und auch mit meinem Mann.
Wir haben zusammen gegründet. In dem Moment war die Option, du kannst nach China, Russland oder hierbleiben, waren die drei Optionen nicht, was wir wollten. Und dann haben wir gesagt, okay, wir stoppen.
Wir lassen nicht zu, dass jemand anderes entscheidet für uns. Wir entscheiden selber. Und in diesem Moment war ganz klar, dass wir etwas Selbstständiges machen wollen.
Und wie seid ihr auf die Idee gekommen? Ich war in einem Sabbatical quasi, weil ich eine kleine Tochter gekriegt habe, also zusammen. Die Sachen, die wir in dem Moment gemacht haben, waren wir nicht so glücklich mit.
Und wir haben viel uns unterhalten über das Thema, wenn du wirklich machst, was dir Spaß macht, was du liebst, dann wirst du richtig gut. Dann wirst du in dem Job, egal welcher ist, richtig gut sein. Weil es ist ein Job, ein Beruf, es ist nicht nur das, sondern es ist eine Sache, die dich beschäftigt, dass du in deiner Freizeit recherchierst, liest.
Und dann haben wir es gemerkt, dass was damals bei Daniel, aber bei mir war auch in der letzten Zeit, bevor ich in der Mutterschaft war, war das Thema, dass wir nicht so leidenschaftlich unterwegs waren. Und dann haben wir gesagt, okay, in unserem Moment hier ist es zu Ende gekommen, aber wir können uns einen neuen Job finden, was wir lieben oder was wir suchen. Wir haben alle Mittel dafür, also wir könnten uns gut netzwerken, wir könnten unseren Lebenslauf sehr gut schüren, wir könnten auch, hatten wir quasi alle Tools, die wir brauchten, einen neuen Job zu finden.
Und unter dieser Idee war, okay, wenn wir das haben, haben alle. Und als wir etwas gesucht haben, haben wir es gemerkt, okay, es gibt eine bestimmte Zielgruppe oder bestimmte Menschen, die das nicht können und dass sie nicht diese Tools haben. Und das ist im Blue-Collar-Bereich.
Dann haben wir uns den Markt angeschaut und eine Lücke gefunden. Und das war in der Logistik, wo wir gesagt haben, oh, es fehlen so viele Lkw-Fahrer, die total atypisch sind, weil wir gar nicht damals damit zu tun hatten, haben den Markt da quasi eine Zielgruppe entdeckt, die keine Lösung dafür hatten. Und so kam die Idee, was ist, wenn wir etwas für den machen, den es noch nicht gibt, damit sie auch einen Job finden können, den sie lieben.
So kam die Idee. Es hat sich nicht von einem Tag zu dem anderen, es war eine Idee, die sich entwickelt hat. Wie du beobachtest, dann guckst du in den Markt, gibt es da eine Lücke, gibt es ein Business-Modell dafür und das haben wir da zusammen entwickelt.
Und es war schon ein Prozess von einem halben Jahr, bevor wir alles gemacht haben, bevor die Gründung als Idee.
[Merlene]
Und was war noch Teil dieser Recherche? Vielleicht kannst du das Produkt, das JobMatch-Me anbietet, oder JobMatch mittlerweile ja, anbietet einmal erklären etwas genauer und dann wie ihr da auf genau diese Idee gekommen seid.
[Yesica Ríos]
Also du hast es richtig gesagt, es ist JobMatch.me, es ist die JobMatch.me GmbH. Wir haben unseren Markennamen jetzt geändert als JobMatch, aber was wir sind, ist eine Jobmatching-Plattform für Nicht-Akademiker in dem Bereich Logistik, Einzelhandel und Service. Jobsuchende sagen, was er sucht, was er bietet und wie er tickt.
Und auf der anderen Seite fragen wir das Gleiche an den Arbeitgeber. Und da kannst du dich vorstellen, es ist ein bisschen so wie Tinder. Du sagst, was sind diese einfachen Fragen für dich, statt dass du Lebenslauf hochladen musst oder so.
Kannst du einfach die passenden Jobs finden oder sehen in einer sehr einfachen Art, wo wird gematcht, okay, pass dein Gehalt, pass die Tätigen, die du machen möchtest, pass die Arbeitszeiten, wo du arbeiten möchtest. Und dann kommen die anderen Sachen, die Benefits, was es gibt, was sind deine Aktivitäten. Aber in erster Linie matchen wir die Hard-Faktoren.
Und dann kannst du einfach quasi sagen mit I like oder dislike bewerben. Also wenn du sagst, okay, I like this job, dann bewirbst du dich in diesem Job. Und damit generiert jetzt quasi die Plattform, wenn du einfach Klick machst, dann ist ein eigener, passender, individueller, passender Lebenslauf für diese Arbeitgeber von deinem Profil.
Da musst du dann viel mehrmals anpassen, nicht, sondern es passt sich alleine quasi. Also jeder zweite Lkw-Fahrer in Deutschland ist bei uns registriert und hat einen Job bei uns gesucht. Es sind ganz schön viele, oder?
Es ist ganz schön viel. Also wir sind mehr als 60 Prozent der Lkw-Fahrer im Markt quasi. Es ist bei uns registriert.
Wir haben vor zwei Jahren angefangen in der Gastronomie und Verkaufs- und Einzelhandel. Und da haben wir jetzt mittlerweile 200.000 Leute, die bei uns einen Job suchen. Und jeden Monat haben wir zwischen 15.000 und 19.000 Matches, das heißt Bewerbungen, die rauskommen.
[Merlene]
Wie fängt man genau diese Gruppe ein, an Leuten, die eure Plattform nutzen? Also ich finde es ganz cool, um ehrlich zu sein, dass es jetzt genau dort anknüpft, wo eine der letzten Folgen nicht aufgehört hat, aber die sechste Folge mit Vanessa Spiegel, die Director Logistics von Tom Taylor. Da haben wir auch drüber gesprochen, über genau den Logistik-Bereich, auch über Blue-Color-Work und auch durch andere Gespräche hat sich das immer wieder so durchgezogen, wie wichtig es ist, auch auf dieser Ebene einfach eine gute Connection zu den Menschen zu haben, damit man entweder im eigenen Business weiterkommt, die Ideen aufnehmen kann, um das eigene Business weiterzuentwickeln oder zu optimieren. Aber halt auch in eurem Bereich ist es dann ja jetzt einfach als Nutzergruppe total relevant.
Wie habt ihr die bekommen?
Produktentwicklung in direktem Kontakt zum Kunden
[Yesica Ríos]
Als wir die Idee hatten, danach kam, okay, wir haben eine Zielgruppe, aber wir müssen die kennen. Und dann sind wir in den ersten Monaten, ich würde sagen die ersten acht Monate, wirklich sehr permanent jede Woche zu Rastplätze gefahren. Da sind wir zu zweit oder zu vier gefahren und haben ja unsere Interviews gesettelt und dann sind wir wirklich einfach zu den LKWs gegangen und haben geklopft und haben uns gefragt, hey, wie findest du einen neuen Job und bist du glücklich im Job?
Und dann haben wir mehrere Fragen gestellt, einigen haben sich lange mit uns unterhaltet und anderen haben gesagt, ja, in diesem Moment nicht. Also wir hatten alles, aber so konnten wir wirklich die Nutzer kennen. Es war das Beste, was wir machen konnten, weil das Produkt ist entwickelt für den, aber es ist mit dem entwickelt.
Also wir haben verstanden, was sind die Pains, was bewegt den? Und wir waren damals, glaube ich, ich kann fast wirklich sagen, die ersten, die angefangen haben, diese Wertschätzung, Kampagnen mit dem zu machen. Da ging es viral, weil wir haben einen Schmerz gefunden an dieser Zielgruppe und das war die ferne Wertschätzung in der Gesellschaft.
Dann haben wir es gefunden, okay, die sind online. Wir haben so Kleinigkeiten gesehen, in welchen Social Media unterwegs sind, welche Themen sind die, die ansprechen, wovon träumen die denn? Und solche Sachen waren super interessant, sich das zuerst zu verstehen.
Dann versteht ein Kunde, was er braucht, wo findet er Schwierigkeiten im Leben. Als wir das verstanden haben, da war ich kann nicht sagen, ein Selbstläufer, aber es war viel einfacher, die zu verstehen und die zu finden und die richtige Kanäle in Marketing zu finden für den und zu ansprechen.
[Merlene]
Okay, das heißt, ihr habt eure Kundengruppe so richtig kennengelernt. Um dich noch einmal richtig kennenzulernen, lass uns einmal auf deinen Werdegang eingehen. Und zwar hast du, ehrlich gesagt, einen ziemlich interessanten Hintergrund.
Du hast an der Ersten Mexiko studiert, dein Bachelor. Dann hast du an der Technischen Universität München noch deinen Master gemacht und später noch an der Hamburg Media School, richtig?
Wie kam das zustande? Also so ein super wilder Mix. Auf der einen Seite super technisch, aber auf der anderen Seite dann in Richtung Medien.
Wie bist du darauf gekommen?
[Yesica Ríos]
Also ich glaube, ich war 17, ja mit 17 bin ich in der Uni angekommen. Dann war ich 17, ich wollte immer Marketing studieren. Ich fand das immer toll.
Ich fand damals, damals gab es kein Facebook, aber ich fand den ganzen Digital-Welt total interessant. Also meine Generation ist da quasi, als Kind hatten wir kein Internet und dann, als ich 12 war, dann kam der Boom vom Internet. Und dann quasi, ich bin mit dem Internet gewachsen.
Und deswegen fand ich alles mit Marketing und Marketing online total interessant.
[Merlene]
Was heißt es, dann kam das Internet. Ich glaube, wir müssen da gerade so ein Bild bilden, heutzutage. Und ich glaube auch Generation Z kann sich das gar nicht mehr so richtig vorstellen, wie das so war vor dem Internet.
Und wie auch so die Anfänge des Internets waren. Ich habe das noch mitbekommen.
[Yesica Ríos]
Dann warst du schon aber sehr klein, sehr jung.
[Merlene]
Ja, aber so von, ich glaube, die ersten iPhones kamen, da war ich in der 12. Klasse. Und dann aber so das Dial-up Internet habe ich zum Beispiel noch mitbekommen.
Da war ich so 12.
[Yesica Ríos]
Also das lustige Geschichte war es, wenn ich spreche, Anfang des Internets. Es ist für mich, es kamen die erste Computer, als ich 15 war zu Hause, muss man sagen. Ich war in Mexiko und in Mexiko kam ein bisschen alles hinterher, als in Deutschland, ein paar Jahre.
Und zum Beispiel, als ich 19 war, da gab es noch nicht Facebook. Also Facebook kam zwei Jahre später. Also dann wirklich so spät.
Also ich bin ganz, ich habe als Teenie ICQ benutzt. Vielleicht niemand kennt das jetzt. Aber das ist, wenn ich sage, das ist der Anfang des Internets, das war es.
Und die ganze Dort-Blase habe ich nicht erlebt. Also ich war Teenager. Also das ist wirklich da.
Aber ich habe es alles miterlebt. Also ich habe es erlebt, was es ist, mit E-Mail-Sachen zu schicken. Also ich habe Post gehabt und dann habe ich E-Mail.
Ich habe alles analog gehabt und dann digital. Und es war schon, ich glaube, ich bin immer noch eine von den ersten Millennials. Damals musste ich mich entscheiden, was will ich machen.
Und mit Marketing wusste ich in dem Moment, es kann sein, dass ich keinen Job kriege. Und wenn ich keinen Job kriege, dann kriege ich auch kein Geld. Und ich muss hier mich von etwas ernähren und leben.
Und ich möchte gerne unabhängig sein. Und ich dachte, ich muss Geld verdienen. Und man verdient Geld in den klassischen Karrieren.
Und für mich war das Ingenieurwissenschaft. Also ich bin Wirtschaftsingenieurin. Aber auch dazu, ich habe eine bestimmte Affinität zu zahlen.
Und ich mache gerne Produktion. Ich finde das total cool. Und ich fand damals total cool, Sachen, die nur so machen, die nur Jungs machen.
Das hat mich total getrieben zu sagen, ich kann das auch. Als ich da studiert habe, wollte ich auch unbedingt eine andere Sprache lernen. Und nicht nur Englisch.
Und dann habe ich mir angeguckt, kann ich jetzt Französisch oder Deutsch. Fand ich beides interessant, weil Industrie gab es, französische Industrie. Und in meiner Stadt ist Volkswagen.
Und verschiedene deutsche Unternehmen. Und als Wirtschaftsingenieurin kriegst du einen Job auch in solchen Unternehmen. Und da dachte ich, okay, ich habe wirklich Lust, eine andere Sprache zu lernen.
Und dann bin ich mit 19 als Au-pair in Hamburg gekommen.
[Merlene]
Du hast erst mit 18 angefangen, Deutsch zu lernen? Oder mit 19?
[Yesica Ríos]
Ja, mit 19. Also mit 19 kam ich hierher und konnte sagen, hallo, ich bin Yesica. That's it.
Und ich habe mich auf das Ziel gesetzt, ich möchte gerne nicht zurückkommen ohne ein B2, ein deutsches Zertifikat oder so heißt das. Aber ich dachte, ich hatte ein Ziel. Und mein Ziel war, wenn ich zurückkomme, kann ich Deutsch sprechen.
So kurz vor fliesend ist das. Dann bin ich hier in Hamburg, also ich war nie in Europa. Und das erste Stadt, das ich kannte, war Hamburg in Europa.
Schicksal, würde ich sagen.
[Merlene]
Gerade mit dem Ausblick, den wir haben. Es ist eine sehr schöne Geschichte.
[Yesica Ríos]
Und ich habe mich in Hamburg total verliebt. Also ich fand das total schön. Und ich hatte eine tolle Familie.
Und ich habe wirklich Deutsch gelernt. Als ich zurückkam, da habe ich eine Pause gemacht in meinem Studium, habe ich ein Praktikum gemacht in einem deutschen Unternehmen. Und dann kam ein besonderes Stipendium.
Es war ein Stipendium von der DAAD. Deutschland Austausch Ausländer Dienst. Die haben viele Programme, wo Ausländer in Deutschland studieren können.
Und da bekommst du ein Stipendium. Ich weiß nicht, ob das genau die richtige Definition ist, aber das habe ich so in Erinnerung. Und Volkswagen.
Sie haben quasi ein Programm entwickelt, wo die besten Studenten kommen könnten und ein Stipendium haben, damit du hier in Deutschland studieren könntest. Und damit habe ich diese TU München Geschichte gehabt. Volkswagen hat dieses Programm, der heißt EMA, aber es ist auf Spanisch.
Das ist Mexican Students in Germany. Und die haben quasi die Kosten übernommen von meinem Studium. Und auch in Deutschland.
Und ich durfte damit anfangen, ich glaube fast am Ende meines Studiums. Ich durfte dann weiter studieren hier in Deutschland durch diese DAAD. Und Volkswagen hat quasi den ganzen Kosten übernommen von meinem Studium.
Also für mich war eine tolle Geschichte. Ich erinnere mich, da haben für jede Uni in meiner Stadt eine Studentin mitgenommen. Und da war ich glücklicherweise ich, habe ich dieses Stipendium bekommen.
Und da war für mich, mein Traum war, weil ich wollte weiter Deutsch lernen. Und ich wollte im Ausland studieren. Und damals waren quasi die Ressourcen zu Hause sehr begrenzt.
Also ich konnte nicht einfach überall gehen und sagen, ich möchte im Ausland studieren, schick mir mal, bitte. Sondern ich musste selber bezahlen oder selber gucken, wie ich das geschafft hätte. Und da ist der Anschluss an der TU München.
Wo in der TU München, ich habe ein Diplom. Und da gab es nicht den Wirtschaftsingenieurwesen in der TU München, sondern da musste ich den Master quasi nehmen. Und deswegen kam die ganze Kombination.
Und dann waren meine besten Zeiten in der TU München. Also ich erinnere mich noch, da in den Zeiten, ich war mit vielen anderen Austauschstudenten. Und die waren alle total intelligente Menschen.
Die haben danach alle PhDs gekriegt und weiter studiert. Ich habe mich entschieden, nicht weiter zu studieren, sondern zurück zum Arbeiten. Und ich durfte da von dem Besten lernen.
Ich hatte eine Vorlesung mit dem CEO von Linde Group. Und er hat uns fünf Vorlesungen...
[Merlene]
Lindner? Die Schokolade?
[Yesica Ríos]
Nein, nein, nein. Linde Group. Das ist die Gas-Unternehmen.
Aber es ist riesig. Ich glaube, eine von den weltführenden Gas-Unternehmen.
[Merlene]
Haben wir auch vor Beginn des Podcast darüber gesprochen, wie viele Unternehmen es auch gibt. Also so wirklich erfolgreiche Unternehmen, die man so manchmal gar nicht kennt. Auf der einen Seite manchmal Global-Leader wirklich.
Und auf der anderen Seite auch Mittelständler, wo man so denkt, boah, okay, so viel Umsatz machen die, man hat es nie gehört. Ja, und sie sind riesig.
[Yesica Ríos]
Also auf jeden Fall war eine von den besten Jahren. Aber da habe ich weiter studiert.
[Merlene]
Ganz kurz, du hast gerade gesagt, die besten Studenten haben dieses Stipendium bekommen. Das heißt, du warst auch ziemlich gut in der Uni.
[Yesica Ríos]
Ja, also ich glaube, würde ich sagen. Also es war nicht nur in Noten, was eine Rolle spielt. Wir mussten Tests machen und Interviews.
Und es war schon ein Assessment-Prozess, den wir erlebt haben. Weil natürlich Volkswagen wollte auch... Also es war eine Investition, was sie machen in der Zukunft.
Und diese Studenten wollten dann fordern, damit sie in der Zukunft bleiben. Und so ist quasi bei mir es gewesen. Als ich zurückkam, habe ich sofort ein Jobangebot von Volkswagen gekriegt.
Also das wäre dann für mich der konsequente Schritt. Und ich bin dann tatsächlich zurückgekommen. Und habe ich angefangen, in Volkswagen zu arbeiten.
Und danach habe ich mich beworben in eine neue... Ich war 25 und ich musste mich... Ja, es gab eine Stelle als Vorstandsreferentin von Volkswagen im Bereich Marketing, Vertrieb und Finanz.
Und ich habe mich beworben. Und ich war die Jüngste da. Also ich glaube, alle waren 35, ich war 25.
Und mein Danach-Chef meinte zu mir, Yesica, du hast keine Erfahrung. Du bringst nicht, was die anderen bringen als Erfahrung und Kenntnisse. Aber du hast so viel Lust.
Und man merkt, dass du alles Mögliche machen wirst, um den Job zu erfüllen. Glückwunsch, du hast den Job. Und da war für mich einer der besten und schönsten Momente nach dem Stipendium für mich.
Weil es war mein Traumjob. Ich durfte mitorganisieren den ganzen Sachen von meinem Chef damals. Wir hatten fünf Marken im Vertrieb.
Das waren Porsche, Audi, Seat, Volkswagen und MAN Trucks. Und wir hatten jede Woche den Geschäftsleiter von jeder Marke Termine. Und wir durften die Strategie vom Vertrieb mitentscheiden, mit Marketing.
Wir waren überall in Mexiko für den Launch eines neuen Produkts, also einem neuen Auto. Ich durfte nach den USA. Also das war wirklich eine sehr schöne Zeit.
Ich konnte viel mitnehmen. Und ich glaube, von da habe ich viel mitbekommen, was passiert im Vertrieb, was passiert im Marketing, wie ich bin in den Räumen der Finanzen. Und einfach immer einen großen Überblick von allem zu haben.
Also das habe ich viel, viel gelernt in dieser Zeit. Und ich war da fast zweieinhalb oder drei Jahre. Und danach durfte ich zu dem Projekt, also Project Controlling.
Und das ist, du managst da quasi die ganzen Finanzen von einem gesamten Auto. Also von, wie viel kostet die Produktion, wie viel kostet die Materialien, Logistikkosten. Und dann machst du zusammen und organisierst du, damit dann das Projekt läuft bis zum Ende.
Das ist ein super spannender Job. Fand ich total schön damals und habe es sehr geliebt und sehr, sehr viel gelernt. Also das habe ich zwischengemacht in Volkswagen.
[Merlene]
Wenn du bis hierhin gehört hast und dir der Podcast gefällt, würde ich mich sehr freuen, wenn du dir die zwei, drei Handgriffe Zeit nimmst, den Podcast zu bewerten und vielleicht sogar zu abonnieren. Danke und jetzt geht's weiter. Das klingt super interessant.
Also ich habe es mir durchgelesen auf deinem Lebenslauf und das klang halt so, diese Projektkosten berechnen und so weiter. Aber im Ehrgeiz gesagt, für mich klingt es halt super technisch und schon so als könnte es auch relativ trocken sein. Aber du sprichst darüber so richtig passioniert und das ist irgendwie so schön zu hören.
Sind von den Dingen, die du da gemacht hast, hast du das Gefühl, du konntest davon halt was mitnehmen? In deinen aktuellen Job kann man es ja nicht, in deine aktuelle Berührung.
[Yesica Ríos]
Ja, also total. Also die erste Sache, dass ich glaube, was ich verstanden habe, ist und damals hat mir dein Chef gesagt, weil ich habe ihm gesagt, ich möchte gern zum Marketing. Und er meinte, ja, also mein Traum in Marketing zu steigern hat sich immer ein bisschen verschoben.
Und er meinte, ja, aber damit du ein guter Markettier bist, musst du Finanzen verstehen, musst du die Zahlen verstehen. Und das war das erste Learning, das ich heute immer noch habe. Also ja, Marketing ist viel kreativ, aber du musst so viel mit den Zahlen umgehen und vor allem heutzutage mit Online-Marketing musst du die Zahlen verstehen.
Und von damals bis heute ist es immer noch diese zahlengetriebene bin ich immer noch. Also es ist geblieben. Bei mir hilft auch zu verstehen unseren Kunden.
Also was bedeutet die Kosten, die Logistikkosten?
[Merlene]
Wie planen sie das?
[Yesica Ríos]
Diese Budgetplanung. Also das habe ich damals gelernt und verstehe ich auch. Verstehe ich auch, wie große Konzerne arbeiten.
Und das nehme ich quasi wahr, wenn wir zum Beispiel verkaufen wollen. Wie ist das bei denen? Wie funktioniert das?
Natürlich habe ich auch viel über Politik gelernt. Also wenn du in einem großen Konzern bist, musst du dich auch lernen, wie du navigierst. Auch in diese Welt, die auch riesig ist.
Also alleine Volkswagen in Mexiko sind 15.000 Mitarbeiter. In Deutschland dann auch, also super viele. Und da muss man auch diese Kleinigkeiten lernen.
Und das habe ich viel gelernt. Nutze ich immer noch.
[Merlene]
Und wie kommt der Sprung zur Media School?
[Yesica Ríos]
Zurück zu Volkswagen. Dann habe ich gesagt, ich möchte gerne diese Finanzen verstehen. Dann kam ich in dieses Projekt Controlling.
Und ich war noch nicht ein paar Monate da, bis Leute von Volkswagen AG gekommen sind in Deutschland. Und gesagt haben, okay, habe ich ein paar Präsentationen für den gemacht. Weil ich war schon früher mit dem Vorstand.
Also ich wusste schon, wie man präsentiert und so weiter. Und dann habe ich das für den vorbereitet. Und danach haben die zu meinem Chef damals gesagt, wir würden gerne Yesica in Deutschland haben.
Und dann wurde ich nochmal geschickt. Und kurze Geschichte. Dann war ich hier.
Danach habe ich ein Kind gekriegt. Also ja, war in der Media School.
Ich wollte chronologisch gehen. Ja, also als ich als Referentin war, habe ich meinen Mann Daniel kennengelernt.
Während des Studiums? Nee, als ich schon gearbeitet habe als Referentin. Er hat auch bei Volkswagen gearbeitet.
Und dann haben wir uns in Mexiko kennengelernt. Mein Mann ist übrigens aus Hamburg. Daher ist es komisch.
Und zufällig. Dass wir in Hamburg sind, Schicksal. Aber ich glaube, das war eine der ersten Sachen, die wir gesagt haben.
Ich war in Hamburg, ich komme aus Hamburg. Und das war schon sofort ein Thema. Okay, cool.
Ja, das war ein schönes Thema. Hamburg ist immer ein schönes Thema. Aber da haben wir uns sehr gut verstanden.
Und da haben wir uns schon kennengelernt. Wir waren zwei Jahre in einer Beziehung. Als ich nach Wolfsburg geschickt wurde.
Und dann ist er in Mexiko geblieben. Da war er noch ungefähr zwei Jahre. Zwei Jahre war er in Mexiko und ich in Deutschland.
Inzwischen haben wir uns verheiratet.
[Merlene]
Ich glaube, ich muss einen anderen Podcast machen. Ich finde es so interessant, um ehrlich zu sein. Wie diese Geschichten manchmal gehen.
Parallel schon wieder zu der Folge mit Vanessa Spiegel. Die hat auch ihren Mann im Ausland kennengelernt. Der aber auch aus Deutschland kam.
Und die haben auch ein Jahr Fernbeziehung geführt. Aber ein Jahr. Und da meinte ich schon, das muss man dann ja richtig wollen.
Weil so eine Fernbeziehung auf so eine lange Distanz ist ja ... Ja, es ist super schwer.
[Yesica Ríos]
Es war bei uns auch nicht leicht. Und es war tatsächlich, dass wir gesagt haben, entweder sind wir zusammen oder nicht. Und da kam das Thema heiraten.
Also wollen wir das machen oder nicht? Weil das muss da eine Richtung geben. Und dann haben wir beide gesagt, ja wollen wir dann.
Und haben uns verheiratet, obwohl wir in Distanz waren. Aber war klar, dass wir in der näheren Zukunft zusammen sind. Ja.
Was war das für eine Hochzeit?
[Merlene]
War das so eine deutsche, aus praktischen Gründen, heiraten wir? Lass uns mal kurz zum Standesamt gehen. Oder war das so eine Hochzeit in Mexiko?
500 Leute, die Familie und Freunde der Familie.
[Yesica Ríos]
Und plus, also ich würde da ein bisschen enttäuscht. Die mexikanischen Hochzeiten sind nicht so groß. Also es sind zwischen 150 und 200 Leute.
So, es geht. Nein, es gibt alles Mögliche.
Aber ich würde sagen, nicht alle sind so groß. Ich würde sagen, die meisten sind zwischen 150 und 200. Wenigstens, was ich kenne.
Aber ich war schon in einem, wo 1000 Leute waren.
[Merlene]
Ja, ich habe ja auch eine Freundin von mir, die Kommilitonin von mir war. Die auch die Zeit in Hamburg war, wo wir den Master gemacht haben. Und jetzt wieder zurück nach Mexiko gegangen ist.
Und die hat halt auch einen deutschen Mann. Irgendwie habe ich das Gefühl, es gibt so eine Liebes-Connection zwischen Deutschland und Mexiko. Eine schöne Connection.
Und die hat während Corona geheiratet. Und dann war es halt so.
Ich habe mal einen Scherz gemacht, weil sie meinte, ja, es kommen 200 Leute. Und dann meinte ich halt so, ha ha, habt ihr das um die Hälfte reduziert? Und sie meinte, ja, ganz ernst.
Eigentlich waren so 400 bis 500 Leute geplant. Das ist echt, echt krass.
Und dann hat sie aber auch gesagt, ja, sind halt auch so Geschäftsfreunde, eher auch noch von der Familie und so weiter.
[Yesica Ríos]
Wir haben gesagt, wir machen es in Deutschland für die Leute, die in Deutschland sind. Und wir machen es in Mexiko für die Leute, die in Mexiko sind. Und dann sind wir hier in einem Rathaus geheiratet.
In Oktober eigentlich. Wir sind am 11. Oktober, also in ein paar Tagen, am Freitag, werden wir elf Jahre feiern. Aber da haben wir geheiratet. Es war eine wunderschöne, regnerische, graue Hochzeit. Typisch Hamburg.
Es hat geregnet, es war kalt, es war grau. Also alles, was man in Hamburg haben kann, haben wir gehabt.
[Merlene]
Aber auf Französisch sagt man auch, eine regnerische Hochzeit ist eine glückliche Hochzeit. Ja, also das war wirklich so eine schöne Hochzeit. Okay, und das jetzt eingeordnet in, ihr habt geheiratet, wart aber in einer Fernbeziehung.
Das stelle ich mir, um ehrlich zu sein, auch ein bisschen traurig fast vor. Wenn man so was Schönes miteinander erlebt, dann muss man wieder in zwei unterschiedliche Länder.
[Yesica Ríos]
Ich habe es nicht so traurig gesehen, ich dachte, es ist schön. Also ich habe es auch diese Zeit genossen. Ich habe es gesagt, okay, ich habe meine Privatzeit, ich arbeite und danach habe ich Zeit, Sachen zu machen mit Freunden und so.
Und trotzdem, wir haben uns sehr oft gesehen. Ich muss ganz fairerweise sagen, ich glaube, jede sechs Wochen haben wir uns wieder gesehen. Also wir waren nicht so lange, dass wir uns nicht sehen konnten.
Für eine Woche. Also wir waren schon mehrere Tage da vor Ort.
Ich erinnere mich danach, es war echt eine schöne Zeit. Also beide haben es sehr, sehr genossen. Und wir wussten, dass wir zusammen, also es war schon ein Abstand von Monaten, dass wir wussten, dass meine Zeit in Deutschland zu Ende ist.
Und als ich zurückgekommen bin, waren meine ganzen Sachen in einem Container Richtung Mexiko. Und dann haben wir an Daniel gesagt, wir senden dich jetzt nach Deutschland. Und wir haben gesagt, prima.
Nein, das geht nicht. Oder wir haben gesprochen und gesagt, nein, drei Jahre getrennt geht das nicht. Das ist zu viel.
Und dann haben wir uns entschieden, dass ich ein Jahr und ein halbes Jahr Sabbatical nehme. Ich war schon schwanger. Und dann habe ich gesagt, nee, dann kann ich das.
In Mexiko gibt es keine Elternzeit. Also das muss man auch, vielleicht man ist gewöhnt hier, dass Elternzeit selbstverständlich ist. Aber in Mexiko gibt es das gar nicht.
Also du arbeitest zwei Monate nicht, aber dann musst du zur Arbeit.
[Merlene]
Was heißt, du arbeitest zwei Monate nicht? Heißt es dann auch, dass das quasi unbezahlt ist?
[Yesica Ríos]
Zwei Monate hast du nach der Geburt deines Kindes, du hast zwei Monate Mutterschutz. Und danach musst du zurück zur Arbeit.
Mutterschutz bezahlen die dann. Aber nach zwei Monaten musst du zurück zur Arbeit.
Oder bleibst du da unbezahlt. Aber diese Konstellation gibt es nicht. Du kommst wieder zurück.
Und da wollte ich, habe ich gesagt, ich möchte gerne, weil ich das kenne von selber, dass ich als Baby auch sehr früh in der Kita abgegeben würde oder in der Krippe. Mit einem Monat alt war ich, habe ich gesagt, nein, ich möchte diese Zeit haben. No matter what.
Auch wenn ich kein Gehalt kriege. Aber es hat gut funktioniert. Ich konnte diese Pause machen, die für mich war perfekt, weil ich konnte da quasi mit unserer Tochter zusammen sein.
Und es hat schon gut gepasst. Also dann bin ich zurück mit Daniel nach Deutschland. Und ich war da quasi in einem Jahr, in dem ich nicht gearbeitet habe.
[Merlene]
Was heißt zurück mit Daniel nach Deutschland? Weil du warst ja theoretisch dann in Wolfsburg.
[Yesica Ríos]
Ja, genau. Und dann bin ich nach Mexiko zurückgegangen, also geflogen. Und ich war nur ein paar Monate da. Und dann sind wir zusammen zurück nach Deutschland.
[Merlene]
Nach Hamburg?
[Yesica Ríos]
Nach Wolfsburg.
[Merlene]
Okay. Und können wir nochmal ganz kurz, weil ich bin immer ein bisschen vorsichtig mit den Fachbegriffen, die wir hier benutzen. Was heißt Sabbatical?
[Yesica Ríos]
Sabbatical ist tatsächlich, dass du kein Gehalt bekommst. Dass ich nicht für jemand anderen arbeite, sondern tatsächlich ich eine Pause nehme von der Arbeit. Unbezahlte Pause.
Aber ich habe das Recht, zurückzukommen. Okay. Und früher oder in Mexiko gibt es nicht, dass du unbedingt sagst, ich gehe ein Jahr und komme zurück und ich habe meinen Arbeitsplatz.
Sondern es ist, du gehst und du gehst. Und das wollte ich nicht, weil ich war mir nicht sicher, ob wir hier bleiben oder nicht. Und ich wollte einfach die Option offen lassen.
Und ich habe das verhandelt und ich konnte das machen. Also ich war sehr dankbar. Ich muss immer, immer, immer positiv über Volkswagen sprechen, weil es hat mich so viele Chancen gegeben.
Und bis zum Ende, als ich gesagt habe, ich möchte gerne in Sabbatical. Und selbst als ich gekündigt habe, haben sie mich auch unterstützt. Und also ich werde da sagen, für mich ist Volkswagen einer von dem, so gut in meinem Herz.
Also weil ich habe da Karriere gemacht, habe so viel gelernt, so viel Unterstützung bekommen. Allerdings war am Ende der Beruf, den ich da geübt habe, nicht mehr auch für mich. Es war auch okay.
Aber in Sabbatical habe ich dieses eineinhalb Jahre nicht gearbeitet und hatte die Zeit gehabt, um zu gucken, was ich machen werde. Aber dann kommen wir zurück an die Zeit, als wir in der Hamburg Media School waren. Wir haben diese Idee gehabt.
Ich habe es gemerkt in diesem Jahr, als wir in Wolfsburg waren. Und Daniel auch, dass weder er noch ich in meiner letzten Tätigkeit so überzeugt und glücklich waren. Und dann kam die Idee, was ich gerade gesagt habe.
Dann haben wir gekündigt. Unsere Tochter war neun Monate alt. Und dann sind wir nach Hamburg gezogen.
Also wir haben uns in den Entscheidungen getroffen. Haben wir beide unsere Kündigung verhandelt. Und es ging alles wirklich super.
Von unserem tollen Haus, das wir in Wolfsburg hatten, mit einem großen Garten, was man hier in Hamburg nur träumt. Und unsere privaten Versicherungen und alles. Unsere Flüge nach Mexiko, alles weg.
Komfort gar nicht. Nee, war alles weg. Ich hatte immer gehabt, dass wir als Experts gelebt haben.
Und dann haben wir für uns den ganzen Umzug gemacht. Und es war für mich das erste Mal, dass ich dachte, okay, als wir selber alles alleine machen müssen und alleine um alles kümmern, dachte ich, oh wow, was haben wir gemacht.
Und dann kam die Style-Phase.
Mutige Kündigung, Führung lernen und den eigenen Stil finden
[Merlene]
Aber auch interessant, dass ihr zuerst gekündigt habt, um euch dann um das Unternehmen zu kümmern, was ihr jetzt aufgebaut habt. Weil ich es auch oft andersherum höre bei Gründern, dass man das quasi so nebenbei erstmal anfängt und dann, sobald es irgendwie auf den Beinen steht oder man so die ersten Anfänge hat, dass man dann da weitermacht.
[Yesica Ríos]
Ja, wir haben es gesagt all in. Wir versuchen es. Und wenn das nicht klappt, wir haben uns Geld gespart.
Ich hatte eine Wohnung in Mexiko, als ich sehr jung war, gekauft. Mir ging es damals super gut auch privat, also mit der Arbeit. Und danach habe ich da investiert in eine Wohnung.
Und danach habe ich die verkauft, weil ich dachte, okay, dann all in. Und dann mit diesem Geld, ist es nicht, dass wir eins zu eins zu der Firma gegeben haben, sondern haben wir gesagt, okay, falls etwas nicht geht, egal, wir haben Geld für ein Jahr, um zu leben, wie wir leben. Ohne nichts.
Selbst wenn es der Firma nicht gut geht, selbst wenn wir kein Geld machen, selbst wenn wir keine Finanzierungsrunde machen, wir können damit leben. Und wir haben genug auch, um einen neuen Job zu finden. Und dann waren wir all in.
Also es war wirklich für uns, es gab keinen anderen Weg. Wir haben es viel gelesen und gesagt, wir können das ja nur mit Fokus die Sachen nach vorne bringen und ernst nehmen. Und ich glaube, etwas, was ich heute sehr gut finde und immer wieder darüber nachdenke und denke, ja, das war richtig, dass wir die Voll-Ernsthaftigkeit genommen haben, in was wir machen.
Weil dann bist du in einer Idee oder einem Konzept oder in einem neuen Start-up voll in. Also dann, du lebst, du atmest nur anders und dann gibt es ein anderes Tempo an den Sachen. Also wenn du mich fragst, würdest du es anders machen?
Ich würde es nicht anders machen. Ich würde weder, wenn ich noch mal neu begründen würde, würde ich es noch mal all-in machen. Wie gesagt, ich bin nicht so, man klingt jetzt risikoaffin, ich bin nicht so der Person, die sagt, ja, let's do it.
Wahrscheinlich vielleicht für viele andere ist es da schon Risiko, dass du gehst in ein anderes Land und verlässt alles. Aber irgendwann kommt für mich die Grenze, ich brauche ein bisschen Sicherheit. Und meine Sicherheit war, dass wir genug Geld hatten, dass wir weiterleben könnten, bis wir etwas Neues gemacht haben.
Aber nicht ohne die Sachen zu probieren, was wir probiert haben, also was wir angefangen haben. Ja, so ging es bei uns. Also wir haben gekündigt und alles gelassen.
Und dann wart ihr in Hamburg. Dann waren wir in Hamburg in einer superschönen 45 Quadratmeter Wohnung.
Ja, aber es ist, was wir uns erlauben konnten, wenn wir ja das alles konsequent machen wollten. Und ich erinnere mich, dass wir mussten, wir mussten die Hälfte unserer Sachen verschenken, weil es hat nicht gepasst.
Also wir hatten ein Haus von 200 Quadratmetern. Und dann, ja, packt das alles in den 45 Quadratmetern, dann hat es nicht gepasst. Mussten wir wirklich viele Sachen verschenken lassen, alles, was wir nicht brauchten.
Und ich kann nur empfehlen, einmal das zu machen, weil dann wirst du merken, wie viele Sachen du nicht brauchst. Ja. Mindestens einmal im Jahr, was brauchst du wirklich nicht.
Ja, und dann sind wir da in der fünften Etage, selber alles getragen und es war die Hülle. Ich denke drüber nach, denke ich, oh, das hätte ich anders gemacht. Aber hätte ich jemanden gefragt, eine Umzugsfirma, dass sie uns hilft, aber das haben wir selber alles gemacht.
[Merlene]
Echt?
[Yesica Ríos]
In den fünften Stock. Also das war schön. Wir hatten, glaube ich, ein paar...
Nein. Jemand hat uns geholfen, weil ich glaube, Daniel und ich alleine können wir das nicht. Aber wir waren wirklich zu dritt.
Das war schön. Interessant, werde ich sagen. Nach einem Jahr, einem Monat, hat uns die Frau, wir waren als Untermieter, wir haben mit der Frau gesprochen.
Und das habe ich niemandem erzählt, weil es mir so peinlich war. Ich weiß nicht, warum denn. Aber wir haben diese Vermieterin, wir haben uns gefragt, ob das okay ist.
Und sie meinte, ja, ja, absolut, alles gut, wie schön, dass ein neues Baby kommt und so. Ja, perfekt, dann haben wir es, sind wir umgezogen. Nach einem Monat kam ein Brief, ihr müsst raus, weil es ist nicht erlaubt, Untermieter zu haben.
Und wir hatten keinen Job, keine Firma noch nicht und dann keine Wohnung, weil wir mussten sofort raus. Und das war super anstrengend.
[Merlene]
Das heißt, eure Vermieter haben das selber untervermietet und das durften sie nicht?
[Yesica Ríos]
Der Vermieter damals hat uns dann untervermietet. Aber wir haben gesagt, wir wollen gerne richtig machen. Wir müssen fragen, ob das okay ist.
Und wir sind zu zweit gegangen und gefragt, geht es? Ja, ja, geht. Und dann nach einem Monat gab ein Anwalt Brief, wo sie gesagt hat, wir wollen die Wohnung verlassen.
Und natürlich, wir hatten schon einen Kita-Platz da und alles. Und das war ziemlich heftig. In diesen Momenten sind Momente, wo man denkt, was haben wir gemacht?
Also, da wir nicht mehr privat versichert waren, da waren wir in einer öffentlichen Krankenkasse. Dann habe ich keinen Kinderarzt in der Ecke gefunden, weil alle nur private versicherte Kinder genommen haben. Und ich habe wirklich, ich glaube, da fast geheult.
Also, da dachte ich, was haben wir gemacht? Warum sind wir jetzt von dieser schönen Komfortzone, wo alles sicher war, weg? Und sind wir jetzt ohne Wohnung, ohne Arzt, ohne nichts?
[Merlene]
Und in dem Moment, wie bist du da wieder rausgekommen? Weil offensichtlich ist ja heute der Status quo ein anderer. Ihr habt dann gegründet und es ist auch gut gelaufen.
Und deine Kinder sind mittlerweile älter, beziehungsweise du hast auch noch ein zweites Kind bekommen. Und in dem Moment, wenn du dich daran zurückerinnerst, wie es da war, wie bist du in diesem Moment quasi überkommen?
[Yesica Ríos]
Wir haben uns diese Mantra, Daniel und ich, jahrelang gehabt. Und immer noch haben wir gesagt, es ist so, dass wir einen Spaziergang machen. Also, wirklich laufen Gedanken weg.
Und am nächsten Tag gesagt, neuen Tag, neues Glück. Es ist wirklich so. Also, wenn schwer auf schwer kommt, wenn solche Tage sind. Und das war einer von mehreren Tagen, die es so gab, in diesen acht Jahren. Es war immer diese Mantra, neuen Tag, neues Glück. Das hat mir auch, also nicht zu verlieren, okay, warum machen wir, was wir machen?
Warum sind wir jetzt in diesem unangenehmen Moment? Also, wir wollten beide selber entscheiden, wo wir wohnen. Wir wollten selber entscheiden, was wir machen.
Wir wollten selber entscheiden, was wir kreieren. Und das war viel stärker als alle die dummen Sachen, die passieren sind in dem Moment. Und tatsächlich haben wir einen Spaziergang gemacht.
Und um die Ecke gab es einen Schild, wo man sagte, zu vermietende Wohnungen. Also, es waren keine spektakulären Wohnungen, aber es war etwas da um die Ecke. Und dann habe ich sofort angerufen.
Und die Frau war mega nett. Und sie meinte, ja, gerade habe ich nicht. Aber es wird eine bald, in einem Monat oder in ein paar Wochen. Und dann haben wir gesagt, wir wollen es. Wir wissen nicht, wie groß ist das? Ist egal. Sie hat uns ungefähr gesagt, wie viel es kostet. Dann haben wir gesagt, wir können es bezahlen. Wir wollen es.
Wir haben die nicht gesehen. Wir haben Unterschriften auch nicht gesehen. Und es war glücklicherweise eine gute Wohnung.
Aber es war nichts Spektakuläres. Also, es war eine sehr einfache Wohnung. Aber da waren wir super glücklich, dass wir diese Wohnung hatten.
Und dass wir nicht umziehen und neue Kita finden. Und vielleicht kennst du da noch nicht aus. Aber das Kita-Thema ist so ein Thema hier in Hamburg. Einen Platz zu kriegen. Das war auch nicht ohne. Ich erinnere mich, dass diese...
Nicht vergessen, warum wir das machen. Und es hat mich total gezogen. Ich kannte nur die Corporate Life. Also, Konzerne. Und es war für mich total schön, dieses Atmen. Julia war sehr klein.
Und wir haben einen Spaziergang gemacht an der Alster. Und haben über unsere Idee gesprochen. Wir haben mega viel gelesen. Wir waren wirklich wie Studenten wieder. Wir haben alles, was wir lesen könnten, Videos sehen könnten. Alles, was es gab über Startups, Gründung.
Ich erinnere mich, dass wir mehrere Bücher gekauft haben. Und YouTubes-Videos ohne Ende gesehen haben. Ich versuche einfach, so viel zu mitnehmen. Das war so schön. Dass diese Tage wie denen schnell vergessen waren. Ich hatte in dem Moment schon Angst. Wenn das nicht läuft oder funktioniert. Aber trotzdem habe ich es gemacht. Wie vieles in meinem Leben.
Ich habe Angst, aber mache ich es trotzdem. Es wird irgendwie gut gehen. Das war ein Grund, warum ich mich hier bewegt habe. Weil ich wirklich wollte.
[Merlene]
Wenn jetzt jemand gründen möchte. Was sind drei Lektionen, die du mitgeben könntest? Aus dem, was du gelernt hast.
Vor der Gründung, aber auch rückblickend.
[Yesica Ríos]
Wenn man in der Phase ist, vor der Gründung. Ich sage es immer. Always start with why. Das ist das alte Simon Sinek-Video. Den golden circle. Ich sage es immer wieder. Start with why. Warum machst du was? Warum glaubst du, es ist ein Produkt.
Oder was du entwickeln möchtest. Oder deine Start-up existiert. Das ist der Grund. Das wird alles bewegen. Das wird dich motivieren. Du wirst etwas für den Kunden machen. Was ist das? Always start with why. Das habe ich immer noch.
Das erlebe ich immer noch. Vor acht Jahren heute auch. Ich werde in der Zukunft immer sagen. Start with why. Get out of the building. Geh raus. Bleib nicht hinter deinem Computer. Stell dir vor, wie das sein könnte. Geh raus. Geh mit dem Kunden sprechen. Mit deinem zukünftigen Kunden. Mit den Personen, die das Problem haben. Frag Family and friends. Dass du jemanden suchst, der als Nutzer ist. Das wirst du so viel davon lernen. Was ist das Problem? Warum? Wie wirklich obsessiv mit diesem Kunden.
Drittens. Sprich viel darüber. Sprich über deine Idee. Über deine Start-up. Mit Menschen. Pitch das. Du lernst zu pitchen. Du wirst es verfeinern. Du wirst es merken. Wie gut das akzeptiert ist.
Es ist nicht der Grund. Wenn eine Person es nicht gut findet. Vielleicht ist es nicht deine Zielgruppe. Aber du weißt es nicht. Wann kennt diese Person jemanden, der eine Idee unterstützt. Als Finanzierungsfunde. Als Investor. Als Person, die mitarbeiten möchte. Deswegen finde ich es immer gut.
Als wir in Hamburg kamen und niemanden kannten, haben wir viel darüber gesprochen. Sogar auf Spielplätzen. Das ist Running Gang. Wir waren immer an Spielplätzen. Ein Business Angel haben wir in der Kita kennengelernt. Andere gute Leute haben wir auf dem Spielplatz kennengelernt. Ich erinnere mich.
Überall darüber zu reden. Man weiß es nie. Das wären meine 3 Tipps.
[Merlene]
Interessant, um ehrlich zu sein. Ich befasse mich mit dem Thema.
Was ich als schwierig erachte. Sich als Gründer zu identifizieren. Das ist es jetzt. Komplett mit seiner Idee rauszugehen. Wer weiß, wie die Leute reagieren. Ich hatte oft das Erlebnis, dass Leute, wo ich nicht gedacht hätte, dass sie es interessiert. Das ist total wichtig.
Gleichzeitig habe ich das Gefühl. Wenn ich mit Leuten spreche, dass sie nicht wissen, wofür das gut sein soll. Hast du einen Tipp? Wie man damit umgeht?
[Yesica Ríos]
Warum mache ich das? Für wen ist das wichtig? Die komplette Überzeugung für dich selbst.
Dass die Art, wie du das machst. Der richtige ist. Es ist deine Art. Niemand wird das mit dir argumentieren. Ob das richtig oder nicht richtig ist. Am Ende entscheiden die Nutzer. Oder die Leute, die es dafür machen. Oder die Personen, die sich profitieren. Am Ende entscheiden die, ob das gut ist oder nicht.
Die Meinung der anderen nehme ich mit. Ich denke drüber nach. Aber manchmal wird es treffen. Manchmal nicht. Ich glaube, was es hilft. Wenn du dich die ganze Zeit mit einem Thema beschäftigst. Dann bist du ein Experte. Oft wenn ich mit Leuten spreche. Wer braucht sowas? Dann denke ich, ich bin der Experte. Ich kenne das Thema. Vielleicht kennen sie es nicht. Weil du nicht der Experte bist. Das gibt mir immer Sicherheit. Wenn ich spreche über meine Firma.
Das sind die Sachen, die ich der Experte bin. Je nachdem, wer die Person ist. Ob welche Expertise er hat. Hat die Meinung mehr oder weniger Bedeutung. Aber das Gefühl, ich bin der Experte in meinem Thema. Und ich vertrete mein Thema. Und mein Unternehmen. Das kann ich nur ich machen. Ob ich das gut finden oder nicht gut finden. Das sollte in der ersten Linie sekundär sein.
Ich weiß nicht, ob das hilft. Aber mir hilft das zu wissen, ich bin der Experte. Ich kenne das.
[Merlene]
Das ist ein guter Tipp. Ich möchte zurückkommen auf euer Unternehmen. Wie lange gibt es das schon?
[Yesica Ríos]
Acht Jahre.
[Merlene]
Auch schon acht Jahre. Man hat gesehen, es hat geklappt.
Was mich für das Thema weibliche Führung interessiert.
Das ist bei euch besonders interessant, dass ihr verheiratet seid. Und ihr habt ein Unternehmen zusammen.
Richtig menschliche Kinder. Aber ihr habt auch noch ein Unternehmenskind. Alle mit J.
[Yesica Ríos]
Unsere Kinder heißen Julia und Jonathan. Unser drittes Kind ist auch mit J.
[Merlene]
Ihr seid beide Gründer und Führungskräfte in diesem Unternehmen. Gibt es Unterschiede, die du im Führungsstil bemerkst? Zwischen dir und deinem Mann?
[Yesica Ríos]
Ja, voll. Da sind wir so unterschiedlich. Aber ich musste mich auch finden.
Ich habe mich super unsicher gefühlt. Ich habe keine Ahnung von Gründung. Keine Erfahrung mit Startups. Ich hatte schon meine ersten Erfahrungen in Leadership, aber nicht tief. Daniel war viel weiter in diese Richtung als ich. Ich habe in den ersten zwei Jahren viel intern Arbeit gemacht.
Ich habe viel gesagt, ich möchte Marketing. Da war der Moment, wo ich dachte, endlich mal kann ich das machen. Dann habe ich mich matrikuliert. Ich brauche immer diesen akademischen Background. Ich brauche zu wissen und zu lernen. Ich wollte auch Netzwerken.
Deswegen bin ich in der Hamburg Media School gelandet. Aber da habe ich mich sehr unsicher gefühlt, wie ich führe. In Deutschland hatte ich keine Erfahrung in Führung. Ich kannte nur die Kultur in Mexiko. Ich war unsicher, wie es ist. In den ersten zwei Jahren habe ich gemerkt, ich kann führen, aber mein Stil ist so anders.
Ich kann die Vorschläge meiner männlichen Umgebung nicht so machen, weil ich ganz anders bin. Dann musste ich viel Mut nehmen und sagen, ich mache es aber anders. Weil ich so bin.
In ein paar Sachen ist Daniel stärker und in anderen Sachen bin ich stärker als er. Ich glaube, es ist ein guter Austausch zwischen er und ich, weil in manchen Themen komme ich nicht weiter. Seine Art kommt weiter als ich und andersrum genauso.
In den letzten Jahren habe ich mich viel weiterentwickelt. In der Führung habe ich Coachings gemacht, habe ich ein Programm teilgenommen von der Lea-Sophie-Kammer. Das fand ich auch total schön, anderen Frauen in Führungen zu gucken, sie führen sehr ähnlich wie ich.
Nicht nur, dass ich anders bin, sondern wahrscheinlich sind Frauen anders. Da habe ich gelernt, meine Art zu schätzen, zu sagen, es ist okay, dass ich so führe. Ich bin kein Mann und es ist auch okay. Es kam super gut an. Da bin ich happy. Es ist gar nicht so lange her, dass du das gemacht hast.
Letztes Jahr habe ich den ersten Teil genommen und dieses Jahr den zweiten. Aber mit meinem Coach habe ich vor vier Jahren angefangen.
[Merlene]
Gibt es einen Tipp, den du jemandem geben könntest, der jetzt anfängt vielleicht erste Führungserfahrungen zu machen? Worauf man achten kann?
[Yesica Ríos]
Am Ende arbeitet man zu Menschen. Ich glaube, die Wertschätzung ist super wichtig. Was sie machen, auf die Stärken achten und auf die Schwächen.
Etwas, was ich gelernt habe, ist, wo ein Mensch super stark ist, ist die andere Seite des Wogens eine Schwäche. Es heißt nicht, dass etwas schlecht ist, sondern es heißt, dass diese Person viel in dieser Stärke geübt hat, dass die andere schwächer wird. Dann musst du auf die andere Schwäche achten.
Wenn Menschen irgendwo stark sind, kannst du sie alleine arbeiten lassen. Das kann ich dann delegieren. Weil du so stark bist, dass du es alleine machen kannst.
Aber wenn es eine Schwäche ist, obwohl du das brauchst, das zu delegieren, und du kannst es nicht machen, wenn diese Person diese Schwäche hat, wird es schwierig, weil diese Person braucht mehr Führung. Das ist ein bisschen zu gucken, was für eine Führungsart soll ich machen und welche Art von Mensch ist auf die andere Seite. Hast du dann ein bestimmtes Tool, was du benutzt, um das herauszufinden?
Ja, ganz einfach. Ich frage immer, was sind deine Stärken? Nein, weil normalerweise sagen die Leute, ich habe ein paar Schwächen, aber durch die Stärken, wenn man fragt, oder du merkst auch selber, welche Stärke eine Person hat, wenn du länger mit dieser Person arbeitest.
Aber es ist immer sehr gut zu wissen, was schätzen sich selber als Stärke, und dann kannst du auf dem gleichen Level auf die andere Seite schauen. Okay, wenn das diese Stärke ist, dann ist die Schwäche wahrscheinlich auf der anderen Seite da, und dann kannst du es einfach für dich einordnen. Wo kannst du Sachen delegieren, wo kannst du nicht Sachen delegieren, und wo kannst du sagen, da arbeiten wir eng zusammen, weil da hast du offensichtlich nicht so viel geübt.
Und auch zu fragen, machst du gerne, dass wir enger zusammenarbeiten, oder brauchst du es ein bisschen zuerst alleine zu arbeiten? Also das sind die Sachen, die ich gerne von den Leuten wissen möchte. Was sind die Stärken?
Und wenn du ein Team hast, dann weißt du schon aus deinem Team, wo sind die Stärken von dem Team, wo sind die Schwächen von dem Team. Etwas, was ich sehr gerne, gerne, gerne nutze, und alleine in der ganzen Gründungsgeschichte ist diese, und das habe ich von Lea-Sophie Krammer gelernt, diese Treppe des Lernens.
You don't know what you don't know. Also wenn du bist inkompetent in einem Thema, dann bist du unbewusst inkompetent. Zuerst musst du die Kenntnis bekommen, dass du etwas nicht kannst. Und das ist die erste Stufe. Also da bist du unten auf der Treppe. Du bist nicht bewusst, dass du in etwas nicht gut bist, oder nicht kompetent bist.
Dann bist du, wenn du sagst, okay, du kannst kein Spanisch, dann ist deine Inkompetenz, es ist schon bewusst, dass du das nicht kannst. Das ist der erste Schritt, weil es ist wirklich, manchmal man muss auch ein bisschen sanfter mit sich selber sein und sagen, ja, jetzt ist mir der erste Schritt gelungen, jetzt weiß ich, dass ich etwas nicht kann.
[Merlene]
Beim Thema Spanisch wirklich on point. Wirklich genau dort öffne ich mich gerade.
[Yesica Ríos]
Ja, und dann bist du bewusst. Und dann wirst du irgendwann bewusst kompetent. Aber es kann Druck aufbauen.
Also wenn du nicht so, dann wirst du nochmal wieder bewusst inkompetent. Und es ist wirklich, es muss nicht immer nach oben, sondern kann immer nach unten gehen und es bedeutet auch nichts. Weil damit etwas gefestigt bleibt, musst du sehr viel machen, damit du unbewusst kompetent bist. Das heißt, in dem Moment, wo du Spanisch sprichst, ohne nachzudenken, wie sagt man diesen Satz, dann bist du unbewusst kompetent.
Und das ist die Treppe des Lernens, wenn du anfängst von unbewusster Inkompetenz zu bewusster Kompetenz. Und diese Treppe, glaube ich, ist eine sehr schöne Visualisierung von Sachen, die du noch nicht kannst oder die du nicht wusstest, dass du nicht kannst. Und mit dem Team kannst du supergut, mit dir selber, also ich bin jetzt bewusst, dass ich diese Kompetenz nicht habe.
Ich werde dran arbeiten und ein bisschen Geduld haben. Es kann sein, dass ich immer wieder nicht kann, aber das ist normal. Das braucht ein paar Schleifen, damit es eine bewusste Kompetenz wird.
Es ist ein sehr schönes Tool, finde ich, für sich zur Weiterentwicklung und ich finde, dass Frauen sind ja ein bisschen zu hart mit uns selber. Sie sagen, ich habe das nicht und ich kann das nicht. Entweder kann ich oder kann ich nicht.
Und ich finde, diese Treppe des Lernens ist ein sehr schönes Tool, um zu verstehen, wie es funktioniert, wenn man etwas lernt, neues lernt und neue Kompetenz baut. Und es ist ein bisschen geduldiger mit sich selber zu sein und zu sagen, es ist auch okay.
[Merlene]
Hast du ein Beispiel, was du heute noch anwendest?
Ich meine, acht Jahre vorher warst du bei Volkswagen, wo du heute noch merkst, okay, darin möchte ich noch besser werden oder das kann ich noch nicht so gut.
[Yesica Ríos]
Ja, also tausend Sachen. Aber mit Leadership ist es noch viel zu machen. Da kommst du nicht zu Ende.
Wie kommst du in bestimmte Situationen, wo man sagt, okay, da hätte ich anders reagieren können oder die Situation hätte anders geschätzt. Das sind Sachen, die ich noch diese Treppe des Lernens nutze. Da denke ich, okay, mir war nicht bewusst, dass ich diese Kompetenz nicht habe.
Gar nicht bewusst, dass ich Steuerrecht bis zum Ende wusste. Mir war nicht bewusst, wie wichtig es ist oder nicht wichtig. Und dann muss ich mir die Kompetenz bauen.
Manchmal habe ich Lust, manchmal nicht. Es gibt Sachen, die ich denke, nee, also ich brauche nur Oberfläche zu verstehen, weil wir haben jemanden, der sich damit konzentriert und kümmert. Das passiert immer wieder mit neuen Themen.
Das ändert überhaupt nicht. Man findet jedes Mal neue Dinge. In der Phase, wo wir sind, sind andere Themen dran.
Was machst du mit deinem Scale-Up-Unternehmen? Wie positionierst du dich da? Wie positionierst du dich zum Beispiel in langer Beziehung mit Kunden? Nach so vielen Jahren? Wie machst du die nächsten Schritte? Das sind Sachen, die wie arbeitest du mit der Regierung?
Solche Sachen, die ich mir total nicht bewusst war, dass ich das nicht konnte. Und heute ist mir bewusst und da denke ich, okay, dann muss ich mich das Know-how holen. Ich glaube, das ist eine Sache, die mich fasziniert in der Gründung, dass du die Möglichkeit hast, niemals dieses Know-how für dich zu holen.
Also von überall, von Netzwerken, Events, von Leuten, die du ansprechen kannst, sagen, ey, kannst du dich austauschen mit mir eine halbe Stunde? Du bist Expertin in diesem Thema, kannst du mir helfen? Es ist unglaublich, wie viele positive Resonanz kommt, wenn du fragst.
Wenn du Hilfe fragst oder Know-how fragst. Oder ich bin sehr vorsichtig immer mit wie viel Zeit von den anderen, aber es ist unglaublich, wie viel Zeit die Leute doch sich nehmen und eine halbe Stunde dir zu helfen. Übrigens, ich versuche immer auch zurückzugeben, wenn jemand fragt, ich habe ein Interview, weil ich meine Masterarbeit mache und ich versuche, Leute zu interviewen, dann sage ich fast in der Regel, ja, in der Regel sage ich immer ja, weil da kann ich sagen, zurückgeben, was ich bekommen habe.
Also das ist auch eine schöne Sache.
[Merlene]
Okay, dann sind wir eigentlich schon beim richtigen Thema auch, Zeitmanagement, weil auf der einen Seite hast du ja eine Familie, du hast dieses Unternehmen, du hast eine Führungsaufgabe, aber ja auch inhaltliche Aufgaben im Unternehmen. Wie teilst du die Priorisierung für dich auf? Im Sinne von, hier möchte ich in der Führung noch weiterkommen und hier nehme ich mir jetzt Zeit für das Inhaltliche.
[Yesica Ríos]
Also zuerst kenne ich privat und Firma. Also privat, was ich jetzt mache, ist, dass ich jeden Sonntag habe ich einen Kalender für die Woche, wo wirklich Papier, altmodisch, aber es funktioniert bei mir, weil es liegt in meinem Kühlschrank und dann weiß ich, wo jeder das Kalender von uns ist und dann stehen die privaten Termine, also Geburtstage von Pate von jemand oder ich eine Verabredung, da markiere ich auch, wann die Kinder schwimmen, Fußball haben, wann ich zum Sport gehen möchte und das sind meine Themen, die ich denke, okay, das ist in der Woche und dann kann die anderen Sachen passieren. Also dann habe ich diese Blockade in meinem Kalender, Blocker und dann gucke ich meinen Privatkalender, was ich jetzt mit operativ ist, ich plane immer jeden Montag mit meinem Team die Woche, also genau das, was ich privat am Sonntag mache ich in der Woche und sage, okay, das ist der Kickoff der Woche, was wollen wir diese Woche schaffen.
Das haben wir vor schon sieben Jahren angefangen, als wir noch zu zweit waren und hat uns sehr geholfen, weil A, ich liebe Karten zu schieben oder Checklists zu machen, da machen wir quasi von den Hauptthemen, was wir haben in der Firma, also das sprechen wir auch am Montag, was sind die pro Quartal, pro Monat und je nachdem, was wir in einem Monat schaffen wollen, dann verteile ich ein Klein und sage ich, okay, was damit, dass das passiert in diesem Monat oder in diesem Quartal, was soll diese Woche passieren und dann teile ich mit meinem Team, okay, was sind die Aktivitäten, jeder eigentlich hat seine eigenen Aufgaben und Bereiche und dann sage ich, okay, diese Woche schaffe ich das, das, das, das, das und es ist geplant, damit, dass das passiert. Am Ende des Monats mache ich auch mit mir selber, also ich sage, ich bin Teil des Teams, also da bin ich nicht so, ich bin da, die ich schaffe und sage ich euch, was alle was machen muss, sondern ich bin auch Teil des Teams und sage, das sind meine Karten, das ist wichtig, das nicht wichtig, abstimmen wir uns ein an in der Regel, was Themen für diese Woche sind oder doch für die nächste Woche und dann ist quasi die Planung für die Woche, da werden dann quasi meine operativen Aufgaben oder wenn Führungsaufgaben sind, dann mache ich auch separat den nächsten Termin und geht das quasi die Operative und fließt das an und am Freitag machen wir immer eine kleine Retro, wo wir sagen, was haben wir geschafft, was haben wir nicht, was, warum, warum haben wir es jetzt nicht geschafft, weil das ist in der ersten Linie zum Lernen, wo keine Kommunikation, wo fehlen uns Sachen, hat sich geschoben, weil die in anderen Abteilungen noch nicht fertig sind, also da besprechen wir alles und wir sind sehr routiniert mit diesem Tempo, weil je nachdem, es gibt Wochen, die mega viel gibt, es gibt Wochen, die weniger gibt, in der Regel gibt es mega viel, aber das ist eine gute Aufteilung der Zeit und für mich für Führung hast du gesagt, habe ich auch meine anderen Team, das ist den ganzen Gründerteam und Leadership Team und damit haben wir eine ähnliche Planung, erst ein bisschen grober, nicht so im Detail, sondern sagen, okay, wie läuft dieses großes Thema und abstimmen wir uns ein, was ist wichtig, was wird diese Woche wichtiger passiert oder nicht und so teilen wir meine Zeit zwischen zwei Teams und was ich gelernt habe, also dein Team ist nicht nur dein Team Marketing, zum Beispiel für mich, sondern mein Team ist Marketing und mein ganz im Grunde genommen Team Leadership Team, weil das sind meine beiden Teams, die ich habe.
[Merlene]
Ich finde es interessant, um ehrlich zu sein, dass ihr als Unternehmen habt ja das Thema Führung für euch schon identifiziert als etwas, was super relevant ist. Was ich gut finde, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass Unternehmen einfach davon ausgehen, dass eine Führungspersönlichkeit steht halt oben sozusagen, aber das Thema Führung wird gar nicht als eigene Aufgabe wahrgenommen, sondern es ist so, da ist halt eine Person, die macht halt inhaltlich was, aber so das Thema Delegation oder wie geht man mit Menschen um oder so, was du vorhin schon meintest, dieses empathische Level zum Beispiel, das findet eigentlich gar keinen Platz und ich kenne es aus eigener Erfahrung auch und das hat mir in diesem Unternehmen immer sehr, sehr stark gefehlt, dass es keine Führungskultur gab, sondern immer nur einen Chef. Das ist eigentlich ganz gut ausgedrückt, glaube ich, oder am besten ausgedrückt, was ich meine.
Der war dann aber mit Sales beschäftigt oder mit irgendwas anderes und da gab es halt keine Vision, die geteilt wurde oder es wurde sich nicht mit den Mitarbeitern beschäftigt. Das hat mir immer gefehlt. Ja.
Und wie identifizierst du für dich, wie viel Zeit du darauf aufwendest?
[Yesica Ríos]
Also wir haben es wirklich, das Thema Leadership, Kultur, es ist super wichtig. Wir haben, wie du sagtest, Ups und Downs, also wir haben Zeiten, wo wir gute Kommunikation gefehlt haben, haben wir uns den Mitarbeitern auch Feedback gegeben, hier fehlt uns Information, warum passiert das nicht und dann haben wir es gesagt, okay, wir gewährleisten, dass diese Informationen runterkommen und bei uns ist das das Leadership Team bestimmte Sachen und es ist die Aufgabe, von jedem Team weiterzugeben. Das ist eine Sache.
Aber die zweite Sache ist, wir haben auch dieses Leadership mit Team Marketing und in diesen Terminen, in jeder zwei Monate, sitzen wir uns alle, die im Gründungsteam sind oder im Leadership Team von allen Abteilungen und sitzen wir uns mit dem Team Marketing und sie dürften uns fragen, was sie wollen. Egal was, was nicht klar ist. Warum so?
Weil wir wollen gerne stille Posts vermeiden. Wir fragen also, wenn ein Thema nicht klar geworden ist und so, das wollen wir nicht machen, sondern alle die Personen, die repräsentieren jede Abteilung, ist da. Das heißt, Finanzen ist da, technische Entwicklung ist da, Produkt ist da, Marketing ist da, Betrieb ist da und dann, wenn jemand hat eine Frage von Marketing in die Produktentwicklung und warum ist das noch nicht passiert, dann kann diese Person antworten vor den ganzen Leuten ohne stille Post.
Also das ist eine Art, wo wir versuchen, immer die Leute abzuholen, falls sie nicht abgeholt sind, damit wir nochmal wieder an dem gleichen Level sind. Das haben wir sehr positive Feedback bekommen von diesen Terminen. Nichtsdestotrotz glaube ich, Kommunikation ist ein Thema, der bleibt immer.
Also es bleibt immer ein Thema, das nicht gesprochen würde. Und dann versuchen wir, Antennen offen zu bleiben und sagen, okay, Stammteam ist immer schon länger her. Also schon mindestens fünf Jahre sind einige Mitglieder hier, die in diesem Marketing zum Beispiel Konstellation zusammenarbeiten.
Also wir kennen uns schon sehr gut. Und dann kennen wir schon, haben ja eine tiefe Dynamik und dann wissen wir schon, jeder etwas stimmt, etwas stimmt nicht. Wollen wir sprechen?
Und mindestens versuchen wir, eine sehr kollegiale Art und Weise zu sprechen. Und alle wissen, dass wir offen sind für Fragen. Also wenn Feedback auch, sind wir sehr dankbar, wenn wir Feedback geben.
Auch wenn Krisen sind, sind wir super offen und sagen, wir sind in einer Krise. Jetzt wird das, das, das, das passiert. Das sind die Schritte, die wir machen.
Da ist etwas, was uns sehr am Herzen liegt. Wir haben sehr viel in dieser Kultur, in unserer Unternehmenskultur, wenn du etwas willst, dann musst du fragen, dann musst du sprechen und sagen, was du brauchst. Übrigens, das Gleiche machen wir zu Hause.
Ist nicht, weil wir gleiche Kids sind, aber wir versuchen uns mit unseren Kindern zu sagen, ey, wenn ihr etwas braucht, wir können euer Kopf nicht lesen. Ihr müsst sagen, ihr müsst sagen, was ihr braucht. Wir merken auch, dass in der Arbeitswelt ist es oft, dass manche Personen tendieren einfach zu sagen, es ist offensichtlich, dass wenn ich nicht glücklich bin, dass ich etwas will.
Da denke ich, ja, aber du bist ja auch eine erwachsene Person, du kannst auch sprechen, du kannst auch sagen, ich bin damit nicht glücklich. Okay.
[Merlene]
Ich habe, glaube ich, noch zwei Fragen. Das erste ist, dass du gerade schon darauf eingegangen bist, ihr macht das auch zu Hause. Ich thematisiere auch immer die Work-Life-Balance.
Gerade als Führungspersönlichkeit, gerade als Gründerin stelle ich es mir sehr komplex vor. Du hast zwei kleine Kinder. Wie alt sind die?
[Yesica Ríos]
Neun und fünf.
[Merlene]
Okay. Das ältere Kind ist fast so alt wie euer Unternehmen, sozusagen. Aber das parallel aufzubauen, wie hast du das gemanagt? Beziehungsweise ihr jetzt auch als Paar.
Wie habt ihr euch das aufgeteilt? Wie beide super zeitintensive Sachen eigentlich sind?
[Yesica Ríos]
Ich glaube, da müssen wir ganz fair sagen, obwohl wir in der Gleichberechtigung glauben und denken und wollen, wenn du kleine Kinder hast, geht es nicht immer. Also einer von beiden muss ein bisschen mehr Zeit intensiv bei der Arbeit sein und der anderen zu Hause. Außer du hast eine externe Hilfe und sagst, okay, die muss diese Person und ich.
Wir beide sind tätig, das ist auch möglich. Aber in unserem Fall wollte ich mit beiden Kindern nicht, ich möchte die ersten Monate mit den Kindern sein. Haben wir uns da super gut abgesprochen.
Du machst Vollzeit, ich bin Teilzeit, das machen wir so. Für mich war es völlig fein, weil ich war, ehrlich gesagt, privat sehr glücklich, dass ich mit meinem Kind sein konnte oder mit beiden. Mit Jonathan war es ein bisschen anders.
Da war ich Teilzeit, also die ersten Monate war ich Teilzeit und in den letzten Monaten bevor die Kita war Daniel dran. Also da haben wir uns quasi doch 50-50, weil Daniel wollte auch mit Jonathan sein. Also das war eine schöne Sache, weil ich dachte, ja okay, dann cool.
Er will das auch und es sollte dann auch möglich sein, dass er mit dem Kind ist, mit Jonathan. Jetzt sind wir in einer Beziehung zwischen 50-50. Wir haben uns danach, nach dem ersten Jahr uns doch Hilfe geholt.
Also es kam ein Babysitter zweimal in der Woche, immer, seit Jahren und hat die Kinder abgeholt, also damit wir beide, ein Tag ist er Daniel früher nach Hause gegangen und ein Tag ich und zwei Tage oder zwei Tage ich und ein Tag Daniel und zwei Tage Daniel und ein ich und zweimal die Babysitter, weil das sonst anders nicht möglich wäre. Also da ist es nach einem Jahr haben wir uns gesagt, okay, dann brauchen wir Unterstützung. Meine Eltern wohnen in Mexiko, die Mama von Daniel konnte aber ab und zu nicht regelmäßig, daher haben wir uns einen Babysitter geholt, also geholt und sie hat uns unterstützt.
Jetzt seit Sommer haben wir keinen Babysitter mehr und dann haben wir gesehen, ohne Babysitter ist es schon sehr zeitintensiv, vor allem die Kinder sind jetzt in einer Phase, wo sie noch nicht alleine überall gehen können, natürlich mit fünf gar nicht, aber mit neun auch noch nicht und sie haben Interesse mit Sport und Hausaufgaben und so weiter und zum Beispiel, ich habe ab jetzt bis Ende des Jahres habe ich Work-Life-Balance werde ich so nennen, aber ich habe entschieden, dass gerade meine Tochter braucht mich ein bisschen mehr und dann habe ich alles arrangiert, damit ich ab bestimmten Tagen, drei Tagen der Woche nach 13 Uhr nicht mehr im Büro bin, also komplett zu Hause, also komplett mit den Kindern und weil jetzt gerade ist es notwendig. Nicht notwendig, weil das ist wirklich ein falsches Wort, aber ich habe es gemerkt, Julia braucht mich jetzt und sie braucht mich nicht morgen oder nicht wenn sie 15 ist, sondern sie braucht mich jetzt und das war eine persönliche Entscheidung und habe ich mit Daniel quasi das Thema gechallenged, warum, wie, was, wie machen wir das, wie ist möglich. Ich habe danach mit meinem Team gesprochen, ich bin unglaublich dankbar, dass mein Team gesagt hat, Jessica, du machst immer, wir wissen, dass du immer viel arbeitest und das ist voll okay, dass du diesen drei Monate dich nimmst für deine Tochter, dann seid mit dir und ich bin total glücklich, dass ich das machen kann.
Also wirklich, ich weiß nicht, ob es mit einem anderen Arbeitgeber so einfach wäre, aber die Entscheidung war wirklich so, ich mache es jetzt, Punkt, also es ist, ich möchte gerne jetzt machen, es ist jetzt eine gute, es wird wichtig für mich und für meine Tochter, dass ich das mache und ich mache es jetzt und habe ich mit Daniel gesprochen und meinte, okay, dann ist es Vollzeit Daniel und jetzt werde ich weniger arbeiten und für mich ist es voll okay.
[Merlene]
Das klingt auch sehr schön und ich finde es auch so schön, dass du sagst, also erstens, dass du als die Kinder klein warst, du diese Zeit wolltest und auch jetzt für dich identifiziert hast, dass du jetzt wieder mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchtest, auf jeden Fall für einen gewissen Zeitraum und du bist ja trotzdem eine kick-ass Woman und Führungskraft, weil ich habe häufig das Gefühl, dass Menschen denken, dass man das unterscheiden muss oder dass es sich widerspricht, aber es ist ja, du bist ja trotzdem die gleiche Person, aber es ist dann halt phasenabhängig, ob du 100 Prozent bei der Arbeit bist oder ja bei deinen Kindern auch sein möchtest, das gibt diese Phasen einfach und schön, dass es beides miteinander kombinierbar ist. Ich finde es heute so schön, dass wir sprechen konnten, so bei Jobmatch ist ja auch ein bisschen der Ursprung von LeadHER entstanden, das wissen vielleicht einige noch gar nicht, aber vor, oh da ist ein Schiff, hallo, wir sind hier direkt am Hafen, ich poste noch ein Bild zu diesem wunderschönen Office, wir sitzen direkt am Hafen, haben einen Blick auf die Elbphilharmonie.
Den ganzen oder großen Teil des Hafens. Ja, die Industrie, die Schiffe, auf das König-der-Löwen-Feld. Landungsflug.
Das ist wunderschön und den Ausblick hatten wir auch bei unserem ursprünglichen Event vor ungefähr anderthalb Jahren, das war am International Women's Day und da habe ich noch das Komitee an der HSBA geleitet, das soziale Komitee und dann wollten wir einen Tag zum Thema How to Startup machen, wie man ein Startup gründet und dann hatten wir Heidrun Twesen hier als weiblichen Business Angel und ich als weibliche Gründerin und wir hatten total viele männliche Besucher dort auch, was irgendwie cool war, also unerwartet irgendwie, aber auch cool. So eine Handvoll Mädels, ich glaube, es waren so 40 Leute und es war wirklich so eine Handvoll von Mädels. Ja, es waren sehr wenig Frauen.
Das war ein total tolles Event, wir haben sehr groß erklärt, wie so Diversität im Gründerteam auch relevant ist, auch finanziell gut ist. Und am nächsten Tag hatten wir dann an der HSBA so eine Stufensprecherwahl, also an der HSBA ist diese Studikomiteestruktur relativ groß und dann hatten wir fünf Kandidaten und es waren halt fünf Männer und dann meinte ich halt so, sag mal Leute, gestern haben wir den International Women's Day.
Und heute gibt es keine Frau da. Genau, und das hat für mich so ein bisschen das widergespiegelt, was ich glaube ich auch häufig als Kritik sehe zu so Dingen wie dem International Women's Day, dass das halt an einem Tag abgefertigt wird und ansonsten spielt es aber kulturell keine Rolle. Und dann habe ich das halt angemerkt und dann meinten aber einige aus diesen Calls, es war ein Zoom-Call oder Teams-Call und ich glaube es waren ungefähr 30 oder 40 Menschen auch dort und dann meinten halt nach und nach ein paar junge Männer, dass es ja jeder hatte die Möglichkeit sich zu bewerben, aber es hat sich halt keine Frau beworben und ich finde das ist halt ein faires Argument, also auf der einen Seite muss man auch gucken, wie sucht man, aber auf der anderen Seite ist es auch so, wieso bewirbt sich keine Frau? Und das hat mich zum Beispiel dazu angestiftet, zu gucken, okay, wieso bewirbt sich keine junge Frau? Was fehlt hier oder was kann man diesbezüglich machen?
Und das war so der Grundstein für LeadHER, zu sagen, okay, was kann man jungen Frauen mit an die Hand geben, damit sie schon früh in ihrem Leben, wie zum Beispiel bei einem studentischen Komitee, sagen, ich traue mir das zu, ich probiere das aus, hier ein bisschen Führung auszuprobieren oder was brauche ich dafür? Brauche ich dafür Mut? Brauche ich jemanden, der mich anstupst aus meiner Komfortzone zu treten?
Brauche ich eher was Fachliches? Und das war auf jeden Fall der Grundstein und ich darf ja auch hier beherbergt werden für meine Anfangszeit und als ich gefragt habe, ob ich mich hier hinsetzen darf für die Unternehmensgründung, habe ich natürlich auch irgendwie geguckt, wen ich frage und ich wollte eigentlich bei dir sitzen, weil ich auch so dich als Führungspersönlichkeit kennenlernen durfte, so ein bisschen auf jeden Fall und da so einen Einblick gewinnen durfte und dachte, okay, Jessica ist eigentlich so eine Person, mit der ich gerne mal gearbeitet hätte, weil ich das Gefühl habe, du gehst das Thema Führung mit einer Ernsthaftigkeit an und ich meine, dass hier Marketingmitarbeiter seit fünf Jahren sind, das ist ja auch kein Zufall, man braucht ja auch irgendwie Stoff, um die Leute zu halten, genau. Und deswegen freue ich mich sehr, dass ich hier sitzen darf.
[Yesica Ríos]
Danke schön, dass du hier bist, also das finde ich auch für mich total toll, mit dir zu sein.
[Merlene]
Ja, und ich freue mich auf jeden Fall jetzt auf die Anfangszeit oder auf die nächste Zeit und mal schauen, wo es mich dann auch hinzieht, also so, ob das alles funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe und abschließend frage ich alle meine Gäste, wenn du jetzt zurückguckst auf dein 18-jähriges Ich oder das Ich, das gerade aus der Schule kommt, gibt es einen Rat, den du dieser Person aus heutiger Sicht mitgeben könntest oder würdest?
[Yesica Ríos]
Mhm. Ich würde sagen, go girl, einfach. Also es ist, glaub an dich.
Ich würde sagen, glaub, du bist gut genug. Das ist ein... Also ich würde nicht auf etwas warten, ich würde sagen, ein Statement sagen, du, so wie du bist, bist du genug.
Gut genug.
[Merlene]
Das ist sehr schön. Dann ganz herzlichen Dank, dass du dich heute mit mir unterhalten hast.
[Yesica Ríos]
Danke ja für das Interview, für die Einladung.
[Transkript Ende]
Mut und Rückschläge führten Yesica zur Gründung des Tech-Startup JobMatch
Yesica Rios zeigt, dass unternehmerische Wege nicht linear verlaufen müssen. Klarheit über die eigenen Motive, Nähe zur Zielgruppe und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, können auch abseits klassischer Karrierepfade nachhaltige Unternehmen entstehen lassen..
Hör hier die ganze Folge mit Yesica.




