Vom Model zur Geschäftsleitung: Nicole Wronski über Consulting und neue Formen der Arbeit
- leadHER

- 22. Apr.
- 28 Min. Lesezeit
Nicole Wronski ist Geschäftsleiterin bei Blackboat – einer Beratung für Zusammenarbeit, Kommunikation und neue Arbeitsweisen. Ihr beruflicher Weg ist geprägt von ungewöhnlichen Übergängen: Von ersten Arbeitserfahrungen als Model über eine journalistische Ausbildung bei Axel Springer bis hin zu einem Psychologiestudium an der Universität Hamburg. Heute verantwortet sie den Beratungsbereich eines Unternehmens, das Organisationen dabei unterstützt, Arbeit zeitgemäß, wirksam und menschlich zu gestalten.
In der Podcast‑Folge spricht Nicole offen über Entscheidungen an Weggabelungen, das Hineinwachsen in Führungsrollen und den Umgang mit Verantwortung. Themen sind unter anderem der Wechsel zwischen Branchen, Führungsarbeit im Consulting‑Umfeld, mentale Gesundheit in der Arbeitswelt sowie die Vereinbarkeit von Geschäftsleitungsrolle und Familie. Das Gespräch zeigt, wie Karriere nicht durch perfekte Planung, sondern durch Neugier, Lernbereitschaft und den Mut zur Verantwortung entsteht.
Disclaimer: Dieses Transkript wurde mit KI erstellt. Es können Abweichungen zum Original-Audio vorkommen.

Hör jetzt das ganze Gespräch mit Nicole.
Nicole Wronski: Das Gespräch über Karriere, Führung und neue Arbeitsweisen
[Merlene]
Hi, ich bin Marleen und ich treffe mich jede Woche mit Frauen in Führungspositionen zum Café, um mit ihnen über ihren Karriereweg zu sprechen. Ziel ist es dabei, auch wenn wir heute noch nicht 50-50 auf Führungsebenen haben, den nächsten Generationen eine Vielfalt an Vorbildern zu bieten und sie dazu zu inspirieren oder zu ermutigen, die Themen Karriere und Führung auch für sich zu entdecken. Meine Gäste thematisieren dabei auch, was für eine Rolle ihre Lebenspartner und andere Vertrauenspersonen beim Thema Selbstverwirklichung und Gleichstellung spielen.
Der Podcast ist also was für jeden, der Lust hat, eine faire Zukunft mitzugestalten. Mein heutiger Gast ist Nicole Wronski, die sich nach ihrer Journalismus-Ausbildung bei Axel Springer zu einem Psychologiestudium an der Uni Hamburg entschieden hat. Mittlerweile ist sie Geschäftsleiterin bei Blackboat The New Work Group.
Über ihre Entwicklung dorthin, darüber, wie sich ihr Arbeitsalltag verändert hat, seitdem sie eine kleine Tochter hat und über ihre erste Arbeitserfahrung als Model sprechen wir in der heutigen Folge. Enjoy. Herzlich willkommen, Nicole, zu meiner dritten Folge des LeadHER Podcast.
Ich freue mich sehr, dass du heute hier bist und ein bisschen über dich und deine Karriere sprichst. Das Ganze ist ja so ein bisschen, dass wir mehr Frauen eine Bühne geben beziehungsweise mehr Frauen in den Vordergrund stellen, die selber schon eine sehr tolle Karriere auf die Beine gestellt haben beziehungsweise sich auch sehr viel Führung selber zugetraut haben. Und ich möchte dich eigentlich gar nicht selber vorstellen, sondern ich glaube, das wäre am besten, wenn du das machst, so ein bisschen erzählst, wie du zu deinem aktuellen Posten gekommen bist.
[Nicole Wronski]
Ja, vielleicht fange ich erst mal an, was ich mache. Ich arbeite bei Blackboat, einer Beratung für interne Zusammenarbeit. Wir helfen Unternehmen dabei, ihre Kommunikation und Zusammenarbeit effizienter zu gestalten und arbeiten da eben ganz viel mit Kommunikationstools.
Slack, MS Teams sagt wahrscheinlich den meisten was. Aber eben auch jetzt mit dem Thema künstliche Intelligenz zu schauen, welche Rolle das spielt und da auch immer den Fokus bei unserem Kunden für die internen Prozesse. Bei Blackboat bin ich mittlerweile Geschäftsleitung und verantworte den Beratungsbereich gemeinsam mit zwei Kolleginnen.
Genau, ich bin ja jetzt mittlerweile seit fünf Jahren bei Blackboat und hatte gerade mein Jubiläum, was mich auch erstaunt hat, weil es mir schon sehr lange vorkommt.
[Merlene]
Herzlichen Glückwunsch!
[Nicole Wronski]
Ja, danke. Und bin eigentlich tatsächlich über ein Kundenprojekt bei Blackboat gelandet. Also ich war vorher auf Kundenseite bei der Otto GmbH, habe ich im Future Work Team gearbeitet.
[Merlene]
Was macht man da?
[Nicole Wronski]
Das, was wir als Beratung machen, als internes Team mit dem Unternehmen, also neue Arbeitsweisen einführen. Konkret bei Otto haben wir damals uns drei Perspektiven angeschaut.
Einmal das Thema Raum, also neue Flächen, Activity Based Working, also sozusagen dieses aktivitätenbasierte Arbeiten, eingeführt weg von festen Arbeitsplätzen pro Mitarbeitenden, sondern eben so ein bisschen dieses flexible Modell. Zeitgleich das M365 Projekt eingeführt. Also wie geht man mit den Tools um?
Was sind Spielregeln, die man dafür braucht? Aber eben auch ganz konkrete Trainings für die Mitarbeitenden. Und als drittes war sozusagen die Kultursäule, mit der wir uns beschäftigt haben.
Also was muss ich eben auch auf kultureller Ebene verändern, damit sich Arbeit am Ende des Tages auch verändern kann? Und das hat Otto damals schon sehr früh, wie ich finde, erkannt. Und da durfte ich Teil des Teams sein.
Und darüber habe ich auch Blackboat kennengelernt. Da wir da sozusagen, also damals war es noch nicht wir, aus heutiger Perspektive, da haben wir ein großes Begleitprojekt mit dem Team gemacht haben und eben diese Einführung von M365 maßgeblich mit betreut haben.
[Merlene]
Und dann wurdest du abgeworben?
[Nicole Wronski]
Ja, es war eine Mischung, sage ich mal. Also ich war sozusagen gerade mit meinem Master fertig und in der Phase, mich zu orientieren. Und hatte somit ein längeres Praktikum bei Otto gemacht.
Und das war sozusagen schon in den Endzügen und konnte an der Stelle auch nicht verlängert werden. So, weil für das Projekt konkret war sozusagen keine weitere Stelle vorgesehen und ich war aber so begeistert auch von der Art und Weise, wie Blackboat da als Crew aufgetreten ist. Und das ist ja eigentlich ganz spannend, wenn man auch einen potenziellen Arbeitgeber so in Action kennenlernen kann.
Und vor allem erst mal ohne Hintergedanken und irgendwie nicht überlegt, ich will mich da bewerben. Das war im ersten Moment ja gar nicht mein Gedanke. Genau, und meine damalige Chefin hatte mich dann weiterempfohlen, weil sie selber wusste, okay, sie hat jetzt gerade für mich in ihrem Projekt keine Stelle und war aber offensichtlich super happy.
Und hat dann, als ich sagte, dass ich eigentlich Blackboat auch mega spannend finde, da noch mal eine Referenz für mich sozusagen mit reingegeben. Und ja, darüber bin ich dann hier gelandet, nach ein paar Gesprächen und Kennenlernen.
[Merlene]
Bist du direkt als Geschäftsführerin eingestiegen?
[Nicole Wronski]
Nee, also man muss auch nochmal unterscheiden, Geschäftsführung und Geschäftsleitung ist nochmal ein Unterschied. Geschäftsführung ist tatsächlich formell ja auch eingetragen, dann im Handelsregister und Co. Also die Verantwortung auch, sag ich mal, an der Stelle, was das auch rechtlich bedeutet, habe ich nicht.
Aber Geschäftsleitung ist sozusagen die Führungsebene darunter, die dann eben nicht diese formelle, sag ich mal, Verantwortung dann am Ende hat, was gewisse Themen angeht.
[Merlene]
Das heißt, Geschäftsführung, CEO und Geschäftsleitung, Managing Director, so in die Richtung?
[Nicole Wronski]
Ja, so könnte man es zum Beispiel übersetzen. Ich glaube, das variiert auch so ein Stück weit. Tatsächlich ist Geschäftsführung eher so ein rechtlicher Begriff.
Die Tätigkeiten können im Zweifel auch ähnlich sein. Am Ende des Tages geht es da wirklich um konkrete Verantwortung, was, keine Ahnung, wenn es um Themen wie Insolvenz oder Co. geht, dann geht es den Geschäftsführern an den Kragen, wenn da irgendwelche Richtlinien nicht eingehalten werden.
Genau, da bin ich dann quasi safe. Das ist dann tatsächlich nochmal eine Stufe darunter, was den Grad an Verantwortung angeht.
Werdegang: Von früher Berufserfahrung als Model zu akademischen Entscheidungen
[[Merlene]
Okay, bevor wir da gleich nochmal ein bisschen näher drauf eingehen. Du kommst ja ursprünglich aus der Psychologie und davor sogar noch aus dem Journalismus. Wie hat sich das entwickelt?
[Nicole Wronski]
Davor habe ich noch was anderes gemacht. Oh, okay. Ich habe ganz früh angefangen zu arbeiten, mit 15, und zwar als Model.
Und ja, habe das auch relativ lange gemacht. Parallel dann auch irgendwann zum Studium und Co. Das hat sich so ein bisschen beschnitten.
Aber das, sage ich mal, war so meine erste Berührung mit Berufswelt in irgendeiner Form. Das habe ich neben der Schule gemacht. Immer in den Sommerferien dann irgendwie nach Japan gereist für sechs Wochen oder nach Paris. Und ja, das hat gut funktioniert, weil ich eine gute Schülerin immer war. Und die Schule war dann irgendwie entspannt, weil die Noten gestimmt haben, meine Eltern genauso.
Durfte ich dann eben auch mal Ferien verlängern oder so. Auf der anderen Seite war es mir auch selber wichtig, dann einen vernünftigen Abschluss zu machen, weil in den meisten Fällen ist Modeln eine Karriere mit Ablaufdatum. Genau, das hat total gut funktioniert.
Da habe ich auch wirklich viel gelernt fürs Leben, was Resilienz angeht als Thema. Also wie geht man irgendwie mit einem Nein um? Wie geht man damit um, wenn man wirklich an sehr subjektiven Kriterien gemessen wird?
Das hat mir, glaube ich, schon echt so ein dickes Fell angeeignet in der Phase, wovon ich jetzt auch bis heute profitiere. Das ist natürlich eine Karriere mit einem gewissen Ablaufdatum in den meisten Fällen. Deswegen habe ich dann auch irgendwann gedacht, okay, was wird jetzt so ein zweites Standbein?
Was könnte vielleicht noch das sein, was ich spannend finde? Und da war eben das Thema Journalismus oder eben auch Schreiben. Das, was ich schon immer gerne gemacht habe.
Und ich habe mich dann einfach mal auf gut Glück bei der Axel Springer Akademie, hieß sie damals noch, beworben, die einen relativ aufwändigen Auswahlprozess hatten. Dann wurde ich nach Berlin eingeladen zu dem Wissenstest und Interviews und Co. Und das hat dann tatsächlich auch geklappt.
Da habe ich dann zwei Jahre lang mein Volontariat gemacht, so nennt sich das, und war dann ausgebildete Redakteurin und war auch erst 22 so und dachte dann, jetzt direkt ins Berufsleben einsteigen ist vielleicht ein bisschen früh und sich schon so festzulegen. Und auch über meinen vorherigen Job, wo ich wirklich mit vielen wechselnden Teams zusammengearbeitet habe, mit vielen Menschen, ist das Thema Psychologie auch immer wieder bei mir hochgekommen. Da vielleicht auch noch mal das menschliche Verhalten besser zu verstehen.
Und deswegen habe ich mich für ein anschließendes Psychologiestudium entschieden. Das habe ich in Hamburg gemacht, sowohl den Bachelor und den Master. Und erst war so die Idee, auch wirklich in die Therapeutenrichtung zu gehen.
Das hätte ich mir total gut vorstellen können, bis ich dann ein Praktikum gemacht habe in der Psychiatrie und einfach gemerkt habe, dass das Arbeiten mit wirklich stark psychisch kranken Patientinnen zum einen natürlich sehr herausfordernd ist und auch vielleicht nicht die Stelle ist, an der ich unbedingt meinen Mehrwert sehe, wo ich ansetzen sollte, sondern mein Gefühl war irgendwie im Idealfall, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass Menschen sich in Behandlung begeben müssen, sondern vielmehr vorher schon anzusetzen und zu gucken. Und können wir Bedingungen schaffen, dass eben gesundes, mentales Befinden gerade in der Arbeitswelt stattfinden kann, wo ich dann irgendwie auch so das Gefühl hatte, dass das so ein großer Hebel war und wir da einfach sehr, sehr viel Zeit verbringen, zumindest in einer gewissen Lebensphase. Vier-Tage-Woche hin oder her.
Aber es ist trotzdem schon a lot of time. Und genau, wenn das so gestaltet ist, das ist irgendwie eher ein stärkt als schwächt. Und da kommt es zum Thema New Work.
Dann ist das, finde ich, gut eingesetzte Energie. Und deswegen war da auch so die Idee, dann das Thema New Work, Future Work, mal bei Otto da zu gucken. Darüber bin ich da hingekommen, weil ich einfach gemerkt habe, ich möchte lieber diesen Schritt vorher machen, in Anführungsstrichen präventiv arbeiten.
Was natürlich jetzt nicht eins zu eins einen Impact hat, aber indirekt aus meiner Sicht auf jeden Fall dazu beitragen kann.
[Merlene]
Ja, es ist halt schwierig messbar. Zufriedenheit ist ja total wichtig für die mentale Gesundheit. Und da hat man halt so nicht das Krankheitsbild quasi, wo man sagen kann, okay, das hat sich jetzt verbessert, beziehungsweise wir haben das so vorgebeugt.
Das ist ja generell die Schwierigkeit bei vorbeugenden Maßnahmen, egal ob es um Klimaschutz geht oder um mentale Gesundheit. Alles, was du bisher erzählt hast, klang ziemlich straightforward. So, ich habe dann Abi gemacht und dann habe ich mich für Journalismus interessiert und danach bin ich in die Psychologie gegangen.
Wie hast du dich jeweils dazu entschlossen, den nächsten Schritt zu machen? Also wenn wir jetzt an diese Stellschraube Abi gucken, viele sind dann ja, okay, eher so am Überlegen. Es gibt so viel, was ich machen kann.
Wie treffe ich jetzt wirklich die richtige Entscheidung? Und dann auch die Entscheidung zu einer Journalismus-Ausbildung und danach ja trotzdem noch ein Studium. Ich hatte zum Beispiel, ich wusste einfach nur, okay, ich möchte irgendwie studieren, aber ich weiß gar nicht was.
Wie wusstest du, dass es auf jeden Fall Journalismus sein wird?
[Nicole Wronski]
Das ist eine gute Frage. Also ich glaube, so die Tätigkeit an sich hat mir Freude bereitet schon. Auch immer in der Schule, selbst Aufsätze schreiben und in den Klausuren die Textaufgaben, das war schon immer meins.
Und ich habe auch für mich dann irgendwie auch so einen Blog geführt auf meinen Reisen. Und das war grundsätzlich was, was ich irgendwie spannend fand. Und ich habe auch immer gerne gelesen, um jetzt hier ein Klischee zu bedienen.
Und ich glaube, das Schöne war, dass ich schon so früh eigenes Geld verdient habe und selber gearbeitet habe. Dass ich natürlich auch so diesen Praxisbezug schon ein Stück weit sehr früh hatte. Natürlich ein sehr exotischer Job, den man vielleicht nicht mit jedem vergleichen kann.
Aber man kommt natürlich in ähnliche herausfordernde Situationen wie in jedem anderen Job auch. Also was natürlich das Thema Geldverdienen angeht. Was ist mein eigener Wert?
Irgendwie Feedback, also wenn es ums Aussehen geht oder um eine Leistung. Das ist natürlich nochmal ein Unterschied, aber trotzdem sind das ja ähnliche Mechanismen. Und ich glaube, das hat mir so einen sehr Reality-Bezug einfach gegeben, wie Arbeit halt aussehen kann.
Auch wenn es natürlich kein Standardjob war. Und ich wusste einfach, ich würde gern so dieses Thema Studium und Ausbildung einfach noch mehr lernen, diese Möglichkeit auch für mich nutzen und jetzt nicht einfach von 0 auf 100 direkt. Das klang vielleicht jetzt in der Retrospektive sehr straight forward.
Aber ist natürlich in dem Moment dann keine easy Entscheidung. Für mich war so dieses, nach dem Abi nutze ich die nächsten ein, zwei, drei Jahre nochmal, um den Job fulltime auszuprobieren. Das war so ein Plan, der für mich feststand.
Aber ich wusste, ich werde nicht mit 30 noch bei Castings sitzen und durch die Welt fahren, weil dafür war mir das einfach auch zu unsicher. Also, dass man so abhängig ist auch von anderen externen Faktoren. Insofern wollte ich da auch ein Stück weit was Solides lernen.
Man kann sich jetzt beim Journalismus auch fragen, ob dem so ist. Aber das war dann wirklich Interessen gesteuert und eben auch diese Challenge von diesem Auswahlverfahren fand ich damals auch total spannend, weil da halt dann auf der Website auch stand, ja, es bewerben sich jedes Jahr tausend Leute und wir nehmen nur 20 so ungefähr. Das fand ich dann auch reizvoll mit meinem, sag ich mal, leistungsorientierten Gen, was ich da auch ein Stück weit habe.
Als ich dann fertig war mit der Ausbildung, also die war auch mega. Wir hatten da wirklich eine tolle Zeit, weil man muss sich das vorstellen, wie so eine Klasse von 20 Leuten, die sehr ähnliche Interessen haben und dann wirklich auch viel frei machen können und wirklich von tollen Dozenten auch viel lernen. Ich hatte dann auch ein Folgejob-Angebot im Verlag.
Aber da war auch so der Moment, wo ich wusste, das ist jetzt auch gerade nicht das, was ich jetzt für immer machen will, weil eben auch die Verhältnisse ein Stück weit prekär mittlerweile in der Branche sind und man da so ein bisschen idealistisch sein muss, glaube ich, um da wirklich wieder einzusteigen.
[Merlene]
Das heißt, den Überblick hattest du da schon, wie es in der Branche sein würde, zu arbeiten?
[Nicole Wronski]
Ja, also das kriegt man natürlich schon mit, weil wir sehr praktisch gearbeitet haben. Das war jetzt nicht theoretisch wie an der Uni, sondern natürlich hatten wir so einen ersten Teil, wo viel Theorie war und wo man viel gelernt hat in Workshops. Aber danach haben wir wirklich in Redaktionen mitgearbeitet und da kriegt man natürlich im Austausch schon sehr viel mit.
[Merlene]
Okay, und dann war die Entscheidung Psychologie. Es klingt einfach so, als hättest du einfach die Klarheit, als wärst du morgens aufgewacht.
Ich weiß, ich glaube, Journalismus ist es doch nicht. Ich werde jetzt weiter studieren.
[Nicole Wronski]
Ja, ich habe es auch nicht völlig, sag ich mal, ad acta gelegt, sondern die Idee war auch so ein Stück weit, okay, ich will jetzt noch mal an die Uni und ich kann mir gut vorstellen, das auch zu verbinden. Es gibt ja auch Wissenschaftsjournalismus. Es gibt ja selbst Zeitschriften, irgendwie Psychologie heute, die sich ja explizit mit dem Thema beschäftigen.
Aber auch in Tageszeitungen, gewisse Ressorts kann man natürlich mit dem Background. Also auch das für die Leute. Ich will jetzt gar nicht die Branche schlechtreden.
Wer sich dafür interessiert, ist es wirklich ein toller Beruf. Und da finde ich es tatsächlich sogar spannender, einen anderen Fach Background mitzubringen, als jetzt Journalismus beispielsweise zu studieren. Weil so das Handwerk, das lernt man dann eher bei einem Volontariat oder on the job.
Da braucht man die, sag ich mal, Kommunikationstheorien nicht unbedingt. Und da macht es, glaube ich, einfach mehr Sinn, doch was Inhaltliches noch zu studieren. Sei es was Wirtschaftliches oder eben auch sowas wie Psychologie.
Genau, das war so meine ursprüngliche Idee, das vielleicht auch zu verbinden. So ganz, ganz harter Kanto aus mir an der Stelle. Es wäre kein kompletter Pivot gewesen in eine andere Richtung, sondern es war schon noch so verbindbar gewesen.
[Merlene]
Ich finde es ganz interessant, was du erzählt hast, dass die Erfahrungen aus dem Modeln dich auch ein Stück weit gestärkt haben in Sachen Resilienz zum Beispiel. Das hätte ich gar nicht so erwartet, um ehrlich zu sein.
Ich hätte es eher im Gegenteil erwartet, auch weil man kennt ja die Kritik einfach an der Branche. Und ich hatte selber auf jeden Fall Erfahrung mit Menschen, die dort gearbeitet haben. Und ich habe eher das Gefühl, es hat die Leute verunsichert, nur an so externen Kriterien eingeschätzt zu werden beziehungsweise das ja auch nicht wirklich in der Hand zu haben, ob du jetzt gewählt wirst oder nicht.
Aber das klang mir anders.
[Nicole Wronski]
Ja, da muss man vielleicht unterscheiden über das Unmittelbare und das, was man daraus gelernt hat im Nachhinein. Also ich bin da total bei dir. Es ist eine wirklich harte Branche und eine sehr oberflächliche bis heute.
Und man wird am Ende des Tages an seinen Körpermaßen im wahrsten Sinne des Wortes gemessen und nicht an dem tollen Charakter, den man vielleicht mitbringt. Ich glaube, das hat sich durch dieses ganze Thema Social Media und Influencer und Co. auch nochmal ein Stückchen gewandelt, dass Models oder Menschen, die in Werbung auftreten, vielleicht mehr als Persönlichkeiten heutzutage wahrgenommen werden als noch zu meiner Zeit, muss ich ja mittlerweile sagen.
Also das war gerade so der Anfang von Social Media tatsächlich, wo das Thema Influencer so hochkam. Und ich glaube, das spielt heute vielleicht nochmal eine größere Rolle als damals. Aber klar, ich hatte auch schlimme Tiefpunkte, wo ich alles hinterfragt habe und mich total unwohl in meinem eigenen Körper gefühlt habe und in Tränen irgendwo in einem Model-Apartment saß, das übrigens nicht so aussieht wie bei Germany's Next Topmodel und eine Villa in L.A. ist, sondern eher ein Apartment durch das Kakerlaken laufen, was man sich mit zehn Leuten teilt, so ist meine Erfahrung. Und das ist natürlich in dem Moment, gerade wenn man ein junges Mädchen ist mit 15, 16, 17, krass. Ich glaube, ich hatte trotzdem diesen Reflektionsgrad und ich kann ja auch nicht sagen, warum, dass ich meinen eigenen Selbstwert davon immer noch abstrahieren konnte und sagen konnte, okay, das ist jetzt nicht das, was dich als Mensch ausmacht, dass irgendein Casting-Direktor jetzt dich nicht ausgesucht hat und dich nicht toll findet. Aber ich glaube auch, dass man sehr schnell in diese Spirale reinrutschen kann, wo man das tatsächlich glaubt, dass das die Wahrheit ist.
Und das ist natürlich ein absolutes Problem. Genau, aber wenn man das nutzen kann und dass man eben genau diese Erkenntnis hat und sagt, okay, wenn mich jetzt irgendwie ein Kunde in einem Kundenprojekt ablehnt, dann hat das jetzt auch nicht mit mir als Person zu tun, sondern im Zweifel mit der Person gegenüber oder eben auch mit irgendwelchen externen Faktoren, die ich jetzt im Moment gar nicht beeinflussen kann. Also sich da so dieses Abgrenzen, das ist, glaube ich, das, was ich da sehr gelernt habe.
Das heißt nicht, dass das immer so easy war und ich mich nicht irgendwie auf die Waage gestellt habe und geguckt habe, oh, ist jetzt ein halbes Kilo mehr oder weniger drauf, so nach den Weihnachtsferien.
[Merlene]
Du sagtest, dass du dein eigenes Geld damit ja schon verdient hast. Hat dich das unabhängig gemacht in deiner Entscheidung, was du danach machst? Oder hat dich da noch was anderes beeinflusst?
[Nicole Wronski]
Ja, ich würde sagen schon, weil natürlich das eine Rolle spielt, ob ich irgendwie BAföG beantragen muss oder auf den Support meiner Eltern angewiesen bin. Also die haben mich trotzdem immer unterstützt, weil sie einfach so sind. Das macht natürlich den Handlungsspielraum schon mal anders, wenn man sagt, okay, ich kann es im Zweifel selber finanzieren und bin nicht irgendwie abhängig von einem Studienkredit oder sonstigem.
Das hat mir, glaube ich, da schon die Freiheit gegeben, auch zu sagen, okay, ich mache jetzt nochmal was anderes, als wenn man vielleicht von zu Hause nicht das Glück hat, dass man großartig unterstützt werden kann. Und also ich habe auch immer viel nebenbei gearbeitet und auch noch Werkstudentenstellen gehabt und so. Also das finde ich jetzt irgendwie gar nicht schlecht.
Ich finde es ehrlich gesagt, würde ich es auch jedem empfehlen, das immer im Studium mitzunehmen, wo man, glaube ich, da auch einfach die Erfahrungen sammelt, die man später auch im Berufsleben braucht oder auch sehr intensive Einblicke bekommt. Aber natürlich, wenn man selber über seine Finanzen verfügen kann und finanzielle Unabhängigkeit für Frauen ist ja jetzt auch ein Thema, was glücklicherweise überall hochkommt. Aber es war tatsächlich schon etwas, was mir immer wichtig war, da ein Stück weit auf eigenen Beinen zu stehen, um eben nicht jemand fragen zu müssen, oh, kann ich jetzt nochmal meine Pläne ändern, weil mir das jetzt jemand finanziert hat?
Das war natürlich schon eine große Chance an der Stelle.
[Merlene]
Da sprechen wir auch nochmal intensiver drüber mit Anne Geiger. Die sitzt an Bord von Tomorrow Banking, ist auf jeden Fall Angel-Investorin im FinTech-Bereich und bei den weiteren LeadHER Kursen wird sie auf jeden Fall darauf eingehen, wie man langfristig unabhängig sein kann, was die Finanzen angeht, wie man am besten anlegt, wie man damit anfängt, Financial Habits und so weiter. Weil es ja was ist, was viele von zu Hause gar nicht so mitbekommen haben oder womit man sich auch lange Zeit einfach gar nicht beschäftigt.
Aber du scheinst dann auf jeden Fall schon relativ früh einen Einblick da rein gehabt zu haben. Wurdest du ansonsten von deinen Eltern irgendwie noch anders beeinflusst in deiner Entscheidung, was du machen möchtest?
[Nicole Wronski]
Also meine Eltern waren schon das Thema Bildung immer super wichtig. Also ich war auch die erste Akademikerin quasi in meiner Familie. Meine Eltern haben beide nicht studiert, aber denen war das trotzdem sehr hoher Wert, zu sagen, mach was für ein übliches Kind.
Aber gleichzeitig haben sie mir da doch meine Freiräume gelassen und das Vertrauen auch geschenkt, dass das schon irgendwie wird. Muss ich im Nachhinein schon sagen, weil ich glaube, also so straight forward, wie du gesagt hast, das gespielt ist, klingt mir was, glaube ich, in den Momenten immer nicht. Und wenn man sagt, oh, ich mache jetzt auch noch mal was anderes.
Ich glaube, da gibt es andere Eltern, die vielleicht nicht ganz so unterstützend wären. Insofern haben die mich schon immer machen lassen. Das war, glaube ich, also wo andere Eltern vielleicht mit Netzwerk unterstützen können oder irgendwie hier dir noch mal ein Praktikum beim Buddy verschaffen.
So, das konnten sie mir an der Stelle quasi nicht geben. Aber haben mir dafür wirklich auch die Freiheit gelassen und gesagt, du wirst schon wissen, was für dich gut ist. Und sich da jetzt eben nicht eingemischt und gesagt, bitte, werd Anwältin oder so.
Rolle und Verantwortung in der Geschäftsleitung im Consulting
[Merlene]
Ja, das gibt es ja einfach auch viel. Okay, ja, aber es klingt auf jeden Fall sehr, als wärst du dann immer dem gefolgt, was du machen wolltest als nächster Schritt. Jetzt bist du bei Blackboat Geschäftsleiterin.
Ist es das erste Mal, dass du Personalverantwortung hattest oder war das vorher auch schon?
[Nicole Wronski]
Nee, das ist tatsächlich jetzt die erste Rolle, in der ich das so offiziell habe.
[Merlene]
Und wie ist es?
[Nicole Wronski]
Anspruchsvoll, definitiv.
Also ich finde, ich sage manchmal, es wäre einfacher, in einer Knopffabrik zu arbeiten. Also das Schöne ist, mit Menschen zu arbeiten. Auf der anderen Seite hat natürlich jeder so seine eigenen Hintergründe, seine Story, seine Themen, Probleme, Herausforderungen.
Und je mehr Menschen aufeinandertreffen, desto exponentiell multipliziert sich das. Plus die eigenen Themen kommen ja auch noch dazu. Ja, und da einen guten Modus miteinander zu finden, dass irgendwie das Zwischenmenschliche passt, aber eben auch am Ende des Tages irgendwie der Job gemacht wird, für den wir alle antreten.
Das ist das, wo ich mir, glaube ich, die meisten Gedanken drum mache.
[Merlene]
D.h. wenn ich Geschäftsleiterin werden möchte, was sind denn so meine Hauptaufgabenbereiche?
[Nicole Wronski]
Das kommt natürlich so ein bisschen darauf an, in was für einem Unternehmen man tätig ist. Bei uns ist es jetzt primär in meinem Aufgabenfeld der Beratungsbereich. D.h. ich überblicke unser Projektgeschäft. Sind genug Projekte in der Pipeline? Wie ausgelastet sind unsere Beraterinnen? Wer könnte Projekt X übernehmen? Wer könnte Projekt Y übernehmen? Ah, Kunde Z hat sich beschwert über das. Der zahlt seine Rechnung nicht.
Und wie können wir vielleicht noch Produktinnovationen in unseren Beratungsprodukten schaffen? Wie kümmern wir uns ums Upskilling der Mitarbeitenden, Sales? Im Zusammenspiel natürlich auch mit einem Marketingteam zu gucken, wie können wir das, was wir anbieten, auch nach außen bringen?
Und vielleicht noch 10 andere Sachen, die noch auf der Liste stehen. Das liegt vielleicht auch an uns, an unserer Größe. Möglicherweise ist das in einem Konzern noch mal ein bisschen anders.
Aber ich glaube, man ist hauptsächlich, ja, v.a. an Problemlösungen mitbeteiligt. Also irgendwo, wo es klemmt, auch den Kolleginnen zu helfen, die Probleme aus dem Weg zu schaffen, damit sie ihren Job gut machen können. Gleichzeitig sind wir bei uns teilweise auch noch operativ in Projekten als Projektleitung mit dabei, was ich gerade im Consulting super wichtig finde.
Weil man natürlich auch irgendwie dranbleiben muss am Geschäftsmodell und verstehen muss, wie ticken die Kunden, wie kommen die Produkte an, Kolleginnen mit einzuarbeiten und irgendwie Wissen weiterzugeben. Ja, das ist dann echt eine bunte Mischung zwischen wirklich so steuernden Sachen, Personalgesprächen und selber auch aber noch anzutreten im Projektgeschäft. Aber finde ich irgendwie eine spannende Mischung, die auch Spaß macht.
[Merlene]
Es gibt auf jeden Fall aber auch noch sehr viel, was du dann handeln musst. Wie bist du in diese Aufgaben reingewachsen? Bzw. wie lernt man das?
[Nicole Wronski]
Also genau, ich teile mir die Rolle ja auch noch mit meiner Kollegin Hanna. Und was den Kundenbezug angeht, auch mit unserer einen Geschäftsführerin Antonia, die jetzt gerade in Elternzeit, Mutterschutz ist. Also insofern alleine muss ich es zum Glück nicht machen.
Was schon mal ein Riesenplus ist, finde ich. Allein jemanden irgendwie zum Austausch zu haben und mal kurz anrufen zu können, wie siehst du das? Und nicht alles irgendwie selber und allein entscheiden zu müssen.
Das finde ich manchmal ganz beruhigend, wenn man noch eine zweite Meinung hat. Und ja, wie sind wir da reingewachsen? Das ist schon natürlich Blackboat-Style immer so ein bisschen kaltes Wasser auch, ein Stück weit.
Also wir hatten jetzt nicht den Leadership-Coach, der uns wöchentlich begleitet hat und uns ganz sachte rangeführt hat, sondern es war dann schon ein Stück weit irgendwann die Situation, ja, das ist jetzt Thema und habt ihr da Bock drauf? Und hatten wir. Und dann haben wir da Stück für Stück immer mehr Verantwortung übernommen.
Im Sparring natürlich mit den Geschäftsführenden auch. Aber viel einfach auch, ja, On-the-Job-Learning würde ich sagen. Wobei ich mir vorstellen kann, dass das auch in anderen Unternehmen, die etwas größer sind, natürlich noch mal ein bisschen strukturierter Leadership-Entwicklungsprogramm begleitet wird.
[Merlene]
Ja, manche gehen da auch nach Zeit. Das ist ja generell irgendwie so, leider dieses Thema People Management, dass es manchmal gar nicht so in den Vordergrund gestellt wird, was das Skillset angeht, sondern dass es dann eher nach Spezialisierungsaufgabe eigentlich befördert wird. Aber scheint bei euch anders zu sein.
Da habt ihr ja aber auch wahrscheinlich dann einen guten Weg gefunden, der besonders mit New Work eigentlich im Einklang ist.
[Nicole Wronski]
Ja, für uns war das Thema Vereinbarkeit an der Stelle auch wichtig. Also ursprünglich war der Anlass eben, dass Antonia, unsere Geschäftsführerin, das Thema vorher allein verantwortet hat. Die ist das erste Mal in Elternzeit gegangen.
Und da war die Idee eben nicht, eine klassische Vertretung zu etablieren, sondern zu sagen, hey, wir bauen jetzt ein Modell auf, wo wir wissen, wir sind einfach ein junges Team. Wir werden öfter in die Situation kommen, dass jemand mal für eine Zeit raus ist, und sei es ein Sabbatical oder ... Wir haben auch Fälle, wo Eltern gepflegt werden oder einfach mal eine Auszeit länger gemacht wird, um da auch zu sagen, okay, wir wollen das irgendwie auch möglich machen, auch in Führung.
Und deswegen gesagt haben wir, machen eben nicht eine klassische Vertretung, sondern erweitern die Führungsrunde eben um die Geschäftsleitung und setzen da dann auch zwei Köpfe drauf, sodass wir da ein Stück weit Redundanzen haben. Nicht komplett eins zu eins. Deswegen haben wir aber auch noch Zeit, eben in aktiven Projekten mit dabei zu sein.
Und ich hatte ja eingangs erwähnt, ich war ja auch selber gerade in Elternzeit. Also das war für mich dann natürlich auch die Möglichkeit zu sagen, ich kann jetzt mich wirklich entspannt ein paar Monate rausziehen. Und es läuft einfach weiter, weil jemand da ist, der es halt mindestens genauso gut, wenn nicht besser macht.
[Merlene]
Beratet ihr andere Unternehmen auch in der Hinsicht, so was aufzubauen?
[Nicole Wronski]
Nicht als primären Fokus. Manchmal ergibt sich so was im Projekt. Wir haben so in unserer DNA den Honest Interest to Help als einen der Werte.
[Merlene]
Was heißt das?
[Nicole Wronski]
Naja, dass wir einfach unseren Kunden gerne weiterhelfen nach bestem Wissen und Gewissen. Und wir eben nicht sagen bei einem Thema, ach nee, keine Ahnung, das gehört nicht in unseren Geschäftsbereich. Sondern wenn wir mit einem Partner arbeiten, dann im Zweifel eben uns auch um Themen wie Vereinbarkeit kümmern.
Also wir hatten das mit einem größeren Kunden von uns, da haben wir eigentlich M365 eingeführt. Dann haben wir sehr eng aber zusammengearbeitet und festgestellt, es gibt neben, sag ich mal, den klassischen Kommunikationsthemen eben auch das Thema Vereinbarkeit, was eine Rolle spielt. Und da kam der Wunsch auf eine Initiative intern zu gründen, die wir mitbegleitet haben, sich genau darauf fokussiert, wo wir eben auch sowohl kommunikativ als auch inhaltlich unterstützt haben.
Und ja, so würde ich sagen, ergibt sich das manchmal, dass wir auch unsere eigenen Erfahrungen, Themen reingeben. Aber das ist jetzt nicht eine primäre Säule, wo wir sagen, wir beraten zu dem Thema.
[Merlene]
Magst du noch einmal sagen, was M365 ist?
[Nicole Wronski]
Ach so, sorry. Ich dachte, das kennt seit Corona jeder. Aber Teams ist vielleicht der gehäufigere Name, Microsoft Teams.
[Merlene]
Hast du das Gefühl, dass du eine bestimmte Fähigkeit oder Charaktereigenschaft hast, die dir dabei hilft bei deiner aktuellen Aufgabe als Geschäftsleiterin?
[Nicole Wronski]
Also bei Blackboat macht jeder, der anfängt, einen Stärkentest, den Gallup StrengthFinder. Ich weiß nicht, ob den vielleicht der ein oder andere kennt. Da ist bei mir an erster Stelle die Leistungsorientierung.
Also ich bin jemand, der sehr gerne Aufgaben erledigt und sich auch nicht scheut, viele zu erledigen und viel zu arbeiten und nicht unbedingt an dem 100-Prozent-Ergebnis interessiert ist. Für mich ist auch mal, dann ist better than perfect, mit Augenmaß. Aber eben zu sagen, wenn ich etwas anpacke, dann ziehe ich das auch durch.
Ich glaube, das ist etwas, was man definitiv braucht an der Stelle. Ich würde ansonsten nicht auch beim ersten kleinen Hindernis die Flinte ins Korn werfen, sondern auch zu sagen, lass uns da vielleicht nochmal anders drauf gucken. Das könnte ein anderer Weg sein oder die Dinge dann auch nicht persönlich zu nehmen.
Ich glaube, das ist tatsächlich eine Stärke, die ich habe. Manche würden es vielleicht abgeklärt nennen, aber ich glaube, für mich ist es, ich kann mich gerne in der Sache streiten und es persönlich wird. Das ist vielleicht auch etwas, was man auf und zu machen muss in der Position.
Danach kann man aber trotzdem noch einen Kaffee trinken gehen und alles ist gut.
[Merlene]
Du sagtest vorhin, es kam auf, dass die Geschäftsleitung erweitert werden soll und dann wurdet ihr gefragt, ob ihr Lust dazu habt. Dann hast du gesagt, ja, haben wir. Woher kam das?
Also, dass du einfach wusstest, ich möchte das jetzt machen.
[Nicole Wronski]
Ich mag Herausforderungen und man hat es vielleicht in meinem Lebenslauf gemerkt, ich brauche auch gerne immer mal wieder was Neues. Insofern kam das quasi zu dem Zeitpunkt, wie gerufen. Ich hatte schon auch krassen Respekt davor an der Stelle.
Wir wurden damals gefragt, aber auch, ehrlich gesagt, schon so, dass wir das Gefühl hatten, natürlich können wir Nein sagen, aber es würden sich schon alle freuen, wenn wir es machen. Das hat dann aber auch ein total gutes Gefühl gegeben, so einen Vertrauensvorschuss an der Stelle zu bekommen. Ich habe den Spruch irgendwo geklaut, aber ich finde ihn super.
Das kalte Wasser wird nicht wärmer, wenn man später springt. Das ist auch so ein Motto, was sich für mich irgendwie durch mein Leben zieht. Also eher zu sagen, ja, ich probiere es und lerne auf dem Weg dorthin, ob ich es wirklich kann und lerne es auch wirklich gut zu machen.
Anstatt so diese Haltung zu haben, ich muss etwas erst hundertprozentig können, bevor ich überhaupt auf die Idee komme, mich auf eine Stelle zu bewerben. Und das ist, glaube ich, tatsächlich, wenn man sich auch so Studien anguckt, eher ein Frauenthema, dass wenn so Anforderungen in Ausschreibungen drin sind, Männer bewerben sich meistens so bei, ich glaube, 50% Match oder 60%. Und bei Frauen muss es dann eher so um die 90% geben, dass man das Gefühl hat, okay, ich kann mich auf diese Stelle bewerben.
Und das ist ja in der Regel nicht die Erwartung auf der anderen Seite. Und deswegen ist es immer so, okay, wenn die anderen glauben, dass ich das kann, dann hätte ich das bestimmt können.
[Merlene]
Okay, dass ich auch der Ursprung des Projekts LeadHER, beziehungsweise auch des Podcasts jetzt, dass die Beobachtung, die ich im Studium gemacht habe, bei den Komitees bereits war, okay, sehr, sehr viele Komiteeheads sind männliche Studierende, aber nicht, weil keine Frauen gewählt werden, sondern einfach, weil Frauen oder Studentinnen Respekt oder Angst vielleicht auch davor haben, sich überhaupt zur Wahl aufstellen zu lassen. Und meine Frage ist natürlich so ein bisschen, woher kommt das? Und meine Annahme ist auch einfach, dass es viel zu wenig Vorbilder gibt, weswegen ich mich mit Leuten wie dir unterhalte, damit man das einfach nochmal ein bisschen mehr zeigt.
Man muss es nicht perfekt können, bevor man es macht, sondern man kann auch an der Aufgabe wachsen. Wir hören hier ab und zu ein paar kleine Geräusche von nebenan von deiner Tochter. Das heißt, in deinem Leben hat sich jetzt auch in den letzten acht Monaten schon vorher auch ein bisschen was verändert.
Wie ist es jetzt in der Geschäftsleitung mit kleiner Tochter?
[Nicole Wronski]
Also ich habe jetzt gerade erst im Mai wieder angefangen und gefühlt ist es so wie früher. Tatsächlich, also meine Kollegin war jetzt aus der Elternzeit ja auch da, während ich weg war und jetzt ist sie wieder in der Elternzeit. Also es scheint irgendwie aufzugehen, unser Plan.
Die emotionale Herausforderung habe ich schon ein bisschen unterschätzt, glaube ich, was das heißt, da jetzt wieder die Rolle zu wechseln oder in die Anteilrolle reinzugehen, nachdem man einfach so eine intensive Zeit mit Baby zu Hause verbracht hat. Aber für mich war auch von Anfang an klar, so dass mir mein Berufsleben, meine Karriere auch einfach ein wichtiger Teil für mich ist. Und ich das auch möglichst gleichberechtigt in meiner Beziehung leben will.
Also mein Partner ist Unternehmer und Geschäftsführer und er macht es halt jetzt auch gerade möglich, dass ich wieder einsteigen kann, indem er die Betreuung unserer Tochter übernimmt, weil der Kitaplatz erst ab Herbst möglich ist. Und ich finde, das sollte selbstverständlich sein, aber ist es heutzutage einfach noch nicht. Gerade in solchen Rollen ist es dann einfach zu sagen, ja, er kann gar nicht Elternzeit nehmen oder wir sind auf das Geld angewiesen oder dies und das.
Also da gibt es natürlich immer Argumente und die mögen auch im individuellen Fall stimmen. Aber es ist natürlich, je länger man raus ist und auch, das zeigen Studien, wenn man sich diesen Career Gap einfach von Frauen und Männern anschaut, wie es nach dem der Geburt des ersten Kindes einfach erstmal sehr stagniert. Das ist etwas, was ich zumindest für mich jetzt im ersten Schritt nicht akzeptieren will, sondern einfach ausprobieren will, auch ohne mir zu viel Druck zu machen.
Wie ist das vereinbar? Das ist im Sommerland ja nicht unbedingt super einfach, aber ich finde, da sollte man eben auch die Verantwortung gleich verteilen. Man kann sie nie 50-50 verteilen, weil allein schon, wenn man als Mutter stillt, ist das Kind einfach ein Stück weit abhängig von allen.
Das macht ja auch nicht jeder, aber das ist dann irgendwie schwierig. Deswegen, also natürlich kann man jetzt nicht ganz haarscharf auf dieses 50-50 bestehen, zumindest nicht zu einem Zeitpunkt, aber dass man, ja, für sich als Paar da auch einen Weg findet, dass, wenn jemand den Wunsch hat, eben auch seine Karriere fortzuführen, ist das auch völlig okay. Aber man sagt, das ist jetzt einfach ein anderer Fokus für mich in dieser Zeit.
Aber die Auswirkungen sind natürlich langfristig dann nicht zu unterschätzen und eben da auch zu gucken, okay, wie baue ich mir eben auch meine Karriere auf und wie baue ich mir eben auch diese Kombination dann aus Familie und Beruf auf, sodass ich auch erfüllt bin an der Stelle, weil ich glaube, ich bin am Ende des Tages auch eine bessere Mutter, wenn ich auch den Teil meiner Persönlichkeit ausleben kann.
[Merlene]
Ich bin ja vorhin direkt in die Falle getappt und meinte, ich habe ja deinen Partner getroffen und deine Tochter meinte, ah, du bist der Babysitter und der meinte so ganz straightforward, nein, ich bin der Vater und ich bin on duty. Und das stimmt natürlich auch. Es war von mir natürlich auch nicht so gemeint, sondern mir war einfach wichtig, dass du gerade Zeit hast.
Aber ich glaube, das hört man noch relativ oft auch, dass es für Männer gar nicht so selbstverständlich ist, leider, dass sie einfach diesen Teil auch nehmen, auch was Elternzeit angeht. War das für euch von Anfang an klar?
[Nicole Wronski]
Ja. Und wie das in so einem Unternehmen ist, gibt es natürlich Phasen, da ist sowas leichter umzusetzen und schwieriger. Und wir hatten jetzt ja auch turbulente Phasen in den letzten Monaten, ich glaube, gesamtwirtschaftlich betrachtet.
Insofern war das jetzt definitiv nicht so eine Entscheidung, wo wir sagen, das ist die einfachste und logische Entscheidung, das jetzt so zu machen. Trotzdem war das auch unsere Vereinbarung als Paar, eben nicht so diesen ganz klassischen Weg zu gehen. Und nach vielen Diskussionen und Verhandlungen war auch relativ klar, dass wir es dann in einer Form machen.
Natürlich irgendwie vielleicht nicht ganz 50-50, aber zumindest so, wo ich mich auch wohlfühle und wo es für die andere Seite eben auch passt.
[Merlene]
Ich bin einfach so interessiert daran. War das schon während der Schwangerschaft, dass ihr so darüber gesprochen habt?
[Nicole Wronski]
Nee, dass mir mein Job wichtig ist, das habe ich schon immer klargestellt. Wir hatten jetzt irgendwie keinen steingemeißelten Plan, sag ich mal. So machen wir es, weil ich finde das auch immer super schwierig, gerade in so einer fundamentalen Veränderung wie ein Kind zu bekommen.
Da kann man sich ja alles vornehmen und vielleicht wäre ich ja auch einfach so im Glück und hätte gesagt, ich möchte jetzt aber drei Jahre zu Hause bleiben mit meiner Tochter und Plätzchen backen. Wäre ja auch eine Option gewesen. Zumindest wollte ich die nicht komplett ausschließen auf euch, weil ich mir ziemlich sicher war, dass es dem nicht so sein wird.
Insofern hatten wir darüber gesprochen, gesagt, was gegenseitige Wünsche sind, aber eben auch uns da die Flexibilität gelassen zu sagen, hey, wir gucken mal, wie es ist, wenn es so weit ist.
[Merlene]
Das Wichtigste ist ja eigentlich, dass man auch merkt, okay, es geht auch mit Kind, also weiter, auch Geschäftsleitung beziehungsweise Job generell, aber auch Führung. Hast du das Gefühl, dass Dinge, die du jetzt als Mutter an dir entdeckt hast oder Eigenschaften, die du als Mutter hast, auf deinen Job eine Auswirkung haben oder die du hier quasi mit einbringst?
[Nicole Wronski]
Ja, ich habe lustigerweise gerade gestern darüber nachgedacht, weil Vatertag war und ich ein bisschen darüber nachgedacht habe, jetzt mit dem Jobstart und so. Und ich würde schon sagen, dass ja ein Stück weit Prioritäten natürlich zurechtgerückt werden, weil man hat einfach einen sehr abhängigen kleinen Menschen da und priorisiert vielleicht auch härter und sagt, okay, was ist jetzt wirklich wichtig und hat jetzt Impact auch für meine Rolle und was ist vielleicht nice to have oder kann auch tatsächlich jemand anderes machen, was ich vielleicht früher einfach übernommen hätte, ohne eine Diskussion zu führen. Ich würde auch sagen, irgendwie eine gewisse andere Gelassenheit. Ich weiß auch nicht, aber so eine Geburt ist einfach so ein krasses Erlebnis.
Es ist wirklich sowas Fundamentales und ursprüngliches. Das gibt einem in anderen Dingen irgendwie schon so eine andere Ruhe, wo man so denkt, das habe ich geschafft. Okay, dann so ein Meeting mit irgendeinem CEO kann ich schlimmer verhalten.
[Merlene]
Das finde ich eine sehr schöne Sicht. Abschließend würde ich glaube ich noch mal fragen, hast du einen Rat, den du einer Schülerin, die überlegt, was sie demnächst macht oder vielleicht auch Studentin, die in die Berufswelt übergeht, ihr mit auf den Weg geben würdest, was ihre Karriere angeht?
[Nicole Wronski]
Ja, zu Opportunities zu sagen. Also wenn dir jemand eine Chance bietet, die auch zu ergreifen und da nicht irgendwie falsch bescheiden zu sein oder zu überlegen, bin ich jetzt gut genug dafür, sondern auch mal da Mut zur Lücke zu haben und zu sagen, hey, ich probiere es jetzt mal. Also das Schlimmste, was passieren kann, ist, ich lasse es nach einer Weile, weil es vielleicht nicht passt.
Also das wäre auf jeden Fall ein Rat, den ich so für das Thema Selbstbewusstsein im Job mitgeben wollen würde. Ja, vielleicht wenn man gerade noch gar nicht weiß, wo es hingehen soll. Ich glaube, das ist so ein generischer Rat, aber das wirklich auch Dinge auszuprobieren mit der Gewissheit, ich unterschreibe jetzt nicht einen Vertrag bis an mein Lebensende, wenn ich mich jetzt einmal für einen Weg entscheide und trotzdem da vielleicht auch selbst reflektiert mit sich selbst zu sein.
Also warum entscheide ich mich jetzt dafür und warum höre ich vielleicht darauf oder warum will ich es weitermachen? Also da auch immer wieder irgendwie mit sich selbst ein Stück weit im Austausch zu sein.
[Merlene]
Okay, dann ganz ganz herzlichen Dank, dass du mit mir gesprochen hast. Danke, dass ich hier in eurem schönen Studio sein durfte.
[Nicole Wronski]
Ja, ich bin gespannt, was du zur Tonqualität sagst und ob wir die Kleine noch im Hintergrund hören.
[Transkript Ende]
Was wir aus dieser Folge mitnehmen können:
Karrieren müssen nicht linear verlaufen, um wirksam zu sein. Nicole Wronski zeigt, wie Verantwortung, Lernbereitschaft und klare Entscheidungen tragfähige berufliche Wege ermöglichen – auch in Phasen persönlicher Veränderung.
Hör hier die ganze Folge mit Nicole.




