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Ausbildung in Paris und Direktorin der eigenen Galerie: Stella Melbye‑Konan über Karrierewege in der Kunstwelt

  • Autorenbild: leadHER
    leadHER
  • 15. Apr.
  • 33 Min. Lesezeit

Stella Melbye‑Konan ist Galeristin, Unternehmerin und Direktorin der Galerie Melbye‑Konan in Hamburg. Ihr beruflicher Weg führte sie früh in die internationale Kunstwelt: Nach dem Studium der Kunstgeschichte folgten weiterführende Programme an der École du Louvre sowie berufliche Stationen am Centre Pompidou und am Musée Carnavalet in Paris. Heute verbindet sie kuratorische Expertise mit unternehmerischer Verantwortung und führt eine Galerie, die international arbeitet und zugleich lokal verankert ist.


In der Podcast‑Folge spricht Stella über ihren Weg in die Kunstwelt, über Ausbildung, Netzwerkaufbau und die Realität hinter dem Galeriebetrieb. Thematisiert werden unter anderem internationale Karrieren, der Aufbau eines eigenen Unternehmens, der Umgang mit Verantwortung sowie die Frage, wie sich berufliches Engagement, Familie und persönliche Haltung miteinander verbinden lassen. Das Gespräch macht deutlich, dass nachhaltige Karrieren in der Kunst nicht durch Zufall entstehen, sondern durch langfristiges Denken, Fachlichkeit und konsequente Entscheidungen.


Disclaimer: Dieses Transkript wurde mit KI erstellt. Es können Abweichungen zum Original-Audio vorkommen.


Quadratisches Podcast-Cover. Im Zentrum stehen zwei Frauen, Stella Melbye-Konan und die Host Merlene, die nebeneinander vor einem hellen Hintergrund positioniert sind. Beide blicken lächelnd direkt in die Kamera. Im oberen Bereich des Bildes steht gut lesbar der Text 'leadHER', darunter der Name der Gästin Stella und ihr Job-Titel Gründerin & Direktorin der Galerie Melbye-Konan.

Hör jetzt das ganze Gespräch mit Stella.



Stella Melbye‑Konan: Das Gespräch über eine Karriere in der Kunstwelt und Unternehmertum


[Merlene]

Hi, ich bin Merlene und ich treffe mich jede Woche mit Frauen in Führungspositionen zum Café, um mit ihnen über ihren Karriereweg zu sprechen. Ziel ist es dabei, auch wenn wir heute noch nicht 50-50 auf Führungsebenen haben, den nächsten Generationen eine Vielfalt an Vorbildern zu bieten und sie dazu zu inspirieren oder zu ermutigen, die Themen Karriere und Führung auch für sich zu entdecken. Meine Gäste thematisieren dabei auch, was für eine Rolle ihre Lebenspartner und andere Vertrauenspersonen beim Thema Selbstverwirklichung und Gleichstellung spielen.

 

Der Podcast ist also was für jeden, der Lust hat, eine faire Zukunft mitzugestalten. Heute bin ich zu Besuch in der Galerie Melbye-Konan, um die Besitzerin und Direktorin Stella Melbye-Konan zu interviewen. Sie hat unter anderem im École de Louvre Kunstgeschichte studiert und Arbeitserfahrungen im Centre Pompidou und Musée Cannevalet gesammelt.

 

Das Handelsblatt beschreibt sie als die neue Generation der Galeristen. Enjoy!

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, vielen Dank, Merlene. Ich freue mich. Schön, dass du heute hier bei uns bist.

 

[Merlene]

Ich gucke hier in der Galerie herum und es ist ein wunderschöner Ort. Ich war auch schon mal bei einer Vernissage von euch. Wie kann man sich das Leben als Direktorin einer Galerie vorstellen?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, es gibt tatsächlich gewisse Vorteile von Galeristen, dass wir nur Champagner trinken und natürlich beschäftigen wir uns mit den schönen Sachen und Kunst ist etwas Schönes. Man arbeitet in einer schönen Umgebung. Der Alltag besteht natürlich nicht nur aus Champagner trinken und Vernissagen, sondern ganz viel Arbeit letztendlich und Vorbereitung, vor allem auch im Hintergrund für die Ausstellungen, die Sammlerbetreuung, die Pressearbeit, also sehr, sehr vielschichtig.

 

Aber natürlich, die Location ist wunderschön, also mein Team kommt auch immer sehr, sehr gerne. Ich habe auch kein Problem, Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen zu finden, weil in der Galerie arbeiten ist natürlich ein schönes Ambiente. Es macht natürlich auch viel Spaß durch die Vielseitigkeit, glaube ich.

 

[Merlene]

Für mich ist die Welt der Kunst nicht immer so zugänglich. Manchmal habe ich auch sehr starken Respekt davor. Zum Beispiel, ich habe nicht Kunstgeschichte studiert.

 

Im Museum hat man dann ja schon so seine Zeit, durchzulaufen und zu schauen. Aber ich vergesse dann auch vieles wieder. Wie hast du die Welt der Kunst für dich entdeckt?


Der Weg in die Welt der Kunst


[Stella Melbye-Konan]

Tatsächlich schon sehr früh. Also ich bin schon als Kind mit meiner Oma, mit meinen Eltern immer sehr gerne ins Museum gegangen. Also ich weiß, da habe ich das erste Museumsbesuch, da war ich irgendwie vier, fünf.

 

Und jedes Mal, wenn meine Oma nach Hamburg kam, haben wir jedes Mal eine Ausstellung angeschaut in der Kunsthalle bzw. Kunstforum. Und ich bin auch freiwillig da hingegangen.

 

Also es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es war daher auch sehr früh für mich klar, ich möchte gerne Kunstgeschichte studieren. Also meinen Berufswunsch habe ich tatsächlich schon, ich glaube, ganz konkret mit 14 formuliert, was sehr früh ist.

 

[Merlene]

Und dabei bist du auch geblieben.

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau, also es war dann auch ganz klar. Also ich mochte Kunst schon immer gerne. Ich habe selber auch gerne gemalt.

 

Habe aber auch schnell gesehen, okay, man braucht wirklich viel Talent. Also gerade, wenn man, wie ich, viel ins Museum gegangen ist, kann man sein eigenes Talent dann auch gegenüber den großen Meistern wie Picasso, Rothko und genau, auch gut abschätzen. Das war mir ganz klar, ja, Kunst macht mir Spaß, aber selber produzieren, da braucht man einfach eine Gabe, ein unheimlich großes Talent.

 

Und dann habe ich relativ schnell für mich herausgefunden, was auf die andere Seite quasi zu gehen, auf die Theorieseite, auf die Seite der Kunstförderer, der, ja, diejenigen, die letztendlich Kunst verständlich machen. Man kennt das im Museum, da gibt es dann ein Guide zum Beispiel und man steht vor einem Werk und am Anfang sagt einem das gar nichts. Und ein bisschen länger, wenn man sich dann etwas erzählt bekommt über die Hintergrundgeschichte, über den Künstler, wie das Werk entstanden ist, dann gibt es dieses Aha-Moment.

 

Und das finde ich so spannend auf meiner Seite der Kunst letztendlich. Wir kreieren dann diesen Aha-Moment.

 

[Merlene]

Du hast Kunstgeschichte an der Uni Hamburg studiert, bist dann aber ja noch weitergegangen, hast zwei Masterstudiengänge gesehen, einmal Museumsmanagement und Museologie. Und das andere ist ein Master in Kunstgeschichte nochmal, oder?

 

Wie bist du dazu gekommen?

 

[Stella Melbye-Konan]

Wie gesagt, Berufswunsch war relativ schnell klar und der Weg dahin ist ganz klassisch halt über das Studium der Kunstgeschichte. Und ich habe angefangen hier in Hamburg Kunstgeschichte zu studieren und es war dann sehr spannend, hat mir sehr viel Spaß gemacht und habe dann aber auch gemerkt, Mensch, beim Master, ich würde gerne nochmal was anderes sehen. Und dann habe ich geschwankt, also Wien, der Master in Wien ist auch sehr gut, den fand ich sehr attraktiv und dann habe ich durch Zufall dieses Programm mit der Ecole des Louvres.

 

Das ist ein internationales Programm zwischen Paris und Heidelberg und da werden jährlich nur acht Studenten ausgewählt. Und ich bin aber eigentlich in meinem Leben immer an dem Motto rangegangen, wer nicht wagt, der nicht gewinnt und habe mich dann darauf beworben und habe überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich diesen Master auch bekomme und dann habe ich eine Zusage bekommen. Das war schon aufregend, weil ich ja noch gar nicht meine Bachelorarbeit fertig geschrieben habe.

 

Es musste dann alles sehr, sehr schnell gehen, damit ich pünktlich dann auch im September in Paris starten kann. Und das war auf jeden Fall eine sehr gute Entscheidung, weil in Paris ist der Studiengang sehr praktisch. Du hast es angesprochen, Museumsmanagement, Museologie, in Hamburg lernt man sehr viel Theorie, sehr viel über die Kunst und die Kunstgeschichte und in Paris ist es sehr praktisch.

 

Wir hatten Kurse im Louvre, wir hatten Kurse im Musée Carnavalet, im Centre Pompidou, im Musée d'Orsay, also ganzen großen Museen mit Kuratoren, die auch dort gearbeitet haben, Direktoren. Dadurch hat man natürlich auch relativ gut ein Netzwerk schon gehabt, was in meiner Branche unheimlich wichtig ist. Man braucht, man muss sich sehr, sehr schnell vernetzen.

 

[Merlene]

Ich habe auch gesehen, dass du danach im Centre Pompidou gearbeitet hast. Es kamen noch ein paar Stationen zwischen der heutigen Galerie und dem Studium dann. Kannst du nochmal ein bisschen erzählen, was so dazwischen stattgefunden hat?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ich habe dann im Centre Pompidou gearbeitet, das war auch sehr, sehr spannend, im Bereich, in der Designabteilung. Da haben wir Ausstellungen kuratiert, aber auch Sammlungsbestände haben wir inventorisiert, uns angeschaut. Das habe ich nicht so lange gemacht, das waren sechs, sieben Monate.

 

Und dann habe ich meinen Master zu Ende gemacht, das halt während meines Studiums noch. Und nach meinem Master hatte ich das Glück tatsächlich, ich bekam einen Anruf von einer Direktorin des Musée Carnavalet. Und die meinte, ja, ich bereite eine Ausstellung vor, das war Thema Malraux, also Stadtplanung im Viertel, auch Limaré, das ist ja das ganz bekannte Viertel, über die Gentrifizierung, aber auch mit Kunstwerken.

Und das ist natürlich, wenn man weiß, wie die Jobchancen überhaupt ausschauen in Kunstgeschichte. Ich weiß immer noch, wenn mich jemand gefragt hat, hier in Hamburg, was studierst du?

 

Ah, Kunstgeschichte, ach so, dann wirst du arbeitslos, das war so die erste Reaktion. Ist auch interessant gewesen, in Paris ist das nicht so, wenn ich da gesagt habe, ich habe Kunstgeschichte studiert, dann war immer, wow, und dann noch an der Col de Louvre. Und ich hatte tatsächlich das Glück, ich habe noch nicht mal meine Masterarbeit fertig gehabt, da habe ich einen Anruf bekommen für ein Jobangebot.

 

Und das habe ich dann anderthalb Jahre gemacht, habe die Ausstellung zusammen vorbereitet, das war sehr, sehr spannend und auch mit so einer Führungskraft zusammenzuarbeiten. Ich hatte auch mal weibliche Mentoren, könnte man sagen. Auch während meiner Masterzeit habe ich sehr eng mit der Kuratorin aus dem Louvre zusammengearbeitet, jetzt mit einer Direktorin aus der Musée Carnavalet.

 

Das hat mich sehr positiv beeinflusst, auch was die Vision, das kommt vielleicht später nochmal, zu Kinder. Das war nämlich ganz, in Frankreich ist das völlig normal, dass man Karriere macht und Kinder hat. Genau, dann habe ich das Projekt mit der Ausstellung beendet und es hat auch nicht lange gedauert.

 

Dann habe ich bei einem Star-Architekten angefangen, Dominique Perrault, was jetzt nicht so, das ist auch nicht so ganz klassisch, eigentlich in meinem Kunstgeschichtsfeld war, aber der Architekt hat tatsächlich auch selber eine Ausstellung gemacht, sehr, sehr spannende Projekte gemacht, auch Staatsprojekte. Damals mit François Hollande, Chateau Gassay haben sie renoviert, mit Alain Ducasse. Es war eine ganz, ganz spannende Zeit.

 

Es war ein ganz anderer Rhythmus auch, weil ich kam ja vorher aus dem Museum und Museum ist, sagen wir mal, so die Arbeitsintensität ist nicht so hoch jetzt wie im Architektenbüro. Da hat man wirklich das Agenturleben. Die Architekten, das war völlig normal, die haben bis in die Nacht gearbeitet.

 

Also da fing man um acht an und ging um acht so ungefähr. Es war schon eine sehr spannende Arbeitserfahrung, aber hat auch sehr viel Spaß gemacht, weil man ja, wie gesagt, so unterschiedliche Projekte hatte. Und ich habe halt mich um Dominique Perrault gekümmert, alles was Pressearbeit war, Kommunikation, seine Ausstellungen, Vorträge, also jetzt nicht im Architektenbereich, aber quasi alles, was da drumherum ging, das war auch eine ganze Menge.

 

Das ist spannend, weil eigentlich hat der Job mich am besten auf die Galeriearbeit vorbereitet, den Alltag. Also natürlich diese Ausstellungen und gute Künstler auswählen, das durch mein Studium und auch durch die Museumserfahrung, wie kuratiere ich eine gute Ausstellung? Aber dieses Hands-on und diese Vielseitigkeit, die habe ich tatsächlich beim Architekten sehr gut gelernt und auch der Umgang mit Staatspersönlichkeiten.

 

[Merlene]

Ist das ein Netzwerk, das dich bis heute begleitet?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, durchaus. Ich habe mir zwar auch hier, muss man schon sagen, in Hamburg auch sehr, sehr viel Netzwerk aufgebaut in der kurzen Zeit, weil eine Galerie ist natürlich gerade auch am Anfang erstmal, braucht es ein unheimlich starkes lokales Netzwerk.

 

Aber ich hatte natürlich das Glück, dass ich auch durch meine Paris-Erfahrungen da auch ein sehr starkes Netzwerk habe und dadurch auch relativ schnell mit der Galerie nicht nur in Hamburg deutschlandweit erfolgreich gewesen bin, sondern auch schnell nach Paris, nach London in die, sagen wir, typischen Kunststädte verkauft habe.

 

[Merlene]

Du hattest gesagt, du hast im Musée Carnavalet die Ausstellung kuratiert oder mit vorbereitet. Was macht man da?

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau, man hat erstmal ein Thema und zu diesem Thema muss man recherchieren. Das war jetzt eine, sagen wir mal, etwas komplexere Ausstellung. Es ging nämlich um die Agentifizierung des Marais.

 

Und da haben wir uns das Loire-Marais-Rouge angeschaut. Das war ein Stadtplanungsgesetz von dem damaligen Kulturminister in den 60er-Jahren.

 

Und dann waren wir tatsächlich auch viel in den Stadtplanarchiven, also einmal die historische haben wir aufgearbeitet, also im Archiv, mit der Kommunikation des Kulturministers zu den verschiedenen anderen Abteilungen. Wir haben aber auch geschaut, was hatte das Gesetz eigentlich bewirkt? Und dann haben wir uns auch viel halt diese Palais angeschaut und geschaut, was ist da eigentlich passiert, was gibt es da dort noch?

 

Man hat halt einen Titel, man hat sozusagen eine Message, einen Inhalt. Und diesen Inhalt muss man aber letztendlich auch veranschaulichen im Museum durch Kunstwerke, durch verschiedene Materialien. Haben wir dann halt sehr viel gesucht und das, was ich spannend fand an dieser Ausstellung, integriert auch sozusagen die Leute, die im Marais gelebt haben.

 

Es gab einen Kunstwettbewerb, wo dann quasi alle mitmachen durften. Und wir haben dann ausgewählt die Besten und die auch ausgestellt, die Kunstwerke. Es gab aber auch zwei, drei zeitgenössische Künstler, die mit ausgestellt worden sind.

 

Aber sonst auch viel, wie gesagt, das ist der Spariller Stadtmuseum, gab es auch viele archäologische Objekte, Steine, Fresken, die wir auch mit ausgestellt haben.

 

[Merlene]

Jetzt habe ich ja hier die Expertin. Bilder, die im Museum hängen, wem gehören die? Gehören die dem Museum?

 

Also gerade jetzt zum Beispiel bei dem Louvre oder Centre Pompidou, sind das Bilder des Museums oder der Ausstellung oder gehören die immer privaten Sammlern?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, also ganz vielen Werken. Das ist Eigentum des Museums. Die Museen haben auch immer noch, dass wir sagen, Werke ankaufen.

 

Aber es gibt ganz unterschiedliche Modelle. Also zum Beispiel jetzt im Fall der Centre Pompidou, die haben eine sehr, sehr große eigene Sammlung. Auch das Musée du Louvre, das sind Wahnsinnswerke.

 

Ich habe jetzt nicht genau die Ziffern, aber das ist ein Bruchteil. Also im Louvre, glaube ich, werden zehn Prozent oder drei Prozent gezeigt. Die haben ganz viel in den Lagern, das ist natürlich auch spannend.

 

Wenn man in großen Museen arbeitet, dann fährt man natürlich auch in diese Kunstlager. Das sind wahnsinnige Schätze und es wird nur ein ganz kleiner Bruchteil daraus gezeigt. Darum gibt es auch einen ständigen Leihverkehr, weil das eigene Museum kann nicht immer alles zeigen.

 

Das heißt, es gibt einen Leihverkehr einmal unter den Museen, dass sie sich gegenseitig die Werke ausleihen. Aber teilweise fragt man auch, wenn man das braucht für eine Ausstellung, auch private Sammler an. Es gibt ja keine Datenbank, die öffentlich ist.

 

Es ist letztendlich, man hört über andere Art, der hat das so ein bisschen. Ja, muss man dann wissen halt, wer welches Werk in welcher Sammlung besitzt. Und es gibt aber auch Häuser wie hier zum Beispiel das Museum Kunstforum.

 

Das funktioniert ausschließlich mit Leihwerken aus Museen oder aus Privatsammlungen. Aber die meisten staatlichen öffentlichen Museen haben auch eine eigene Sammlung, also angekaufte Werke.

 

[Merlene]

Selbst das, was das Louvre ausstellt, das kann man ja bei einem Besuch gar nicht abdecken.

 

[Stella Melbye-Konan]

Nee, man bräuchte, wenn man sich alle Werke anguckt, drei Monate. Und dann hat man ja letztendlich auch nur die Werke gesehen, die ausgestellt sind und noch nicht die Werke, die in dem Kunstlager quasi verborgen sind.

 

[Merlene]

Ja, also wer mal Zeit hat, drei Monate nach Paris zu fahren, kann dann den gesamten Louvre anschauen. Und das sind dann wie viel Prozent des Bestands?

 

[Stella Melbye-Konan]

Vielleicht 10, 15. Also wirklich, das ist ein Bruchteil an dem, was im Lager noch quasi ist. Darum hat ja auch das Musée du Louvre eine Zweigstelle in Lens im Norden Frankreichs, aber auch in Abu Dhabi.

 

Da gibt es ja mittlerweile auch das Museum in Kooperation mit dem Louvre. Das merkt man auch, dass die großen Häuser dann auch quasi Zweigstellen eröffnen.

 

[Merlene]

Also ich habe das Gefühl, gerade dort, so Abu Dhabi und Dubai, passiert gerade sehr, sehr viel. Also auch in der Kunstwelt?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, genau. Auch Asien. Fast jeder Milliardär in Asien hat sein eigenes Kunstmuseum.

 

Das gehört zum guten Ton und das ist ähnlich auch in Arabien. In Dubai, wie viele Museen dort gebaut worden sind, wie viele Sammler in den letzten Jahren hervorgekommen sind. Das ist nochmal eine ganz andere Dimension.

 

[Merlene]

Ja, da sind wir jetzt schon bei der Internationalität. Du hast schon gesagt, du hast dein Studium, dein Master dann in Paris gemacht, bist jetzt aber wieder in Hamburg. Wie kam es, dass du dann in Paris warst, so lange?

 

Und was hat dich wieder zurückgebracht?

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau, ich war sieben Jahre fast in Paris und Paris ist eine wahnsinnig tolle Stadt. Das ist natürlich eine sehr posierende, immer aufregende Stadt in Paris. Da kann man immer was erleben, sehr voll natürlich auch.

 

Man kennt das, die Metro von Paris, wo man kaum reinkommt. Also im Alltag ist Paris schon auch eine herausfordernde Stadt, eine sehr teure Stadt. Kulturell hat es natürlich wahnsinnig viel zu bieten.

 

Aber ich habe dann doch mit meinem Mann beschlossen. Der hat ja schon noch länger als ich auch in Paris gewohnt, 15 Jahre. Wir hätten ganz gerne mal einen Tapetenwechsel in eine andere Stadt.

 

Und wir hatten dann auch mal Richtung London geschaut und auch Genf. Ja, und wie das dann so ist, ich bin ja Hamburgerin. Häufig kommen die Hamburger ja wieder zurück.

 

[Merlene]

An den Heimathafen.

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau, so ist es dann auch bei mir gewesen. Und gerade auch mit den Schwerpunkten, die wir in der Galerie haben. Wir haben ja auch viele Künstler aus Afrika in unserem Programm.

 

Nicht nur, mit der Zeit ist es ja auch immer internationaler geworden. Und dann habe ich auch gedacht, es fehlt so ein bisschen, so eine Galerie hier in Hamburg. Also ich glaube, hätte ich meine Galerie in Paris damals eröffnet, wäre es, ich will nicht sagen schwierig, es ist immer schwierig.

 

Aber ich glaube schon, dass es noch mal eine ganz andere Konkurrenzszene dort gibt. Es gibt einfach wahnsinnig viel Kunst dort. Und hier in Hamburg fand ich, das ist eine Bereicherung.

 

Also das, was ich quasi mitbringe aus meinen Auslandserfahrungen, aus meinen Studien, aus meinem Studium, kann ich hier in Hamburg noch mal ganz anders umsetzen. Und es ist auch, man muss jetzt sagen, eine kinderfreundlichere Stadt. Das war der andere Grund, warum wir irgendwann gesagt haben, in Paris möchte ich eigentlich keine Kinder großziehen.

 

Das ist eine schmutzige Stadt, eine laute Stadt. Es gibt ja keinen Platz für Kinderwagen. Allein die Metro, da kommt man gar nicht durch mit dem Kinderwagen.

 

[Merlene]

Das ist so interessant, dass du das von dieser Perspektive erzählst, weil ich habe das Gefühl, so in Serien oder in Filmen wird Paris so als die romantischste, wunderschönste Stadt dargestellt. Auch so dieses, es gibt ja jetzt Amelie in Paris seit ein paar Jahren. Und ich höre immer von richtigen Franzosen, dass sie sich drüber lustig machen, wann sie mal mit der Metro fährt, weil sie ist immer in so einer Umgebung, wo super viel Platz ist, es ist überhaupt nicht eng.

 

Da sind gar keine anderen Menschen und es ist immer alles wunderschön. Aber es gibt auch die Metro und das auch schon mal.

 

[Stella Melbye-Konan]

Viele Franzosen mögen ja auch die Serie überhaupt nicht. Also ich kann sie mit einem Schmunzeln gucken, es gibt schon Parallelen. Aber natürlich, Paris ist, das ist natürlich so eine amerikanische Vorstellung, idealisierte Vorstellung von Paris und dem Eiffelturm und alles romantisch.

 

Und dass die Stadt auch zunehmend mit Armut zu kämpfen hat. Also wie viele Bettler dort in den Metrostationen sind. Man muss auch gerne sagen, der Gestank.

 

Die haben auch Probleme manchmal mit den Abwasserkanälen. Eine teure Stadt. Ja, es ist schon nicht alles, gerade wenn man aus Hamburg kommt.

 

Ich meine, wir haben damals sehr schön gewohnt, also auch in der Nähe des Eiffelturms. Am 16. Arrondissement, meine kleinen Geschwister kamen mich besuchen und das ist schon eher ein schickerer Teil von Paris und waren entsetzt, wie dreckig es ist und wie viel Müll dort rumliegt.

 

Und das war schon auch ein Beweggrund, dann zu sagen, irgendwann nochmal wieder zurück nach Hamburg zu kommen.

 

[Merlene]

Konntest du eigentlich vorher fließen französisch, bevor du nach Frankreich gegangen bist?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, ich hatte mehrere französische Aufenthalte schon in der Schule und auch nach dem Abi bin ich Au-pair gewesen ein Jahr in Nizza. Das war auch schön.

 

Und tatsächlich auch bei einer sehr netten Familie, die auch mit Kunst was zu tun hatten. Also die hat auch eine Stiftung gehabt und hat kleine Ausstellungen organisiert. Und ich habe da tatsächlich dann auch schon als Gasthörer Kunstgeschichte studiert und habe mir alle Museen dort angeguckt.

 

Also dort haben ja die großen Maler, Picasso, Cezanne, alle im Süden gearbeitet, in Antib. Das war auch ein sehr schönes kulturelles Jahr, aber ich konnte tatsächlich ganz gut schon französisch und perfektioniert habe ich es dann tatsächlich während des Studiums, weil es nochmal eine ganz andere Sprache auch ist. Also im Studium, das kennt man ja hier aus Deutschland auch, es ist nicht das gesprochene Wort, sondern es ist nochmal ein ganz anderes Niveau.

 

Aber mittlerweile, ich spreche auch zu Hause viel französisch, ist es für mich fast wie eine Muttersprache geworden.

 

[Merlene]

Hast du deinen Mann in Paris kennengelernt?

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau, durch Zufall.

 

Also es war wirklich so eine Begegnung. Wir haben nicht zusammen studiert und auch nicht zusammen irgendwie Freunde gehabt. Es war wirklich auf einer Veranstaltung, wo wir uns kennengelernt haben und wir haben uns am Anfang gar nicht viel beachtet und haben es dann aber durch Zufall ein paar Tage später wieder gesehen und sind dann ins Gespräch gekommen und seitdem sind wir zusammen.

 

Und das war nämlich auch der Grund, ich bin da vorher nicht drauf eingegangen, mein Master war ja eigentlich Paris-Heidelberg und ich bin aber dann ausgestiegen. Ich hatte auch ein Stipendium, das musste ich dann zurückzahlen und ich bin aber in Paris geblieben und habe dort dann weiter meinen Master gemacht, anstatt dann halt in Heidelberg meinen Master zu machen. Aber das war auch eine gute und kluge Entscheidung, weil für mein Feld zeitgenössischer Kunst natürlich in Paris viel mehr Bewegung war, viel mehr los war, als jetzt in Heidelberg.

 

Die hat auch mehr auf Mittelalter. Gibt es nicht so viel zeitgenössische Kunst.

 

[Merlene]

Und der ist dann einfach mitgekommen nach Hamburg?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, das war auch seine Anregung. Wir waren ja immer häufiger zu Besuch. Also in den letzten sieben Jahren waren wir häufiger in Hamburg.

 

Es hat ihm auch immer sehr gut gefallen und dann haben wir die Entscheidung, der spontan auch gefällt. Und er hat dann auch hier seine Firma gegründet und ich dann halt ein bisschen später, ich habe ihm am Anfang auch geholfen bei seiner Firma, haben wir dann die Galerie auch gegründet.

 

[Merlene]

Da hast du auch Communications PR gemacht?

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau. Und das merke ich auch, dass es immer wichtiger wird für die Galerie. Viele ältere Galeristen, glaube ich, haben da noch keinen Zugang.

 

Wir haben schon sehr früh Social Media, Presse. Mein Mann ist ja auch Unternehmensberater und hat auch immer gesagt, wir können die Galerie machen, aber es muss auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Das soll kein Hobby sein.

 

Wenn wir es machen, dann auch sehr, sehr professionell. Und dazu gehört natürlich letztendlich auch eine gute Kommunikationsstrategie. Das war schon ganz klar.

 

Wenn man so ein Business eröffnet, glaube ich, muss man sich ganz klar gucken, wie positioniere ich mich? Wo will ich hin? Mit welcher Presse?

 

Um halt natürlich auch seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.

 

[Merlene]

War das dann ein klarer Wunsch von dir, schon als ihr nach Hamburg gezogen seid, dass du eine eigene Galerie machen möchtest?

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau, das war eigentlich der Grund, dass wir auch gesagt haben, in Paris, New York, da gibt es eigentlich schon viele Galerien, auch mit dem Schwerpunkt, oder die einen großen Teil auch Künstler aus Afrika mit im Programm haben. Aber hier in Deutschland gibt es vielleicht zwei, drei. Es ist wirklich noch quasi so ein Nischenmarkt gewesen.

 

[Merlene]

Und wie bist du auf diesen Schwerpunkt gekommen?

 

[Stella Melbye-Konan]

Auch durch meinen Mann natürlich, durch Jean-Claude, der ja in Westafrika geboren ist, an der Elfenbeinküste. Und ich weiß, am Anfang, als wir uns die Museen angeschaut haben, ist natürlich sehr, sehr wesentlich der Standpunkt.

 

Und ich weiß noch damals, als ich im Centre Pompidou angefangen habe, haben wir auch die permanente Ausstellung geändert. Und plötzlich gab es Kaltkünstler auch aus der Elfenbeinküste, aus Brasilien, aus China. Also 2012, 2013, 2014 in Paris gab es ganz viele Ausstellungen zum Thema afrikanischer, zeitgenössischer Kunst, auch im La Fondation Louviton, im Grand Palais.

 

Das hat natürlich mein Auge geschärft. Aber auch, glaube ich noch mal, vor dem Hintergrund, dass ich mit jemand von dort verheiratet bin und gemerkt habe, stimmt in der Kunstgeschichte, ich in meinem Studium, wir haben den Kontinent Afrika kaum behandelt. Und wenn man ihn behandelt in der Kunstgeschichte, dann sind das die Masken, die Artefakten, also sozusagen die primitive Kunst.

 

Aber das ist dort eine sehr lebendige, zeitgenössische Kunst, die gar nichts zu tun hat mit so stereotypischen Klischees. Sondern da sieht man ja auch an den Auktionsrekorden bei Sour Baby St. Chris, die es auch schon zu sehr hohen Preisen versteigert wird, also bis in die Millionenbereiche auch und auf sehr guter Qualität ist.

 

[Merlene]

Also manchmal bin ich selber von mir überrascht, als du mir das erzählt hast, ja, zeitgenössische Kunst aus Afrika, dass mir das vorher noch nie begegnet ist. Ich würde mich als jemanden bezeichnen, der relativ aufgeklärt ist. Aber ich finde auch in Geschichtsbüchern, auch wenn ich an meine Schulzeit mich erinnere, das ist ein ganz, ganz großer Bereich, der gar nicht abgedeckt wurde und auch dort einfach sehr viel aus westlicher Sicht betrachtet, ohne das zu sehr in die Kritik ziehen zu wollen.

 

Aber deswegen finde ich es total toll, dass hier so ein Ort entstanden ist, in dem unterschiedliche Einflüsse aus der gleichen Welt aufeinandertreffen.

 

[Stella Melbye-Konan]

Und es war ja auch immer wichtig, dass man sagt, nicht nur zeitgenössisch-afrikanische Kunst, sondern immer im Dialog. Wir sagen auch auf der Webseite gar nicht, wir sind spezialisiert auf zeitgenössisch-afrikanische Kunst, weil es sind zeitgenössische Künstler. Eigentlich sollte die Nationalität, man sagt ja auch nicht deutsche zeitgenössische Kunst oder chinesische, sondern man sagt ganz in unserem Sprachgebrauch eigentlich und auch in der Kunstgeschichte, das ist zeitgenössische Kunst.

 

Und eigentlich sollte man das gar nicht abwerten und auch in der Nische packen und dann nochmal sozusagen die Bezeichnung man sagt dann schnell contemporary african art. Das war mir ganz wichtig von vornherein und darum auch der Dialog mit anderen zeitgenössischen Künstlern.

 

[Merlene]

Ich habe das Gefühl, es hat dich auf jeden Fall auch sehr geprägt, dass du eine kulturelle Ausbildung auch irgendwo hattest, in den unterschiedlichen Stationen. Das letzte Mal, wo ich hier war, war ja der französische Nationalfeiertag. Und da fand ich auch so schön, du hast hier so unterschiedliche Parteien vereint miteinander.

 

Auf der einen Seite waren Politiker da, es waren Kunstinteressierte da, es waren Leute aus Frankreich da, Leute aus Deutschland, Leute aus französisch-deutschen Unternehmen. Ist das was, was dir sehr wichtig war, dass du hier diesen Austausch stattfinden lässt?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, von Anfang an habe ich immer gesagt, das ist auch ein Ort der Begegnung. Also Kunst ist letztendlich auch ein Mittel quasi des Austausches. Ein Mittel, mit dem man auch verbinden kann.

 

Und das merken wir ja auch, wenn wir hier zeitgenössische Kunst zeigen, haben wir ja auch sehr unterschiedliche Themen, was die Künstler aufgreifen. Sei es von Identität, Probleme des Recyclens, politische Themen, soziale, ganz unterschiedliche Beweggründe. Und das ist interessant, weil man kommt ja automatisch ins Gespräch mit dem Betrachter, mit den Gästen.

 

Und dadurch dann, es hat ja diese Funktion auch, also Künstler sind ja Spiegel unserer Gesellschaft. Und das kommt natürlich auch so ein bisschen von meiner, von meinem Passé quasi aus den Museen. Also das Kunst, klar, wir freuen uns, wir brauchen Sammler, die die Kunst kaufen, weil sonst würde das letztendlich nicht tragbar sein.

 

Aber es ist auch ganz wichtig, dass man Kunst auch, ich mache auch Führungen für Schulklassen, also dass Kunst auch etwas Vermittelndes haben kann, dass man durch Kunst auch etwas transportieren kann.


Die eigene Galerie: über den Alltag einer Galaristin


[Merlene]

Und wie sieht dein Alltag heute aus?

 

[Stella Melbye-Konan]

Es gibt keinen Routinealltag. Also mein Tag ist wirklich, kann nicht sagen, an dem Tag von der Uhrzeit bis zur Uhrzeit arbeite ich und dann mache ich das.

 

Es ist sehr, sehr vielschichtig. Also, klar, man muss Mails beantworten, Sammlerpflege, Ausstellungen vorbereiten, Pressearbeit, Interviews führen wie heute, ich habe viel natürlich mit der Presse, die dann vorbeikommen, die Ausstellungen anschauen, Transporte muss man auch organisieren, dass die Kunstwerke zu uns kommen oder beziehungsweise, wenn sie verkauft worden sind, dass sie in die jeweiligen Länder transportiert werden müssen. Ist nicht immer ganz einfach, wenn man sich nach Asien was verschiffen muss oder nach Übersee. Ja, natürlich, aber man hat auch ganz, sagen wir mal so, wie in jedem Unternehmen, die Vorsteuer, die Belege sortieren, gruppieren, da habe ich Gott sei Dank meine kleinen Praktikanten, die mir dann helfen.

 

Man muss auch viel organisatorisches im Hintergrund machen, also sehr viel Administratives letztendlich auch und wir machen auch viele Kooperationen. Wir arbeiten ja mit dem Alsterhaus auch zusammen, mit Quito. Wir haben immer mal wieder auch Kooperations-Events, die wir vorbereiten müssen.

 

[Merlene]

Wie wählst du die Künstler aus?

 

[Stella Melbye-Konan]

Also als allererstes gucke ich mir das Werk an. Also das Kunstwerk und auch nicht nur eins, sondern ich gucke mir meistens mehrere an, so fünf bis zehn von einem Künstler und gucke, hat der eine Handschrift, spricht mich das an?

 

Also will ich da mehr wissen? Gibt es so was, was will das Kunstwerk mir sagen? Ich suche meine Künstler alle aus, die ich selber interessant finde.

 

Das ist nicht objektiv, das ist subjektiv. Ich habe ja vorhin gesagt, also schon seitdem ich fünf bin, gehe ich ins Museum, mein Studium, man sieht da sehr, sehr, sehr gute Kunst. Das heißt, man hat ein geschultes Auge und dann ist es, ich sage immer, ja, es ist teils Intention, aber natürlich auch irgendwie meine Kenntnis, mein Wissen über die Kunst, die mich letztendlich dann auch die Künstler auswählen lässt.

 

Und wir achten natürlich schon auch darauf, das war mir ganz wichtig, wir möchten ja Künstler in unserem Programm haben, die Potenzial haben. Wir haben ja viel auch junge oder noch jüngere Künstler auch mit im Programm, die auch sozusagen die Möglichkeit haben, sich mit uns weiterzuentwickeln. Und so hatten wir zum Beispiel einen Künstler, mit dem wir schon vor zwei Jahren auf der Biennale in Venedig sein durften.

 

Das ist eine unglaubliche Auszeichnung. Und ich glaube, ich habe die Statistik gesehen, also irgendwie 0,01 Prozent der Galerien weltweit haben dort einen Künstler auf der Biennale. Das war natürlich ein unheimliches Highlight, gerade auch, weil ich dann im Austausch mit den Kuratoren, die die Künstler haben, dass sie tatsächlich aufgrund unserer letzten Solo-Ausstellung mit ihm ihn ausgewählt haben.

 

Und das ist schön dann auch zu hören, dieses Feedback oder auch Yannick Arcart, den habe ich direkt von der Uni entdeckt über einen Kunstprofessor, der hat ihn mir vorgestellt. Ich war ganz beeindruckt von seinen Werken und wir haben angefangen, da lagen die Preise zwischen 2.000 und 8.000. Mittlerweile startet das so bei 10.000, 15.000 und geht bis 100.000. Der ist auch schon auf den großen Auktionen Verstärker gewesen, also bei Christie's, Philips, Bonhams, an den großen Top-4-Häusern und ist auch in große Sammlungen bereits gegangen, Richtung China, aber auch in Berlin eine große Sammlung.

 

Das ist dann schön zu sehen, wie dann auch, wenn man sozusagen junge Rohdiamanten findet und die dann mit in den Kunstkreise bringen kann und dann auch die Erfolge sehen kann, dass die plötzlich von einem komplett unbekannten Künstler zu einem sehr gefragten Künstler werden. Wir haben für viele unsere Künstler-Wartelisten. Meistens sind unsere Ausstellungen am ersten Tag ausverkauft und das ist, glaube ich, das höre ich immer wieder auch von anderen Galeristen, nicht selbstverständlich und das liegt aber daran, glaube ich, natürlich, wir haben sehr, sehr gute Künstler im Programm.

 

[Merlene]

Das heißt, du hast hier auf jeden Fall auch weibliche Künstlerinnen vertreten. Hinter uns ein ganz interessantes Werk. Kannst du was über die Künstlerin sagen?

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau, das ist Caroline Schwab. Das ist eine in Berlin lebende Künstlerin, die auch bei Ai Weiwei studiert hat, also einen sehr bekannten chinesischen Künstler.

 

Sie hat bereits verschiedene Museumsausstellungen gemacht, auch in Dänemark, in Deutschland, 1987 geboren, also ähnlicher Jahrgang wie ich, auch eine junge Künstlerin noch und sie arbeitet viel mit Skulptur und Installation, auch großen Außenskulpturen macht sie, auch eine ganz, ganz spannende Künstlerin, sehr minimalistische Werke, also entweder ganz einfache monochrome Kreise oder wie jetzt hinter uns ist Mobile, sehr reduzierte Werke, aber es geht bei ihr ganz viel um Innen und Außen, das ist auch der Titel der jetzigen Aufstellung Inside-Outside, also was macht das Werk mit dem Betrachter und auch Innen und Draußen, also auch in der Natur.

 

[Merlene]

Ja, was für eine Rolle spielt eine Galerie in der Karriere eines Künstlers?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ich würde sagen, eine ganz zentrale, weil häufig können die Künstler was Richtung Marketing, Zahlen, administrativen ist den meisten nicht so in die Wiege gelegen, sondern kreative Köpfe brauchen Freiheit, die brauchen auch Zeit zum Produzieren und den ganzen quasi lästigen Teil, den wir mitmachen, das steht ihnen eigentlich eher im Weg, aber wenn man schaut, auch so Top-Künstler haben alle eine Galerie-Repräsentanz, also von Gerhard Richter bis Damien Hurst, die sind alle bei Galerien vertreten, weil letztendlich braucht es auch ein geregeltes System dahinter.

 

[Merlene]

Ist es so wie eine Agentur oder so, dass man immer eine Galerie hat, die einen vertritt oder kann man auch von mehreren Galerien vertreten werden?

 

[Stella Melbye-Konan]

Das kommt ein bisschen drauf an, vom Stadium der Galerie, des Künstlers, wir haben viele tatsächlich bei uns auch exklusiv, auch gerade die jüngeren Künstler, weil das ist letztendlich, man managt ja auch die Karriere eines Künstlers mit und das kann man ganz gut, wenn man im Dialog ist, wenn da zu viele mitmischen, das ist manchmal eher hinderlich.

 

[Merlene]

Du sagtest, dass du in Paris auch einige Mentorinnen hattest, wie haben die dich geprägt? Du sagtest schon in Richtung Familie, wie sieht dein Alltag in der Hinsicht heute aus?

 

[Stella Melbye-Konan]

Einmal haben die mich natürlich beruflich geprägt, die Mentorinnen einfach zu sehen, dass auf so Spitzenposten weibliche Führungskräfte sitzen und natürlich auch, die waren alle sehr bescheiden, sehr ruhig, obwohl sie auf so Top-Level gearbeitet haben und das hat mich immer sehr beeindruckt. Das mache ich heute bei meinem Team auch, so ist es ganz wichtig, dass man, man lernt auch davon, das ist ein toller Dialog, wenn man nicht nur einfach Aufgaben verteilt, sondern auch eine gewisse Verantwortung, also ich hatte in meinen Positionen auch schnell immer relativ viel Verantwortung, was ja auch dafür spricht, dieses Vertrauen, der ich quasi derjenige dann auch mir gibt und das ist auch eine Wertschätzung und das mache ich mit meinem Team auch, also die haben letztendlich immer einen Vertrauensvorschuss und machen aber auch alle einen ganz, ganz tollen Job und ich glaube, es gibt anderes, ich habe auch anderes manchmal erlebt, natürlich, wenn es sehr von oben herab ist und sehr hierarchisch, dann macht die Arbeit auch nicht mehr ganz so viel Spaß. Ja und das ist aber natürlich, haben wir auch die Rolle, wir haben auch eine gewisse Mentoren, also nicht nur die weiblichen, auch natürlich die männlichen, es ist wirklich auch bei den jungen Künstlern ganz wichtig, die auch einzuführen, die lernen wenig über den Kunstmarkt, die brauchen auch ein Feedback, also ich sehe das ja auch, wie sich die einzelnen Künstler auch künstlerisch mit uns weiterentwickeln und das fehlt ganz vielen Künstlern ohne Galerie, die kommen dann von der Uni und sind dann letztendlich auf sich selber gestellt, aber dieses Feedback, das wir denen auch geben und das sieht man auch, also auch jetzt hier bei Nagold zum Beispiel, wie der sich in den letzten vier Jahren künstlerisch weiterentwickelt hat und wirklich jetzt auch seine eigene ganz tolle Handschrift gefunden hat und das brauchen die Künstler letztendlich auch so ein Feedback und der fällt natürlich weg, wenn sie nicht mehr in der Uni sind, nur noch für sich selber quasi produzieren, das ist ganz wichtig, also neben diesen ganzen administrativen Kram, den wir quasi für sie auch machen und auch durch das Netzwerk, wir haben natürlich ein Netzwerk auch zu den verschiedenen Sammlungen, zu den Sammlern, das ist natürlich auch eine ganz wichtige Funktion.

 

[Merlene]

Ich finde die Perspektive, um ehrlich zu sein, ganz schön zu hören, dass dieses Kunststudium doch relevant ist, weil ich finde, das hört man häufig auch gegenteilig, beziehungsweise wie heißt der Besitzer der Königgalerie? Johann König?

 

Es gibt glaube ich auch einen Comedian, der so heißt, deswegen bin ich da immer ein bisschen vorsichtig. Der war auf jeden Fall mal in einem Podcast und hat gesagt, dass eigentlich das Kunsthandwerk gar nicht mehr so wichtig ist, sondern hauptsächlich Marketing.

 

[Stella Melbye-Konan]

Das ist auch eine große Komponente, aber ich finde, nur Marketing reicht nicht, also man muss auch in der Lage sein, sehr, sehr gute Werke zu produzieren, also auch eine eigene Handschrift zu haben, weil man sieht das ja bei manchen Künstlern auch gerade so auf Instagram, die dann wirklich nur Marketing machen, dann ist halt die Frage, wie lange kann sich sowas am Markt dann auch halten? Man braucht schon nicht schon auch eine gewisse Tiefe und auch die Künstler brauchen auch das Wissen auch und die praktische, das praktische Handwerk. Ich denke mal, das ist letztendlich ein Beruf.

 

Also ich habe ja immer wieder mit Hobbykünstlern auch zu tun und ich sehe das, ich muss gar nicht auf den Lebenslauf gucken. Ich sehe das, wenn ich was zugeschickt bekomme, muss ich mir noch nicht mal den Lebenslauf angucken von einem Künstlern, kann dir dann schon sagen, das ist jemand, der hat das nicht studiert und der macht das hobbymäßig.

 

[Merlene]

Interessant, ich finde es immer schön zu wissen, so Berufe können zwar sehr unterschiedlich aussehen, aber irgendwie hat doch alles so eine 9-to-5-Komponente, weißt du?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, eine gewisse Professionalität. Ich denke auch immer so, ja, man sollte halt auch bei dem bleiben, in dem man gut ist. Wenn ich jetzt eine erfrorene Ärztin bin, dann muss ich vielleicht nicht nebenbei noch Künstlerin sein.

 

Das ist kein Nebenbeiberuf, weil Künstlerin, das ist man ja mit Leib und Seele, das ist ja, das macht, also ich glaube, Künstler transportieren ja eine sehr, sehr hohe Emotionalität auch in ihren Werken, sehr hohe Kreativität. Die leben ja für ihre Choren, das machen die mal nicht nur, weil ihnen langweilig ist oder weil sie was Schönes kreieren wollen, mal ein schönes Bild oder zu entspannen, sondern das ist häufig auch eine Zerrissenheit, was sie eigentlich da abbilden wollen in ihren Werken.

 

[Merlene]

Du hast gesagt, du bist schon in Galerien gegangen, seitdem du fünf Jahre alt warst oder in Ausstellungen. Gibt es etwas, wenn man versucht, sich mit 18 an die Kunstwelt zu wenden und zu entdecken, wo man da anfängt? Hast du da einen Tipp?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ins Museum gehen, in Ausstellungen gehen. Ich habe das ja vorhin schon angesprochen, man muss halt ja nicht auf seinen Augenschuh wenden. Also möglichst viel live.

 

Es macht einen Unterschied, ob man sich das online anguckt oder ein Werk vor einem Kunstwerk steht. Also in viele Ausstellungen gehen, viel reisen und dort auch in Ausstellungen gehen. Ich sage auch immer, Kunstgeschichte ist eigentlich kein Beruf, sondern eine Berufung.

 

Also wer Kunstgeschichte studiert, der macht das nicht so, ich weiß nicht, was ich machen soll und dann studiere ich mal Kunstgeschichte. Da muss schon eine ganz hohe Affinität zur Kunst, zur Kunstwelt, um sich quasi da zu verschreiben auch.

 

[Merlene]

Interessant, aber auch schön zu hören. Ich weiß, dass du zwei kleine Kinder hast. Wie schaffst du das mit deinem Alltag als Galeriedirektorin?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, das ist schon eine Herausforderung. Manchmal hat man das Gefühl, man macht Dauersport. Man muss sich sehr gut organisieren, man muss sich auch Hilfe holen.

 

Wenn man quasi Working Mom ist, muss man nicht denken, ich muss alles schaffen und alles alleine machen, sondern man muss dann schon auch Aufgaben verteilen können. Ein Teil übernimmt mein kleines Team, ein Teil, wir haben Nachmittagsbetreuung, die Kinder werden dreimal von der Kita abgeholt. Das entlastet mich, also muss ich auch solche kleine Entlastungspunkte quasi kreieren.

 

Man muss sehr gut organisiert sein, weil letztendlich beginnt mein Tag ja um 7, 8, mit den Kindern fertig machen, in die Kita abgeben, dann in die Galerie gehen, entweder ich hole sie manchmal nachmittags ab von der Kita oder dann abends, wenn ich nach Hause komme, Essen kochen, zu Bett bringen, also das ist der Tag schon sehr, sehr lang.

 

[Merlene]

Wenn man angestellt ist, hat man ja danach Elternzeit. Wie hast du das gemacht?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, das ging bei mir gar nicht, weil ich hätte natürlich rein theoretisch Elternzeit beantragen können, also das darf man natürlich auch als Selbstständiger, aber das ist in meinem Beruf, die Sammler möchten ja jetzt schon gerne mit mir sprechen. Das wäre gar nicht gegangen, also ich habe tatsächlich meine erste E-Mail einen Tag nach der Geburt geschickt. Ich glaube, ich habe zwei Wochen später die nächste Ausstellung, also beim zweiten Kind eröffnet und auch bei Charlie habe ich auch schnell wieder angefangen zu arbeiten, aber dadurch, dass es halt kein 9-to-5-Job ist, konnte auch am Anfang viel von zu Hause machen.

 

Wir haben ja auch sehr kurze Wege, Gott sei Dank, alles in einer Straße, Kita, Wohnung und Galerie. Das erste Jahr, als jetzt Louis so klein war, wo ja auch die Galerie schon einen ganz anderen Drive hatte, als wir die Galerie gegründet haben, da war mein erster Sechs Monate alt und der ist da quasi ja auch mit reingewachsen, obwohl sie dann ja auch schnell Fahrt aufgenommen hat. Also ich hätte gedacht, wir gucken mal, wie das läuft, das ist bestimmt gut vereinbar mit einem kleinen Kind, aber Charlie wurde immer größer und immer lebendiger und die Galerie ist ja auch im Grunde dann sehr schnell gewachsen und da hat man schon gemerkt, das war am Anfang beim ersten Kind schon auch mal eine andere Herausforderung.

 

Beim zweiten Kind konnte ich das schon viel besser annehmen mit Hilfe und regelmäßig Babysittern und nicht mehr das Gefühl, ich muss alles alleine machen beim ersten Kind. Ich habe manchmal wirklich morgens sozusagen von 6-8 gearbeitet, dann hatten die auch irgendwann mal keine Kita mehr wegen Corona, dann immer abends noch von 9 bis Mitternacht oder so, das zehrt ganz schön am Körper und da habe ich jetzt auch irgendwann gesagt, so, jetzt ist Stopp, also man muss auch auf sich selber hören, es bringt auch gar nichts immer am Limit zu fahren, weil dadurch wird man, sagen wir mal, man hat manchmal Flüchtigkeitsfehler, man ist weniger konzentriert und jetzt mache ich das ganz gut geplant.

 

Ich habe zum Beispiel auch in meinem Kalender, trage ich ein, wann ich laufen gehe, ich versuche einmal die Woche schwimmen zu gehen, also auch bewusste Auszeiten für mich zu nehmen, das ist ganz wichtig, weil sonst ist man als Working Mom ganz schnell, glaube ich, am Burnout, weil man hat ja im Grunde durch die Kinder und auch durch das Business, wo man ja auch 24 Stunden hat man keine Auszeiten und auch wenn wir im Urlaub fahren, ist man ja trotzdem auch, sowohl mit den Kindern als auch mit der Galerie, ich check ja trotzdem meine Mails, man kann nicht einfach mal komplett abschalten und daher habe ich mir so kleine Momente im Alltag gegönnt, Vormittage, wo ich dann mal ein bisschen runterfahre und mich auch um mich kümmere.

 

[Merlene]

Was für eine Rolle spielt auch dein Mann jetzt in der Rolle als Eltern?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, mein Mann hat ja auch seine eigene Firma, wir sind beide selbstständig, das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, wir sind flexibel, wenn die Kinder mal krank sind, dann gucken wir in den Terminkalender, okay, wer hat jetzt, wann dein Meeting, was kann man verschieben, was ist, wer kann sich um die Kinder kümmern, da hat man natürlich eine gewisse Flexibilität, als wenn man jetzt angestellt ist und dann mit dem Kind zu Hause bleiben muss. Aber es ist natürlich auch, wir versuchen das schon auch aufzuteilen, also jeder kümmert sich schon sehr gleichberechtigt letztendlich um die Kinder.

 

Ich habe halt durch die Kinder letztendlich auch gemerkt, time is money, also meine Zeit ist kostbar und bin dadurch viel fokussierter. Also man könnte ja sagen, oh Mensch, die Kinder, das ist ein Nachteil, hast weniger Zeit, kannst dich weniger darauf konzentrieren, aber das stimmt nicht. Also durch die Kinder wird man dazu angetrieben, motiviert, sehr, sehr fokussiert, sehr produktiv, weil man weiß, man hat manchmal noch ein sehr klares Zeitfenster und letztendlich, man sortiert dann auch schnell aus.

 

Also was ist wirklich wichtig für mein Business? Vieles, was ich vielleicht ohne Kinder dann doch gemacht hätte, kann man nicht machen, das ist auch gut, weil man muss sich auch irgendwo abgrenzen. Das ist aber ganz wichtig bei allen Businessen, weil sonst verplempert man sich.

 

Also wir hatten ja auch ein Business quasi bevor die Kinder da waren, und man hat viel mehr mit gemacht, auch auf Reisen, auf Konferenzen und ich fand, man ist dann nicht mehr ganz so selektiv in seiner Zeit und das hat aber einen Vorteil, wenn man mit seiner Zeit selektiv ist. Die Vorteile von Kindern. Ja, ich bin ja auch in Austausch, ganz toll, mit anderen Müttern, die auch auf Führungspositionen sind und die auch Kinder haben.

 

Teilweise, ich habe eine, das ist Präsidentin von der HSBA, wir haben teilweise unsere Ideen, wir haben so eine Impact-Konferenz hier gemacht in der Galerie, auf dem Spielplatz diskutiert, die Kinder haben gespielt und wir haben effizient die Zeit genutzt für die Planung dieser Konferenz. Also man wird dann auch ein bisschen flexibler.

 

[Merlene]

Das ist Sarah Jastram? Bei der habe ich ja eine Masterarbeit geschrieben.

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau. Beim Schlafen konnte man auch viele Telefonate führen. Jetzt auf dem Spielplatz, wenn die ein bisschen größer sind. Aber ich versuche dann auch tatsächlich, wenn ich mit den Kindern zusammen bin, nicht zu arbeiten.

 

[Merlene]

Das ist, glaube ich, auch das schönste Geschenk, Aufmerksamkeit.

 

[Stella Melbye-Konan]

Genau. Die werden betreut, einen Teil der Zeit, aber dafür, wenn ich dann mit denen in der Kita bin, von der Kita abhole, am Wochenende, habe ich auch Zeit für sie.

 

[Merlene]

Das finde ich generell so eine Sache, also wenn man Zeit mit jemandem verbringt, dann komplett dort zu sein und so die hundertprozentige Aufmerksamkeit. Ich meine, jedes Business kämpft um unsere Aufmerksamkeit. Und das alles mal nicht mitzubringen, sondern seinen Fokus komplett dann mit einer Person oder mit seinen Kindern zu verbringen, das finde ich so wertvoll.

 

Und ich finde es auch schön, dass du nochmal gesagt hast, es hat auch eine positive Wechselwirkung, dass du jetzt Kinder hast, also dadurch auch lernst, bewusster mit deiner Zeit umzugehen. Ich bin manchmal überrascht bei diesen Gesprächen, die ich durch diesen Podcast habe, was ich selber noch gar nicht darüber weiß, was es bedeutet, Kinder zu haben und was es für Veränderungen bei Frauen auch auswirkt. Teilweise die Beziehung zur Arbeit, dass es ein Teil der Identität ist, das ist ja total wichtig.

 

Und ich finde, das rückt häufig in den Hintergrund, wenn man über Mütter spricht. Entweder du bist das eine oder das andere, aber dass man sich durch beides in seiner Persönlichkeit wiederfindet und seine Identifikation im Leben findet, das finde ich schön, dass ich hier durch diese Gespräche rausfinde. Wie war das eigentlich?

 

Du hast vorhin gesagt, du warst zwei Wochen nachdem dein zweites Kind geboren ist, wieder hier und hast die Ausstellung eröffnet. Ging das für dich? Rein körperlich, von der Erholung?

 

Oder warst du schon sehr anstrengend für dich?

 

[Stella Melbye-Konan]

Es ging tatsächlich. Ich habe das dann am nächsten Tag gemerkt, es war schon ein bisschen anstrengend. Es war gut, dass ich danach wieder Ruhe hatte.

 

Aber ich konnte das auch bei meinem ersten Kind relativ schnell. Ich habe Gott sei Dank zwei unkomplizierte Schwangerschaften gehabt. Ich habe auch mit beiden Kindern immer so weit gearbeitet, bis das Kind kam.

 

Klar muss man dann ein bisschen mehr Pausen machen. Man fährt dann zum Ende der Schwangerschaft schon auch runter ein bisschen. Am Anfang, die ersten Wochen, habe ich mir bei beiden Kindern Zeit genommen.

 

Aber mir fehlte das dann auch tatsächlich. Ich fand es schön, bei der Eröffnung einen ganz anderen Spirit zu haben. Das ging eigentlich.

 

Es ist auch in Ordnung, wenn man sagt, ich möchte mit den Kindern erst mal zu Hause bleiben.

 

[Merlene]

Abschließend möchte ich dir nochmal die Frage stellen. Wenn du zurückblickst auf dein 18-jähriges Ich, gibt es etwas, was du der 18-jährigen Stella mit auf den Weg geben würdest?

 

[Stella Melbye-Konan]

Definitiv. Das Thema Zeit ist kostbar. Ich glaube, ich hätte viel früher gegründet, mich viel früher selbstständig gemacht.

 

Das ist natürlich auch eine Erfahrung, die ich sammeln durfte. Also etwas produktiver mit der Zeit umgehen? Ja.

 

[Merlene]

Noch ein Tipp?

 

[Stella Melbye-Konan]

Wenn ich mir heute Fotos angucke, ist man super schlank und eigentlich perfekt. Aber man hat selber so viele Zweifel an sich selber, so viele Unsicherheiten.

 

Also mehr Gelassenheit mit sich selber. Das würde ich meinen 18-jährigen Ich vielleicht wünschen. Das ist etwas, was man mit 30, 35 irgendwann wird man da viel gelassener.

 

[Merlene]

Das heißt, sei nicht so streng mit dir und deiner äußeren Erscheinung.

 

[Stella Melbye-Konan]

Ja, und auch diese Unsicherheit natürlich, die man am Anfang hat. Man fragt sich ja immer. Man will sich auch viel mehr gefallen.

 

Man ist viel unsicherer, wie gesagt. Und man kriegt das auch schön durch das Leben, durch seine eigenen Erfahrungen. Da wird man irgendwann viel gelassener mit einigen Themen.

 

[Merlene]

Gibt es einen Tipp gegen die Unsicherheit, den du geben würdest? Oder sagst du einfach, das wird mit der Zeit?

 

[Stella Melbye-Konan]

Ich glaube heutzutage haben die Jugendlichen schon eine viel bessere Körpereinstellung. Überhaupt durch die sozialen Medien, vielleicht noch schlimmer durch die sozialen Medien, aber eigentlich gibt es ja dieses Body Positivity, also dass alle Körperformen okay sind. Ich meine, ich bin in dieser Generation Size Zero aufgewachsen.

 

Ich glaube, da gibt es schon auch heute andere Vorbilder, aber vielleicht ist es auch durch Instagram noch schlimmer geworden, eigentlich dieses Vergleichen, mit etwas wetteifern zu wollen. In dieser heutigen Generation werden einem ja auch viele Fake-Bilder durch Social Media beigebracht. Ich glaube, man muss immer bei sich bleiben und man muss das auch trennen können.

 

Was ich zum Beispiel auch gelernt habe durch Afrika, da bin ich auch sehr viel gewesen. Die Leute haben manchmal gar nichts und sind trotzdem so glücklich. Und wir leben hier in so einer Wohlstandsgesellschaft und beklagen uns trotzdem und sind unglücklich oder werden depressiv.

 

Und wir haben hier eigentlich de facto keinen Mangel. Wir haben Sicherheit. Wir haben Essen.

 

Also uns geht es sehr, sehr gut. Und dieses Bewusstsein ist ja schön, dass es das hier nicht mehr gibt, weil wir halt in so einer Wohlstandsgesellschaft leben. Aber eigentlich muss man sich das immer vergegenwärtigen, dass es nicht normal ist, sondern dass es auch anders sein kann.

 

Wir sehen das in der Ukraine. Den Krieg, man kann von heute auf morgen alles verlieren. Und ich glaube, dadurch wird man dankbarer für das, was man hat.

 

[Merlene]

Wow. Wir haben heute über so viel gesprochen. Ganz, ganz herzlichen Dank für deinen Einblick in die Welt der Kunst und in deinen Einblick des Alltags der Galeristin.

 

[Stella Melbye-Konan]

Vielen Dank für das Gespräch.

 

[Transkript Ende]


Eine Karriere in der Kunstwelt - Learnings von Stella


Stella Melbye‑Konan zeigt, wie nachhaltige Karrieren in der Kunstwelt entstehen: durch Fachlichkeit, internationale Perspektiven und unternehmerische Klarheit. Erfolg bedeutet dabei nicht Perfektion, sondern bewusste Entscheidungen über Zeit, Verantwortung und Haltung.


Hör hier die ganze Folge mit Stella.



 
 
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