Resilienz-Trainerin und Geschäftsführerin von Statics Mind: Kirsten Wilhelm im Podcast-Gespräch
- leadHER

- vor 6 Stunden
- 44 Min. Lesezeit
Kirsten Wilhelm ist Resilienztrainerin, Therapeutin und Geschäftsführerin von Statics Mind – einem HealthTech‑Unternehmen, das mentale Gesundheit durch digitale Angebote zugänglicher machen möchte. Ihr beruflicher Weg ist geprägt von Brüchen, Neuorientierung und persönlicher Entwicklung: vom Modedesign über therapeutische Arbeit bis hin zum Aufbau eines Unternehmens an der Schnittstelle von Prävention, Coaching und Technologie.
In der Podcast‑Folge spricht Kirsten über mentale Belastungen im Alltag, familiäre Erwartungen und den Umgang mit Situationen, die emotional herausfordernd sind. Im Mittelpunkt stehen Selbstführung, Resilienz und die Frage, wie Menschen lernen können, sich innerlich zu stabilisieren – insbesondere dann, wenn äußere Umstände nicht veränderbar sind. Das Gespräch verbindet persönliche Erfahrungen mit professioneller Perspektive und zeigt, wie mentale Stärke nicht durch Vermeidung, sondern durch bewusste Auseinandersetzung entsteht.
Disclaimer: Dieses Transkript wurde mit KI erstellt. Es können Abweichungen zum Original-Audio vorkommen.

Hör jetzt das ganze Gespräch mit Kirsten.
Kirsten Wilhelm: Das Gespräch über Resilienz, Selbstführung und mentale Stärke
[Merlene]
Hi, ich bin Merlene und ich treffe mich jede Woche mit Frauen in Führungspositionen, um mit ihnen über ihren Karriereweg zu sprechen. Ziel ist es dabei, auch wenn wir heute noch nicht 50-50 auf Führungsebenen haben, den nächsten Generationen eine Vielfalt an Vorbildern zu bieten. Mein heutiger Gast ist Kirsten Wilhelm, Resilienztrainerin, Therapeutin und Geschäftsführerin von Statics Mind, einem HealthTech-Startup, das es sich seit diesem Jahr zur Aufgabe macht, Coachings zur mentalen Gesundheit für jeden zugänglich zu machen.
Herzlich willkommen, Kirsten. Ich freue mich sehr, dass du heute bei uns bist.
Und ich habe dich auch aus einem ganz spezifischen Grund Anfang Dezember in den Podcast eingeladen. Und zwar steht ja jetzt die Weihnachtszeit an. Und damit auch ganz, ganz viele Familienbesuche.
Und häufiger, aus meiner persönlichen Erfahrung kenne ich das, ist es manchmal gerade zur Weihnachtszeit etwas herausfordernd. Ja, genau. Das ist ein gutes Wort.
Herausfordernd, wenn so ganz viele unterschiedliche Familienmitglieder aufeinandertreffen mit so vielen unterschiedlichen Meinungen und Werten und auch Fragen. Und du bist ja Resilienz-Coachin. Deswegen dachte ich, du bist die perfekte Gesprächspartnerin, um mir heute meine Fragen zu beantworten.
Wie gehe ich damit um, wenn mich Familienmitglieder unangenehme Fragen stellen? Und damit meine ich spezifisch Fragen zu meiner persönlichen Entwicklung, wie wann bekommst du endlich Kinder? Oder du müsstest auch bald mal einen Freund haben.
Kannst du mir da einen Tipp geben?
[Kirsten Wilhelm]
Ja, ich glaube, vom Grundsätzlichen her würde ich ganz gerne ein bisschen ausholen, dass ja solche Themen meistens ja nicht erst heute kommen, dieses Weihnachtsfest, sondern das ist ja so aus einer Geschichte heraus. Du kommst in eine Familie rein, wo gewisse Werte gelernt worden sind, wo vielleicht jetzt die Großmutter noch dabei ist. Also hast auch viele Generationen, die da aufeinandertreffen.
Und bevor ich dir gerne so sagen möchte, wie gehe ich damit um, will ich gerne kurz darauf kommen, wo kommt das eigentlich her? Und ich finde auch da, wenn man das mal so für sich versteht, kann man auch sogar besser dann damit umgehen. Und zwar sich bewusst zu machen, diese Fragen, die da gestellt werden, sind ganz häufig nicht, um dich persönlich unter Druck zu setzen, weil man jetzt denkt so und jetzt ab die Post, sondern weil das im Endeffekt aus der Geschichte herauskommt, von zum Beispiel der Oma oder der Mama, von den Generationen, dass das wichtig war für die, Kinder zu kriegen.
Gerade jetzt in der Rolle der Frau hat sich so viel verändert in den letzten Jahren, dass unsere Werte sind gar nicht mehr das, was es vor 20 Jahren war. Ja, also selbst ich bin jetzt Mitte 40. Ich merke auch, meine Töchter sind 12 und 18.
Meine eine Tochter meinte schon, ich weiß gar nicht, welchen Mann ich eigentlich haben will, mit dem ich ein Kind großziehe. Ich so, ist auch eine spannende Alternative. Also sich mal so klar zu werden, dass man in ganz anderen Systemen groß wird.
Aber deine Oma zum Beispiel kennt nur das. Die kennt nichts anderes. Und es ist nicht leicht, häufig auch für ältere Generationen, sich in das Neue hineinzuversetzen.
Und das heißt, man fragt die Fragen, wo man sich selbst wohl fühlt. Also das jetzt mal als erstes, was man so, was man von sich kennt, was in seinem Wert, dass das bedeutet. Ja, nichtsdestotrotz macht es einem Druck.
Ja, man findet es auch ehrlich gesagt oft übergriffig. Und ich finde auch grundsätzlich ist es auch ein Thema, wo man vielleicht auch für sich entscheiden darf, es geht den Menschen vielleicht in dem Moment nichts an. Ja, aber es kann ja auch verletzen.
Es gibt auch Menschen, die können keine Kinder kriegen, versuchen das vielleicht auch sehr, sehr lange. Und das kann auch sehr wehtun. Und daher sage ich immer, ist das aller, aller wichtigste tatsächlich, wenn solche Fragen kommen, auch ganz klar zu kommunizieren.
Ich finde das nicht gut, dass du mir diese Frage stellst. Das macht was mit mir. Und ich stelle ja jetzt auch nicht eine Gegenfrage, wie zum Beispiel, warum läuft deine Erziehung schlecht?
Das wäre jetzt natürlich sehr provokativ. Da wäre das Familienfest vielleicht hier und da nicht mehr ganz so harmonisch. Aber sich mal bewusst zu machen, dem anderen auch mal gegenüberstellen, ihm klarzumachen, was machst du denn hier gerade mit mir?
Ja, man kann auch einfach sagen, Oma, wie würdest du dich denn fühlen in meiner Situation? Wenn ich dir so eine Frage stellen würde. Also ich fühle mich unter Druck gesetzt.
Also wirklich mal aus sich heraus, das nicht einfach zu übergehen, sondern klar zu sagen, ich mag das nicht. Das ist ein guter Tipp.
[Merlene]
Ich glaube, bisher habe ich immer nicht den Mut gehabt, das zu sagen, auch weil es so eine große Hierarchiedynamik in der Familie gibt. Also gerade der Rest meiner Familie ist zum Beispiel eher auf dem Land groß geworden. Und da herrschen auch noch sehr traditionelle Rollenbilder.
Und ich merke dann bei Gesprächen halt oft, dass ich als junge Person und gerade als junge Frau eigentlich die Person bin, die am wenigsten Macht hat. Also ich weiß nicht, das klingt vielleicht komisch, aber so der auch am wenigsten Gehör geschenkt wird auf eine Art und Weise. Und ich habe irgendwie schon häufiger versucht, da irgendwie mit so einem Gegenwitz oder so drauf zu antworten.
Aber es wurde dann immer so weggelacht. Und ich finde es tatsächlich auch ein bisschen schwierig, diesen Mut zu finden, zu sagen, nee, ich möchte nicht, dass du mich das fragst. Aber das ist ein guter Einwand von dir, dass es eigentlich total wichtig ist, so etwas mal zu machen.
Es wird sonst nicht aufhören.
[Kirsten Wilhelm]
Ja, also der Punkt ist, wir kennen doch auch unsere Gewohnheiten. Wir stellen ja auch bestimmte Fragen an unsere Freunde oder weil wir denken, das ist normal oder das gehört sich so. Und ich kann mich nur verändern, wenn mir mein Gegenüber spiegelt, dass das Verhalten, das ich gerade mache, nicht korrekt ist.
Ich gebe dir vollkommen recht, gerade in Familien ist das absolut nicht leicht. Wenn man tatsächlich sagt, ich habe den Mut noch nicht, dann finde ich, sollte man so ein bisschen für sich vielleicht schauen, daran zu arbeiten, wie wichtig ist mir das in dem Moment. Also geht es jetzt rein um das Familienfest zum Beispiel, wenn du sagst, es ist das Familienfest an sich, und das muss ich jetzt überstehen.
Ansonsten beeinflusst mich das in meinem Gesamtleben nicht so sehr. Dann sind es eher so Themen, die zu überlegen, leicht, okay, wie kann ich mit ein bisschen Humor das Ganze sehen, dass ich mir denke, okay, die und die Rollen, die meine Familien spielen, ist ja auch irgendwie ganz spannend, mal einfach nur als Beobachter dabei zu sein, um sich mal so ein bisschen abzugrenzen, dass du dich dann zurückziehst, das alles mal für dich so ein bisschen beobachtest, auch atmest, sage ich jetzt mal, und auch immer dir wieder überlegst, das, was die da an sich machen, hat nichts gegen dich, hat nichts mit dir zu tun, dass du, sag ich mal, nicht richtig bist, sondern du bist nur anders. Und eher dann versuchst, an dir selbst zu arbeiten, zu sagen, es ist aber gut, wie ich bin, weil das sind Glaubenssätze.
Und dann kommen sehr oft auch in so Familienfesten so alte Glaubenssysteme. Als Frau muss man das tun, ich habe so und so zu sein, ich muss immer lieb sein, ich muss immer gefällig sein. Ja, das sind ja häufig auch gerade so Sätze, die vielen Mädchen auch beigebracht werden, in alten Systemen, wo man eben auch dann eigentlich schon gelernt bekommt, keinen Mut zu haben.
Und dann beobachte dich jetzt vielleicht mal bei Weihnachten, dass du dich einfach mal öfter hinsetzt und sagst, ich bin es aber wert, meine Meinung zu haben, es ist gut, wie ich bin. Und dir das einfach erst mal über das nächste Zeit einfach immer mal wieder sagst. Und schau mal, was das mit dir macht, du musst es doch gar nicht aussprechen.
Sondern wirklich mal in dir immer wieder hörst, wenn du was kommst, nein, das hat nichts mit mir zu tun, es ist gut, wie ich bin, weil ich bin einfach anders, ich bin neu, ich bin jung. Und ich darf das einfach auch für mich entscheiden, das ist mein Leben. Also für dich dieses Selbstbewusstsein, den Mut erst mal zu finden, das zu denken.
Ja, und dann beobachte einfach mal, vielleicht verändert sich sogar dein Verhalten dadurch. Ja, weil meistens wird man stiller, nicht mehr ganz so devot. Und auch das merkt dann das Gegenüber.
[Merlene]
Das ist ein guter Tipp. Das versuche ich mal, weil ich empfinde es tatsächlich immer so, meistens sind diese Besuche nicht ein Tag und nicht nur das Fest, sondern es sind dann mehrere Tage. Wenn wir dann 2, 3 Tage vielleicht da sind, dann merke ich halt am Tag 2 schon, dass mich das sehr stark beeinflusst.
Und ich wünschte mir eigentlich, und auch wenn ich mit meiner Mutter z.B. drüber spreche, die ist dann wieder in die andere Richtung. Wieso beeinflusst dich das überhaupt? Du bist doch gut, so wie du bist.
Und das sollte dich überhaupt nicht beeinflussen. Leider tut es das aber. Spätestens an Tag 2 merke ich dann so, irgendwie habe ich das Gefühl, ich verliere bei den ganzen Fragen so ein bisschen.
Es ist dann ja immer, du musst doch mal Kinder bekommen. Und dann denkst du, ich habe keine Kinder. Und das finde ich total schade, weil das ja auch mir so ein bisschen meinen Weg versperrt, mich unabhängig davon damit auseinanderzusetzen.
Ich weiß nicht, ob das klar ist.
[Kirsten Wilhelm]
Doch, aber ich glaube, was ganz wichtig ist, wenn du so viel mit einem machst, das bist ja nicht nur du, es gibt ja ganz, ganz viele Menschen, dann ist das häufig nicht nur von außen gesteuert, sondern dann bist du selber noch dabei, dich zu finden, ob es denn dein Thema ist. Und deswegen sagt man ja, triggert einen das. Und du suchst dir dann, das Gehirn ist so ein bisschen witzig manchmal.
Also wenn ich ein rotes Auto kaufen will, sehe ich doch nur rote Autos. Wenn ich gewisse Dinge für mich auch manchmal noch nicht weiß, ja, und noch nicht mehr so klar bin, finde ich genau diese Probleme in allen Fragen oder diese Herausforderungen, die ich gerade habe. Das triggert mich dann, das macht dann was mit mir.
Und ich glaube, um dann wirklich stabil hinzugehen und zu sagen, so und so ist es, musst du dir natürlich erst mal selber bewusst sein, was du willst. Ja, diese Frage sich selber zu stellen, will ich denn eigentlich überhaupt Familie? Will ich denn Kinder haben?
Ja, ich glaube, wenn du das für dich dann mal entschieden hast, ist es auch wieder ein anderer Kontext, damit umzugehen. Dann kannst du auch eher so reagieren, wie z.B. bei dir jetzt deine Mutter sagt, jetzt steh doch mal zu dir. Das wird noch nicht funktionieren, weil du vielleicht noch nicht auf dem Weg bist, das selber für dich entschieden zu haben.
Ja, also daher nimm es eher als, vielleicht sogar manchmal ein bisschen als Geschenk, zu wissen, okay, das sind vielleicht meine nächsten Themen, die ich mir einfach wirklich auch mal darüber Gedanken machen sollte. Was wünsche ich mir denn eigentlich für mein Leben? Und auch ganz wichtig, zieh dich da mal raus.
Ja, nimm dir mal eine Stunde, geh spazieren. Hol dir eine Pause. Manchmal hilft es auch, sich 10 Minuten auf die Toilette zu verziehen bei solchen Familienfesten und eine schöne Atemübung zu machen.
Es ist wirklich so, ja. Immer so dieses, in ganz stressigen Tagen, sagen ja viele, ich komme zu nichts. Wenn man es wirklich schafft, in solchen Tagen so 3 mal 10 Minuten irgendwo sich wegzusperren und wirklich bewusst zu atmen, glaubt man gar nicht, wie der Kreis, also wirklich auch der Blutdruck sich senkt und man insgesamt wieder mehr zu sich kommt, so kann man die Tage auch viel, viel besser, wirklich viel besser überstehen.
Ich spreche da aus Erfahrung. Nicht bei Familienfesten, aber bei so großen Konferenzen oder so habe ich das tatsächlich manchmal, dass mich das alles dann so überfordert. Dann gehe ich kurz raus und merke, wie gut das tut.
[Merlene]
Genau, und du sagst was ganz Wichtiges. Und zwar habe ich das Gefühl, ich bin jetzt gerade in so einem Alter, ich habe jetzt mein Masterstudium fertig gemacht und ich fange jetzt mein eigenes Unternehmen an, was aufregend ist. Aber ich weiß, in den nächsten 10 Jahren wird sich bei mir einiges entscheiden.
Sei es das Thema Kinder zum Beispiel oder auch Partnerschaft. Da habe ich meinen Weg noch nicht gefunden. Beziehungsweise ist alles noch so unsicher, irgendwo spannend, aber irgendwo nervt es auch.
Wenn ich dann zu meiner Familie fahre, habe ich das Gefühl, ich werde genau anhand nur dieser Kriterien irgendwo bewertet. Ich fühle mich aber ansonsten eigentlich, wenn ich hier bin, in meinem Leben ganz gut. Ich habe dieses Jahr mein Master zu Ende gemacht und darauf bin ich auch stolz.
Das freut mich auch total. Da wird es dann auch gesehen, im Sinne von herzlichen Glückwunsch. Aber dann ist es ganz schnell wieder weg.
[Kirsten Wilhelm]
Schade. Das ist die Wertung. In unterschiedlichen Generationen oder in unterschiedlichen Familien und in unterschiedlichen Kulturen haben Familie und Kinder einen ganz anderen Wert.
Und man selber aber, gerade im Alter, wenn man seinen Master oder Schulabschluss hat, ist das erst mal der Wert, ich habe es geschafft, ich habe es mir erarbeitet. Da ist man noch nicht in dem Bereich unbedingt. Wir sind halt mittlerweile älter, wenn wir die Schulabschlüsse gemacht haben, als noch vor zig Jahren.
Gerade wenn man sagt, man geht auch so weit mit seinem Schulabschluss. Auch da ist es ja nicht so, ich habe eine Lehre gemacht, ich bin Anfang 20, sondern du hast studiert und alles gemacht und bist ja eher Anfang 30. Das sind schon diese zehn Jahre, wo die anderen schon Kinder bekommen haben.
Das sehen die nicht. Auch das kann man immer sagen, guck mal, ich bin doch jetzt genau da, wo du warst mit 20. Wie war es denn da für dich?
Da hattest du ja auch noch keine Kinder. Es hat sich ja nur nach hinten verschoben. Also ruhig auch mal den anderen erklären, in welcher Lebenszeit, da musst du dich nicht verteidigen, sondern es ist einfach nur die Situation, wie sie ist und du stehst nur an einem anderen Punkt im Leben, als die Person, wenn sie sich mit 30 vergleicht.
Auch das hilft denen manchmal, weil man selber darüber nicht nachdenkt, wenn man dir diese Frage stellt. Einfach sagen, guck mal, ich bin jetzt da, wo du, Oma, deine Mama ist ja nicht so, aber kann ja jeder so sagen, bist wie vor zehn Jahren. Hast du da schon gleich sofort darüber nachgedacht, morgen schwanger zu werden?
[Merlene]
Ja.
[Kirsten Wilhelm]
Und ruhig mit einem Lächeln. Also meistens reagieren die Menschen ganz anders, als man denkt und erwartet. Weil auch gerade in Familien macht man einen häufig einen sehr, sehr großen Fehler.
Man denkt immer, man weiß, wie die anderen sind. Das macht man auch sehr, sehr gerne in Partnerschaften. Man weiß ganz genau, wie der andere denkt und ist dann sauer, hat es aber gar nicht kommuniziert.
Und der andere fragt sich, was hat die eigentlich für einen Knall? Oder umgekehrt eher. Und genauso ist es in Familien.
Dadurch, dass man sich jahrelang kennt, da groß wird, hat man oftmals das Gefühl, der kann ja nur so und so reagieren. Man reagiert nur immer gleich, weil man sich auch immer gleich verhält. Weil man es gar nicht anders ausprobiert.
Und diesen Mut, eben wie du gerade sagst, das Verhalten zu verändern, das haben sehr viele dann nicht. Aber daher bleibt es immer die gleiche Schleife. Es bleibt immer der gleiche Kreislauf.
Und das schaffst du nur zu verändern, wenn du dich veränderst. Nie die anderen. Es würden auch nie die anderen aufhören, Fragen zu stellen, wenn du nicht anders reagierst.
[Merlene]
Was hältst du von dieser Kurzlebigkeit der Fragen? Für mich klingt es halt häufig wie eine Ja-Nein-Frage. Für etwas, was eventuell eine ganze Konversation wert wäre.
Aber auf dieser Ebene ist man ja manchmal gar nicht mit seinen Verwandten. Deswegen fühlt es sich manchmal an wie eine Wertung. Also es ist dann eher so, hast du Kinder?
Ja, nein. Dann sagt man nein. Und dann habe ich das Gefühl, okay, Game over.
Aber die Konversation ist ja nicht, kannst du das vorstellen? Oder möchtest du welche? selbst das Thema, das hast du vorhin auch angesprochen, manche Leute können gar keine Kinder bekommen.
Und das ist ja dann auch irgendwie eine Wunde, die angekratzt wird. Was hältst du davon, dass diese Frage so kurz ist?
[Kirsten Wilhelm]
Grundsätzlich mag ich nie gerne Ja-Nein-Fragen, außer wenn man mich fragt, ob ich Hunger habe. Weil ich immer finde, dass alles ein bisschen mehr, man immer zu allem ein bisschen mehr sagen kann. Wenn man mich fragen würde, bei mir ist es häufig, warum bist du nicht wieder verheiratet?
Oder warum bist du nicht verheiratet? Oder weißt du, noch nicht mal warum, weil dann könnte ich ja ein bisschen länger darauf antworten, aber eben diese Ja-Nein-Geschichten. Wo ich immer denke, ich grenze mich da immer gerne mit Humor ab, bin ich ganz ehrlich.
Früher hat mich auch oft gefragt, hast du Kinder? Ich sehe hier keins rumlaufen. Du?
Einfach auch wirklich mal so ein bisschen das selbst nicht so ernst zu nehmen, sage ich auch. So verrückt es klingt, Resilienz hat viel damit zu tun, sich selbst auch manchmal nicht zu ernst zu nehmen. Nicht alles, was um einen rum, immer auf sich persönlich zu bewerten und vor allem negativ, sondern tatsächlich das Ganze mal so ein bisschen mit Humor anzureichern.
Nach dem Motto, hast du schon einen Freund? Auch noch ist keiner gut genug gewesen. Einfach mal wirklich versuchen, mit einem Lächeln und Humor mal solche Antworten zu geben.
Da kann der andere sich gar nicht angegriffen fühlen, aber du behältst dir dein Selbstbewusstsein. Wenn du da nur Nein sagst, kann ich das gut verstehen, dann fühlt sich das irgendwie wie Verlieren an. Wenn ich aber zum Beispiel sage, nö, noch war keiner gut genug oder irgendwie war noch nicht der Richtige dabei, mal gucken, vielleicht kommt er ja morgen.
Oder ich sehe hier noch nichts rumlaufen, aber mal schauen, vielleicht nächste Woche. Ja, also einfach mal das Ganze auf eine andere Ebene zu packen, hilft übrigens auch wahnsinnig gut.
[Merlene]
Okay, das ist ein guter Tipp. Zum Glück ist es eine Podcastaufnahme, ich muss keine Notizen machen, ich kann mir das alles nochmal anhören. Das Schöne ist auch, also in meiner Familie auf jeden Fall, es gibt sehr große Altersunterschiede.
Meine Oma ist mittlerweile 95 und früher hat mich das bei ihr auch sehr gestört, dass sie das immer gefragt hat und mittlerweile es nervt mich bei ihr zwar immer noch ein bisschen, aber ich habe ein stärkeres Verständnis jetzt auch dafür, wie sie aufgewachsen ist, was ich lange nicht hatte. Es kam dadurch, dass ich bin das letzte Enkelkind, das heißt, ich bin das jüngste Familienmitglied dieser Generation. Mittlerweile hat sie schon sehr viele Urenkel und ich habe meinen Opa als eine super positive Person kennenlernen dürfen, zwar auch nur noch relativ kurz, aber es war eine schöne Zeit immer.
Und vor kurzem hat meine Mama sie mal gefragt, war das denn eine schöne Zeit mit Opa, der schon länger verstorben ist? Und da meinte sie so, manchmal war er auch sehr streng mit ihr und erst da habe ich verstanden, dass ihre Realität eine ganz, ganz andere war als meine und dass sie gar nicht versteht, dass Frauen auch ohne Mann gut zurechtkommen können heutzutage, war es in ihrem Leben nie so.
[Kirsten Wilhelm]
Nein, sie durfte auch lange, lange, viele Jahre noch gar nicht wählen und musste ihren Mann fragen, ob sie arbeiten gehen darf. Das vergisst man immer, aber das ist ja noch nicht so lange, dass Frauen auch in Deutschland wählen dürfen und dass wir nicht Männer fragen müssen, ob wir arbeiten gehen dürfen. Das ist tatsächlich die Generation, deine Oma kennt das noch ganz klar, dass sie das hätte machen müssen.
Da war ganz klar die Rollenverteilung, Frau bleibt zu Hause, Mann geht arbeiten. Das hat sich dann schon mal in der nächsten Generation natürlich Gott sei Dank für uns, dass da viele gekämpft haben, sage ich jetzt mal in dem Kontext, ich glaube für beide Geschlechter, Gott sei Dank, verändert, aber das vergessen wir, weil wir natürlich alle mit unserem Leben gerade in der heutigen Zeit immer so beschäftigt sind, ist einem das Bewusstsein nicht da, dass jeder Mensch auf dieser Welt hat eine andere Wahrnehmung und diese Wahrnehmung, die lernst du über dein Leben, vor allem in den ersten zehn Jahren, wo du sehr geprägt wirst, vom Sozialen her, du lernst deine Werte, deinen Idealismus, auch deine Glaubenssätze, aber auch deine Vorurteile lernst du alle kennen. Du lernst deine Gefühle kennen, wenn man verliebt ist, vor was man Angst hat, das ist bei jedem anders und das ist uns selten bewusst, wenn wir durch die Straßen gehen.
Wie oft passiert es Menschen, die ins Büro gehen und sagen, der hat doch was gegen mich, der guckt so böse. Ich kenne keinen, der morgens aufsteht und jemanden absichtlich böse anguckt, weil er nicht mag. Aber man bezieht alles auf sich, weil wenn ich so gucken würde, dann wäre ich jetzt auf mich böse.
Ist aber nicht ich. Das meine ich manchmal mit, man sich selbst nicht zu ernst nehmen, nicht alles auf sich beziehen und immer bewusst sein, wenn da drüben einer eine Frage stellt und ich mache es vielleicht sogar negativ, dann frag doch lieber nach, ob es so gemeint ist. Das ist auch im Familienkontext ganz genau das Gleiche.
[Merlene]
Was ist eigentlich, wenn man die Wertung kennt, beziehungsweise die Meinung kennt und das jetzt nicht mehr interpretiert, sondern wirklich weiß, ich kriege die Anerkennung dieser Person zum Beispiel nicht, obwohl ich sie so gerne hätte. Und egal, ob das jetzt ist, alle meine Familienmitglieder sind Ärzte außer ich, hab BWL studiert oder bei mir war es zum Beispiel so, meine Oma wollte Lehrerin werden und durfte das nicht und alle ihre Enkelinnen, fast alle, haben halt studiert und ich hätte mir so gewünscht, dass sie das so sieht als Erfolg. Also nicht nur als Erfolg für uns, sondern auch als Erfolg für gewisse Art und Weise die Menschheit, aber auch, dass sie einen Stolz hat auf ihre Enkelin und das hat sie uns, also ihrer Familie hat sie das nie gegeben und ich finde das so schade und ich würde es mir so wünschen.
[Kirsten Wilhelm]
Ja, aber der Punkt ist, du kannst nie von anderen etwas verlangen, was sie vielleicht gar nicht geben können und den Stolz und ich sag jetzt mal den Wert, den kannst du nur dir alleine geben. Das ist leider manchmal die schlimmste Erkenntnis im Leben, sie ist nicht einfach, gebe ich auch zu, wird mir auch nicht immer leicht, aber wir können auch immer erst andere Menschen wirklich lieben, wenn wir uns selber lieben, das sollte uns auch immer bewusst sein, das andere ist nicht bedingungslos, sondern das ist dann Bedürfnisbefriedigung, nennt man das so schön in der Psychologie und du denkst auch wieder aus deiner Sichtweise, dass du das dann wärst, weißt du, von der Vorstellung her. Deine Oma ist ganz anders groß geworden, die haben das gar nicht gelernt auf sich groß unbedingt immer stolz zu sein, da hat man funktioniert. Das klingt hart, aber man hat funktioniert, das hat man nicht auf sich bezogen und wenn anders, es hatte auch zu funktionieren, das war ja auch viel härter häufig, auch gerade in der Kriegsgeneration noch so, dass dieses Stolz auf andere sein, Selbststolz auf sich sein, ist dort gar nicht gelernt, das können die zum Teil noch nicht mal fühlen, der ein oder andere, gar nicht pauschal, aber das kann halt sein und in dem Alter und ich will dir nicht deine Hoffnung nehmen, aber hat man nicht die Chance, das dann wirklich nochmal so umzuswitchen für sich, wenn sie einfach nur sag ich mal, dich als Mensch, nicht was du gemacht hast oder so, sondern dich als Enkelin lieb hat, gern hat, in den Arm nimmt und Zeit mit dir verbringt, sollte komplett, mehr brauchst du nicht verlangen und sollten, ist auch gar nicht von Nöten.
[Merlene]
Okay, das vielleicht auch nochmal als Disclaimer, auch wenn ich hier einige Sachen kritisiere, ich habe meine Familie sehr lieb, ich glaube, deswegen berührt es mich auch so, wäre es mir egal, dann würde es mich wahrscheinlich gar nicht weiter stören oder nicht so sehr auf jeden Fall. Das nur als Notiz, damit das nicht verloren geht. Dann würde ich jetzt zur zweiten Kategorie kommen, die daran anschließt.
Ich glaube viele Leute kennen das, dass man mal mit Leuten am Tisch sitzt, die ganz anderer Meinung sind als man selbst und es sind manchmal heikle Themen, gerade wenn es um Politik zum Beispiel geht und da ist Weihnachten, wenn die Familie kommt, ja auch so ein Melting Pot der unterschiedlichen Meinungen. Wie gehe ich damit um, wenn jemand am Tisch sitzt, der ein Statement macht, das meiner Meinung nach eigentlich ganz falsch ist?
[Kirsten Wilhelm]
Tja, da kommt es natürlich immer so ein bisschen auf die Familie drauf an, in welchem Kontext ich mich da auch bewege. Ich glaube auch da ist es wieder unheimlich wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass auch die Meinung anderer erstmal nichts mit mir zu tun hat, als Menschen und dass leider auch jeder gewillt und erlaubt ist, seine eigene Meinung zu haben. Das ist glaube ich auch etwas.
Das andere tatsächlich, sage ich immer für mich, in der Resilienz gibt es immer so ein ganz wunderbares Wort, das nennt sich Akzeptanz der Unveränderlichkeit. Das ist ganz schlimm, aber ist eigentlich mit die härteste Form für uns Menschen. Was bedeutet das, dass wenn etwas von außen wir nicht beeinflussen können?
Bei Meinung haben wir immer noch das Gefühl, aber wir gehen jetzt mal davon aus, das ist eine feste Meinung. Dann ist es so, wie auch Entscheidungen von vielleicht einem Chef oder Entscheidungen von der Politik oder was da draußen gerade sowieso alles passiert, ist es ja so, dass wir vieles überhaupt nicht verändern können. Und das heißt nicht, dass wir uns zurückziehen sollen und nicht unsere Meinung haben oder nichts tun, aber es gibt ja wirklich ein paar Dinge, wie wir können den Krieg jetzt nicht verändern in der Ukraine für uns.
Wir können da ja selber an sich als einzelne Person so jetzt nichts tun in meinem Alltag. Ich kann unterstützen, ich kann helfen, aber ich kann den Krieg nicht beenden. Heißt, ich muss lernen zu akzeptieren, dass Dinge so sind, wie ich es mir nicht vorstelle.
Das nennt sich Akzeptanz von Unveränderlichkeit. Warum sollte man das so lernen? Weil, wenn ich es nicht tue, und das ist auch bei so einer Meinung, kämpfe ich dagegen an.
Das heißt, ich erzeuge Druck und gehe dagegen an, was aber wiederum bedeutet, es kommt ein Gegendruck. Also Druck erzeugt Gegendruck. Bedeutet meistens dann Streit, Eskalation in diese Richtung.
Daher ist das so ein ganz, ganz heikles Thema in der Resilienz. Zu lernen, Dinge loszulassen tatsächlich und andere einfach auch so zu sein, wie sie sind, weil es nicht in meiner Macht steht, andere zu verändern, sondern immer nur mich selbst. Was man aber machen kann, finde ich immer wieder, um bei sich selbst zu bleiben, einfach auch zu spiegeln, du, das kann deine Meinung sein, das ist okay für dich.
Meine Meinung ist aber eine andere und dazu stehe ich. Ja, und das ist aber klar so sagen, ich bin ich, ich fühle so, ja, und das, was du bist, bist du, und das ist aber meine Meinung. Und wenn dann eben diese Diskussion kommt oder man sich überzeugen will, dass du einfach auch da wieder die Gegenfrage stellst, naja, entschuldige, aber du willst dich doch auch gerade nicht verändern.
Ich mich auch nicht. Also lassen wir es doch jetzt einfach mal stehen. Ja, also sich immer wieder da nicht dagegen angehen, sondern immer aufzeigen, wie der andere auch reagiert.
Ja, wenn du dich nicht veränderst und du deine Meinung nicht veränderst, warum sollte ich das tun?
[Merlene]
Okay. Du sagtest gerade, das hat nichts mit einem selbst zu tun, aber manchmal ist es ja so, dass die Aussagen einen vielleicht selbst mit einbegreifen. Also jetzt als Beispiel dieses, junge Leute sind gar nicht mehr bereit, hart zu arbeiten.
Davon gibt es interessanterweise historische Aufnahmen, wie das jede Generation wieder sagt. Trotzdem greift es mich an, wenn ich am Familientisch sitze und ich habe das Gefühl, es sind nicht mehr die Jüngsten, aber trotzdem noch eine junge Person und dann denke ich mir so, das stimmt doch gar nicht. Ich kann eigentlich jetzt auch genau das Gegenteil beweisen.
Oder was ich auch schade finde, ist, dass bei solchen Sachen diese Statements gar nicht differenziert betrachtet werden. Sondern es ist dann so, wir haben das früher so gemacht und heute wird es anders gemacht. Und gerade bei diesem Thema Arbeit haben wir auch mit dem demografischen Wandel und Fachkräftemangel zu tun.
Und da könnte man ja auch betrachten, ja okay, vielleicht stellen junge Leute andere Anforderungen als früher, aber guckt dir doch mal die Inflation an und die Gehälter und sind die proportional gestiegen? Und dann könnte man zum Beispiel sagen, nein, ist das jetzt gerecht zu sagen, junge Leute arbeiten gar nicht mehr so wie ich früher oder nicht? Also unabhängig davon, dass es eigentlich gar nichts mit der Leistung jetzt zu tun hat, aber die Wahrnehmung vielleicht.
[Kirsten Wilhelm]
Ja, ich glaube, wie du schon sagtest, das hat wirklich jede Generation. Jede Generation hat immer wieder mit der alten Generation und die alte mit der jungen Generation zu kämpfen. Und es ist total egal, in welchem Jahrhundert du dich da bewegst.
Du könntest auch jetzt den Leuten zum Beispiel sagen, wie waren die Hippies denn? Waren die denn so leistungsbereit? Ja, also auch da wieder Humor.
Ja, also manchmal, ich sag jetzt mal, ist es wirklich so, dass man diese Dinge häufig nicht so ernst nehmen kann oder sollte. Ich meine, das ist wirklich so. Ja, und auch du machst es dir am leichtesten für dich selbst, diese Dinge auch für dich nicht persönlich zu nehmen.
Das meine ich manchmal mit nicht ernst nehmen, weil du hast vollkommen recht. Also ich sag immer so, erstens sind wir heute in einer ganz anderen Zeit, in einer ganz anderen Situation und jeder Mensch ist komplett individuell. Und die Frage ist dann auch, was ist denn Arbeit?
Ich hab zum Beispiel Megaspaß den ganzen Tag über häufig, ja, weil ich meinen Job liebe. Würdest du jetzt die Stunden zählen, arbeite ich definitiv, wenn man das als Arbeit betrachtet, zu viel. Dadurch, dass ich das aber so liebe, bewerte ich es nicht als Arbeit.
Andere würden sagen, vielleicht hier und da, ich bin Workaholic. Ja, ist alles eine Sichtweise, eine Betrachtung. Und ich persönlich sag alles, was globalisieren, nennt man das immer sehr gerne, verallgemeinert, das heißt, die Menschen haben aufgegeben.
Sie wollen etwas auch so sehen, weil es leichter ist für sie so zu sehen. Es ist ja leichter zu sagen, ja die Jugend ist faul, deswegen sind wir jetzt hier so. An sich wirklich diese Gedanken zu machen, die du gerade gesagt hast, was hat sich alles verändert, wo stehen wir heute, in welcher wirtschaftlichen Lage sind wir, wie ist die grundsätzliche Situation, ja, was darf man jetzt auch vielleicht für Anforderungen stellen, vielleicht steckt auch ein bisschen Neid dahinter, kann ja sein.
das will man sich nicht, da will man sich dann nicht mit beschäftigen, die Person, die solche Aussagen trifft, also verallgemeinern wir. Ja, und deswegen, ich persönlich gehe auf so etwas überhaupt gar nicht ein und wenn ich darauf eingehe, dann versuche ich mir meistens so was Allgemeines für das Alter rauszusuchen. Naja, heute sind sie auch faul, die gehen ja alle mit Mitte 60 in Rente.
Oder in Frührente ja schon mit Mitte 50, ja, also kann man auch. Also einfach mal sich mal so, einfach mal mit dem Bewusstmachen Wortspiele, was ganz Wunderschönes. Die Schlagfertigkeit ist gefragt.
Ja, das ist wirklich, das lernt man mit der Zeit, gebe ich auch zu, das macht wirklich ein bisschen die Jahre manchmal, aber du könntest dich jetzt schon Gedanken machen, in diesem Familienfest, was man im nächsten so sagen könnte, hat auch wieder Vorteile. Das könnte eigentlich ein schönes Vorbereitungsspiel werden.
[Merlene]
Okay, eine Frage habe ich hier tatsächlich noch, und zwar gibt es manche Statements, die wirklich für mich einfach so problematisch sind, dass ich denke, okay, hier muss ich was sagen, wenn es jetzt zum Beispiel sehr rechts ist und ich mir denke, okay, das ist so ein Statement, kann ich jetzt hier nicht so stehen lassen, das stimmt einfach nicht. Und ich glaube, gerade in so Familienkreisen ist man dann auch schnell an so einem Ort, wo einfach so weggenickt wird, weil man ja keinen Streit anfangen möchte, aber das finde ich gerade bei solchen Statements halt super gefährlich. Wie gehe ich damit um?
Hast du da einen Tipp?
[Kirsten Wilhelm]
Da ist natürlich leider auch ein bisschen gefragt, in welcher Konstellation du zusammensitzt und ob du eine Chance hast, so gesehen, an dem Abend was für dich zu bewirken, sage ich immer so schön, aber ich finde auch, wenn es gerade in solche Richtungen geht oder auch, egal wie, dass es andere Leute oder Menschen diskriminiert werden in jeglicher Form und man hat den Mut und vor allem auch diese Ansicht, seine Meinung zu haben, sollte man sie aussprechen.
Und das Wichtige dabei ist, es geht nicht um Harmonie immer in jeder Familie und man sollte sich auch klar sein, ich weiß, wir wünschen uns das häufig, aber Familie ist nicht ausgesucht. Man kann sich Familie nicht aussuchen, Freunde kann man sich aussuchen, man kann sich aber von Familie auch trennen, bewusst trennen oder bewusst nicht deren Meinung unterstützen, weil man einfach deren Werte nicht teilt und umso größer und erwachsener man wird, sollte man sich auch diese Gedanken machen, ob gewisse Familienmitglieder für einen gesund sind. Ja, weil es ist nicht Pflicht mit einer Familie zusammen zu sein.
Wenn man erwachsen ist, hat man die Chance und die Wahl tatsächlich, das selber zu entscheiden. Ja, das geht erst, wenn man erwachsen ist, aber dann hat man das. Mit 18 kann ich entscheiden, ob ich meine Familie will und ich glaube, dieses Bewusstsein sollte man haben, um auch dann seine Meinung zu äußern und da kann ich dir jetzt nicht den Tipp geben, wie halte ich das harmonisch, das geht nicht, aber ich kann dir sagen, umso mehr du dir selber treu bleibst, umso gesünder bleibst du in deinem Leben und lernst auch dann dich durchzusetzen, weil, was mir immer so wichtig ist, ich komme ja aus der Stressprävention oder aus dem Resilienztraining oder habe ja die App geschrieben dazu, Resilienz ist nicht Pause machen, mal ja, aber Resilienz ist nicht dauerhaft Urlaub machen, Pause machen oder die Harmonie suchen, es ist sogar das Gegenteil. Ich lerne Resilienz nur, wenn ich in Herausforderungen gehe, ich lerne Resilienz nur, wenn ich mutig bin und wenn ich Dinge mache, die vielleicht sogar mal ungemütlich sind, weil nur wenn ich solche Dinge tue, komme ich da wieder aus einer Selbstwirksamkeit raus. Und wenn ich da rausgekommen bin, bin ich stolz auf mich, weißt du?
Also das ist so dieses, wenn ein Kind nicht, Entschuldige, auf die Schnauze fallen darf, wenn es groß wird und die Eltern immer drum herum gehen, die mit 17 noch in die Schule fahren, wie sollen diese Kinder jemals lernen, aus schlechten Situationen sich selber rauszuholen? Die kriegen kein Selbstbewusstsein, sondern die werden immer nur behütet und dann erwartet man von ihnen, wenn sie 18 sind, jetzt trifft doch deine eigenen Entscheidungen, wenn vorher vielleicht sogar der ein oder andere das Essen noch mitentschieden hat. Das funktioniert nicht.
Ja, und deswegen sei mutig mal deiner Familie auch mal was zu sagen, sei auch mal mutig ein bisschen in die Konfrontation zu gehen, nur daraus lernt man und wird auf Dauer irgendwann entspannter und tatsächlich auch resilienter.
[Merlene]
Hm. Okay. Könntest du uns vielleicht heute ein, zwei Tools mit an die Hand geben, die man so, du hast vorhin schon gesagt, man soll immer so durchatmen, aber gibt es irgendeine bestimmte Technik, die man anwenden kann, die einen sofort entspannt?
[Kirsten Wilhelm]
Also was ich liebe tatsächlich, das mache ich auch ganz, also ganz oft am Tag schaffe ich es nicht, aber ich mache es eigentlich mindestens alle zwei Tage, also, oder auch meistens vorm Einschlafen. Meine Lieblingsatmung ist die 7-Sekunden-Atmung, sage ich immer. Habe ich auch häufig manchmal bei Einsätzen mit Rettungskräften und so weiter trainiert.
Das ist sozusagen, du atmest 7 Sekunden ein und zählst auch bis 7. Also zählst innerlich im Kopf bis 7 und solange atmest du ein, hältst an und atmest genauso 7 Sekunden in einem Atemzug wieder aus. Das ist ein ganz langer Atemzug.
Tatsächlich muss man das manchmal ein bisschen trainieren, dass man das so an einem Stück kann. Das Schöne dabei ist tatsächlich, dass der Blutdruck sofort runter geht. Ja, man automatisch entspannter wird und durch das Zählen hört man auf zu denken.
Am Anfang denkt man noch, wenn man es noch nicht so gewohnt ist, aber wenn man das wirklich trainiert und öfter macht, kann man sich ganz schnell damit runterholen. Das geht wie gesagt auch mal auf der Toilette beim Familienfest. Ja, und das ist so eine Atmung, wo ich sage, da kommt man zu sich, man kriegt den Kopf frei, es ist super toll zum Einschlafen und wenn man das öfter macht, man sagt so 6 Wochen ungefähr braucht der Körper und auch die Psyche sich dran zu gewöhnen, dass der Kopf weiß, du kümmerst dich um dich.
Ja, und wenn du das immer wieder kontinuierlich machst, bist du tatsächlich automatisch im Alltag entspannter schon. Ja, weil nämlich der Kopf weiß, du kümmerst dich um dich, du machst es ja wieder. Das ist zum Beispiel eine der schönsten Übungen.
Können wir das jetzt einmal machen? Können wir gerne. Soll ich laut zählen oder willst du zählen?
Ich zähle und du atmest. Okay. Also wir starten.
1 2 3 4 5 6 7 1 2 3 4 5 6 7 1 2 3 4 5 6 7 1 2 3 4 5 6 7 1 2 3 4 5 6 7 1 2 3 4 5 6 7 Du merkst, das ist am Anfang anstrengend. Du kommst sofort in den Bauch dann, weißt du?
Und wenn du dann automatisch, mach das 7 Mal hintereinander, bist du in der Bauchatmung und...
[Merlene]
Perfekt. Ich freue mich sehr, dass dieser Podcast rund um Weihnachten rauskommt. Man merkt auf jeden Fall, du bist vom Fach.
Jetzt würde ich ganz gerne noch mal über dich und deinen Werdegang sprechen. Du bist Geschäftsführerin von Statics Mind, einer Resilienz App für Arbeitnehmerinnen, aber mittlerweile auch macht die auch B2C. Magst du einmal ein bisschen darüber erzählen, wie du da hingekommen bist?
Also es ist wahrscheinlich ein langer Weg mit vielen Kurven, aber das würde mich total interessieren.
Vom Modedesign zur therapeutischen Arbeit
[Kirsten Wilhelm]
Ja, also lustigerweise glaube ich, kann ich immer so ein bisschen erzählen, warum bin ich Resilienztrainerin geworden. Ich glaube, mein Leben tatsächlich hat mich auch ein bisschen dazu gemacht, weil es nicht nach einem ganz normalen Schema F gegangen ist. Kann ich schon so sagen.
Also ich wollte Psychologie studieren, hatte aber total Angst vor der Statistik. Ich war in Mathe nicht unbedingt das Ass. Und meine zweite Leidenschaft gemacht und habe Modedesign studiert und wurde sogar beste Jugenddesignerin Deutschlands mit 21.
Das wusste ich noch gar nicht. Das ist mein altes Leben. Hab dann für Marco Polo, René Lange, also unterschiedliche Konzerne auch gearbeitet und hab aber relativ schnell, also mit 24 auch festgestellt, boah nee, das ist mir zu oberflächlich, das ist nicht meine Welt.
Und dann bin ich so ein bisschen in der Ausbildung zur Gestaltherapeutin. Das kam ganz gut, war mit dem vorherigen Studium auch parallel. Hab auch schon, aber parallel immer gearbeitet.
Hatte einen kleinen Laden auch in München mit Brautmoden, wo ich selber Brautmoden dann erstellt hab in der Zeit. Und hab dann über eine Querausbildung psychologischen Berater bin ich in die Therapeutenausbildung gegangen, im Bereich Tiefenpsychologie. Und konnte dann in einem medizinischen Service Center anfangen, was vor allem spezialisiert war auf, ich sag jetzt mal, Coaching-Konzepte für Krankenkassen.
Und da hab ich dann als Coach angefangen, relativ schnell, aber das Glück gehabt, in eine Management-Position zu kommen und war dann im Endeffekt für die Entwicklung des Personals zuständig, die Menschen in Patientenkommunikation auszubilden und diese Coaching-Programme mitzuschreiben, zu entwickeln. Das war so Depressionen, Burnout, Angststörungen, also all solche Themen. Parallel hatten wir aber auch die Notfallnummer, die 16117 war das damals, NRW war das, und da hatten wir viel den Kontakt natürlich auch mit suizidalen Patienten, sag ich jetzt mal, die angerufen haben, keinen Klinikplatz bekommen haben oder einfach Angst hatten.
Und diese Anrufe hab ich viel übernommen und mir oft Gedanken gemacht, wie kann es dazu kommen, beziehungsweise kann man nicht schon was irgendwie davor machen. Und hab mich viel auf Stressprävention oder auch noch viele Zusatzausbildungen dann parallel gemacht, was nicht immer so ganz leicht war, weil ich ja auch zwei Kinder habe, die sind jetzt eben zwölf und 18. Und ja, das hat auch Resilienz gemacht, sag ich mal, das einmal alles so parallel zu fahren.
Ich bin ja schon sehr, sehr lange getrennt lebend, seit zehn Jahren diesbezüglich. Und das immer alles unter den Hut zu bringen, sag ich mal, macht einen mit der Zeit auch resilient, weil man einfach lernt, dass man auf vieles gar nicht mehr achten kann im Leben, weil man auch da hier und da Lebensphasen gibt, wo man funktionieren muss. Ja, und dadurch viele Dinge nicht mehr so ernst nimmt oder auch sich mehr für sich einsetzt.
Ja, so dieses sei gefällig, was ich auch hatte, was man auch in der App lernt, zum Beispiel so diese Glaubenssätze. Ich wollte früher immer Harmonie. Das war so mein Lieblingsding.
Harmonie, überall. Das hört auf. Wenn du für deine Kinder kämpfst, für deinen Job machst, irgendwo guckst, dass du alles hinbekommst, da brauchst du keine Harmonie mehr, da muss es funktionieren.
Und dann lernst du streiten. Und dann lernst du, dass das eigentlich ganz gut für dich ist, wenn du mal streitest. Das meine ich mit Resilienztraining, dass man das leider häufig lernt, auch in eher Situationen, die nicht so gut sind.
Ja, und dann habe ich dann bei der Corona-Zeit gemerkt, da muss noch mehr sein. Habe mich erst mal selber selbstständig gemacht und schon viel mit Diagnostik-Tools gearbeitet und auch schon mit einer Firma damals parallel diese Stress-Analyse mit entwickelt. Also die haben die entwickelt und ich habe die Kutschen-Konzepte da wieder für meine alte Firma hingeschrieben.
Und genau diese Analyse habe ich dann das Glück gehabt, vor jetzt auch schon bald drei Jahren, Marcel Janssen kennenzulernen. Und ich wusste nicht, dass der Fußball spielen kann, Ex-Nationalspieler ist und HSV-Präsident. Ich war nicht so der Fußball-Fan, muss ich gestehen.
Und da hatte ich ihn dann am Telefon und als ich gefragt habe, wer er ist und er es dann erzählt hat, wurde ich auch ein bisschen rot, ehrlich gesagt. Ich habe mir gedacht, okay. Und der wollte halt eigentlich, hat gemeint, wie ist das jetzt?
Mache ich dann Coaching? Ich so, nee, du machst jetzt mal die Analyse und dann gucken wir mal. Und das fand er halt so toll, weil er gesagt hat, er hat es noch nie gehabt.
Körperliche Statik kann man immer messen, gerade als Nationalspieler bist du ja von hinten bis vorne bedient und es wird alles gemacht. Aber niemand konnte bis dahin mental messen, wie es dir geht. Und das fand er großartig.
Und aufgrund seiner Ergebnisse, die er selber ausgefüllt hat, haben wir beide dann miteinander gearbeitet. Und da war er halt total begeistert, weil es dann so schnell ist, weil natürlich, das fand ich auch so schön als Therapeut mit so einer Analyse, ich muss nichts reininterpretieren, sondern das sind deine Ergebnisse und ich darf mit diesen Ergebnissen arbeiten. Das spart einem halt auch ein paar Analyse Stunden und man ist sofort am Thema.
Es macht viel mehr Spaß. Also auch mir als Coach oder Therapeut. Ja und so sind wir dann auf die Idee gekommen, mit einem ganz, ganz großartigen Team zusammen, zu sagen, wie können wir das aber günstig für Menschen schaffen, weil so eine Analyse war halt um einiges teurer und das konnte sich wieder nicht jeder leisten.
Und Marcel sagt immer, es gibt die Leistungssportler des Alltags, es muss jeder sich alles leisten können in der Gesundheit, in der Prävention. Und daher sind wir dann gesagt, okay, wie machen wir das? Können wir das runterbrechen, dass es auch für jedermann leistbar ist?
Und da sind wir dann auf die App gekommen. Und so ist das Ganze entstanden und heute bin ich eben Geschäftsführerin der Statics Mind, auch von der StepChange. Das ist die alte Firma, die ich mit reingebracht habe.
Das ist im Endeffekt Führungskräfteentwicklung, Workshops, Trainings, die wir dann geben. Und ja, jetzt haben wir ein mega tolles Team und ich habe nur noch Spaß. Also daher ist das ganz gut geworden.
[Merlene]
Hui, jetzt habe ich schon so viel noch von dir erfahren. Das ist nämlich total schön, aber um ehrlich zu sein, weil im Vorhinein recherchiert man natürlich so ein bisschen und guckt dann, was auf LinkedIn steht. Aber steht das mit dem Modedesignstudium zum Beispiel gar nicht?
Aber trotzdem finde ich es sehr interessant und ist ja ein wichtiger Teil deines Werdegangs. Ich habe zwei Fragen zu dem, was du erzählt hast.
Und zwar das erste, du hast gesagt, Resilienz baut man auf, wenn es auch manchmal stressig wird. Und du hast auch zwei Kinder, während du dich beruflich nochmal so stark verändert und auch weiterentwickelt hast. Wie hast du das hinbekommen?
Weil es klingt für mich, nach so viel unterschiedliche Projekte sozusagen und das alles gleichzeitig zu handeln, lief das dann auch mit deinem Partner oder Ex-Partner sehr gut, dass ihr euch da irgendwie aufgeteilt habt mit den Aufgaben oder wie hast du das gehandelt in der Zeit?
[Kirsten Wilhelm]
Puh, also es war, ich muss gestehen, es war natürlich nicht immer leicht. Ganz am Anfang, sag ich jetzt mal, wo ich den Wandel gegangen bin, da hat mich der Papa meiner beiden Töchter wirklich gut unterstützt. Also ich glaube, wir beide sind da einen guten Weg gegangen, uns gegenseitig zu unterstützen.
Das war auch das Alter, so Mitte 20 bis 30 so, wo man halt auch gegenseitig gerade so anfängt, sich auch aufzubauen und das zu machen. Ich war relativ, oder meine Kinder waren relativ klein bei der Trennung, zweieinhalb und acht. Ab dem Zeitpunkt, muss ich sagen, wurde es um einiges schwerer, tatsächlich.
Wir haben uns also aber auch immer, wir haben immer so ein paritätisches Modell, das heißt, wir haben wirklich 50-50 die Kinder und ich glaube, was natürlich ein ganz, ganz großer Vorteil war, ist, wie wir beide das gehandelt haben mit den Kindern. Also da man immer gesagt hat, die stehen im Vordergrund, es geht nicht um uns oder was wir miteinander, es geht immer das Wichtige sind die Kinder. Und ich glaube auch, zumindest spiegelt meine große Tochter mir das heute wider, dass das auch so immer von denen genommen worden ist, dass sie sich aufgehoben gefühlt haben.
Ich glaube, das war mir immer das Wichtigste und dem Papa auch. Das andere ist tatsächlich, danach wurde es schwer. Ich hatte aber eine wunderbare Mutter, die mich unterstützt hat und einen Papa, also ganz, ganz tolle Eltern, die zwar klar, konnten die mir jetzt nicht das Einschlafen oder die Zeit, wollte ich auch nicht, dass man mir das abnimmt, weil ich sie ja eh nur die Hälfte hatte und das war für mich ehrlich gesagt emotional schon schwer genug, sie am Anfang herzugeben, in Anführungszeichen.
Aber es war halt hier die Unterstützung zu wissen, ich habe wunderbare Eltern und ich habe auch das Glück gehabt, immer mit beiden sehr, sehr, sehr groß oder viel reden zu können und ich war damals auch mutig, muss ich sagen, so in deinem Alter. Ich bin mit meinen Eltern alles durchgegangen, also ich habe alles angesprochen, was mich damals geärgert hat oder gestört hat und habe das Geschenk bekommen, dass wir das beste Verhältnis überhaupt jemals hatten, wo ich leider noch eine sehr harte Resilienz lernen musste, war, als ich meine Mutter vor zweieinhalb Jahren verloren habe, die war 15 Monate im Krankenhaus, waren insgesamt vier Monate auf Intensivstation, sie hatte zwei Blutvergiftungen, also hat sich am Schluss noch mit Corona bei einer Pflegekraft angesteckt und ich hatte nur noch die Chance, sie die letzten fünf Tage mit meinem Papa nach Hause zu holen, dass sie in meinen Armen stirbt.
Also ich glaube, das war mein schlimmstes Erlebnis in meinem Leben, wo ich auch sage, ja, man lernt leider wirklich häufig solche Themen nur, wenn man sowas erlebt, weil man einfach auch Demut und Dankbarkeit lernt für das, was man dann noch hat, aber halt natürlich auch weiß, was man verloren hat, sage ich mal und ehrlich gesagt, manchmal kann ich es dir nicht sagen, das war immer das, auch der Spruch weiteratmen, ganz oft, einfach weiteratmen, dann war es häufig auch eben, ganz häufig jeden Abend frage ich mich immer, für was ich dankbar sein darf am Tag, ist auch so ein ganz tolles Training, sage ich mal, sich bewusst zu machen, nicht zu fragen, was habe ich nicht, sondern was habe ich denn und vielleicht auch mal immer vergleichen mit dem, was andere nicht haben und nicht, was andere haben und das hat mich die letzten Jahre oder auch in solchen Zeiten häufig immer wieder dahin gebracht, positiv zu denken und zu sagen, ja, aber du machst es für was und ich hatte das Glück, das muss ich auch sagen, dass ich immer einen Sinn in meinem Job gesehen habe, also ich fand es unheimlich sinnvoll, anderen Menschen zu helfen, für mich so und ich fand es unheimlich sinnvoll, das Gefühl zu haben, ich kann irgendwas bewegen und solange ich das habe, glaube ich, werde ich auch immer weitermachen.
[Merlene]
Schön. Erstmal herzlichen Dank dafür, dass du so offen das alles teilst, das finde ich auch sehr mutig und wichtig und weil du es jetzt gerade angesprochen hast und das schon häufiger ein Thema war, was mich irgendwie so beschäftigt oder begleitet, das Thema, wenn einem jemand erzählt, dass zum Beispiel ein Elternteil oder so verstorben ist, wie reagiert man dann?
[Kirsten Wilhelm]
Ich glaube, also mir hat es immer geholfen, wenn die Leute mich vielleicht einfach nur mal in den Arm nehmen, gar nichts sagen, das war wirklich so, das ist eigentlich, was am meisten geholfen hat. Welcher Spruch gar nicht hilft, ist, es wird wieder gut, weil nee, wird es nicht. Auch es geht vorbei.
Nein, Trauer ist etwas, wo jeder ganz individuell mit umgeht, und ich glaube, man kann nicht sagen, es geht vorbei, es wird anders vielleicht, aber ich glaube, wenn du jemanden wirklich geliebt hast, einen Menschen, egal wie und der geht, dann wirst du diese Trauer immer in dir tragen. Aber es ist wirklich so, einfach nur dieses Dasein, also ich fand es immer, die tollsten Freunde, und ich habe Gott sei Dank echt tolle Freunde, die haben einfach gesagt, ich kann nichts sagen, ich nehme dich in den Arm. Oder weißt du was, ich bin da.
Und das ist einfach das, dieses Wissen, da ist jemand und der nimmt dann einfach nur mal in den Arm.
[Merlene]
Ich nehme dich später noch mal in den Arm. Aber ich meine es auch eher so jetzt, wenn das jemand so erzählt, weil ich habe das zum Beispiel auch in der Bibliothek irgendwie bei uns an der Uni mal überhört, dass eine junge Frau einfach offen erzählt hat, dass es ihr in letzter Zeit alles ein bisschen zu viel war, dann hat sie halt erzählt, dass ein Elternteil verstorben ist und es war still. Und keiner hat mehr irgendwas gesagt.
Und dann wurde, glaube ich, einfach weiter gelernt und das war so, man hat gemerkt, dass es einen Discomfort gab, darüber überhaupt zu sprechen, oder man wusste nicht, wie man reagiert vielleicht, deswegen frage ich.
[Kirsten Wilhelm]
Ja, das ist spannenderweise sehr häufig. Wenn jemand offen ist, und ich habe wirklich lange gelernt, wie du sagst, offen zu sein, weil ich finde immer, was man erlebt hat, oder was man, das ist ja nichts Schlimmes und das ist auch nicht peinlich. Warum sollte es auch?
Und wenn jemand stirbt, ist das etwas, wenn jemand wirklich darüber spricht, heißt das ja, der Mensch braucht vielleicht auch in dem Moment ein bisschen den Zuspruch. Und ich, wenn jemand, klar, ich kriege das natürlich auch häufiger mit, dass mir mal jemand sowas erzählt, auch im Therapie-Kontext, das ist erstmal meine Frage häufig dazu, wie geht es dir denn? Also wie geht es dir wirklich jetzt damit?
Ja, also es tut mir total leid natürlich auch, wenn es einem das tut, ich finde immer wichtig, wenn es einem das tut, also lieber sagen aus Floskel heraus und dann einfach fragen, wie geht es dir? Und zwar eine ehrliche Frage, wie geht es dir?
[Merlene]
Danke für diesen Tipp, auch wenn es ein kleiner Schlenker war, ich wollte nämlich noch auf etwas anderes eingehen. Und zwar hast du gesagt, dass du das Glück hattest, relativ schnell zu einer Führungsposition zu kommen, als du angefangen hast mit dem Coaching, richtig? Glück gehört auch immer dazu, aber es gehören auch ganz viele andere Fähigkeiten dazu und ich weiß auf jeden Fall, du bist eine sehr tolle Führungspersönlichkeit und man merkt dir das irgendwie total an, aber ich könnte nicht sagen, welche Fähigkeit vielleicht besonders dazu beigetragen hat, dass du dich so weiterentwickelt hast.
Kannst du das irgendwie nachträglich analysieren, ob da irgendwas besonders geholfen hat?
[Kirsten Wilhelm]
Das muss ich tatsächlich mal nachdenken, die Frage habe ich auch noch nicht bestätigt bekommen. Also tatsächlich glaube ich, was mir persönlich sehr geholfen hat, war zumindest hat mir das sehr oft gespiegelt, ich war immer vom Anfang an sehr authentisch, also ich habe nie eine Rolle gespielt, ich habe immer klar definiert, was ich mir wünsche und was ich will, das hatte ich auch damals, als ich Führungskraft wurde meiner vorherigen Chefin, war immer ehrlich mit ihr und sie auch mit mir. Also so die Ehrlichkeit war es sehr viel und ich habe grundsätzlich zu allen Menschen gleich viel Respekt, aber auch nicht mehr.
Also was ich meine ist damit, ich behandle tatsächlich, oder versuche es in meinem Sinne, jeden Menschen gleich zu behandeln, was aber bedeutet, meinen Chef, den ich damals habe, habe ich genauso behandelt wie meinen Mitarbeiter und wenn ich gemeint habe, da stimmt was nicht für mich, war ich so ehrlich und habe das gesagt. Das kann hier und da vielleicht auch mal dazu führen, dass man da nicht befördert wird oder bei mir hat es auch mal dazu geführt, dass ich immer bekommen habe über mir, den ich nicht haben wollte, aber da habe ich zum Beispiel auch damals gesagt, wenn ich die Person bekomme, dann werde ich kündigen und das habe ich dann getan. Also ich war halt immer wahnsinnig ehrlich, was das angeht.
Ich glaube, das war sowas und ich habe immer tatsächlich nicht in Frage gestellt, dass es nicht klappen könnte. Wow! Ja, ich habe einfach immer, und das mache ich heute noch, wenn ich etwas mache, traue und glaube ich ganz fest daran, dass das funktioniert.
Kann man sich das anlernen? Es ist so dieses Motivieren positive, glaube ich. Also wirklich sich bewusst zu sein.
Ich habe für mich gelernt, egal was passiert, ich überlebe es. Das klingt jetzt blöd, aber es stirbt halt keiner. Ich bin auch kein Arzt, wo ich sage, ich muss entscheiden, überleben oder tot.
Das Glück habe ich, in Anführungszeichen. Also sage ich mir ganz oft, okay, wenn irgendwas schief geht, stirbt keiner, dann mache ich halt was anders. Aber ich probiere es.
Und das wird schon klappen. Irgendwie wird es klappen. Sich da einfach mal so dieses Positive dem Leben gegenüber, hat mir unheimlich geholfen.
Tatsächlich. Aber ich glaube, das ist ein bisschen selbsternannte Prophezeiung, wenn man das schafft.
[Merlene]
Ja, also das finde ich auch sehr stark. Und das ist, glaube ich, etwas, was ich selber auch gerne hätte. Weil ich häufig, und ich glaube, ich bin da auch nicht die Einzige, mir so ganz viele Gedanken darüber mache, oh Gott, was ist, wenn das passiert?
Was ist, wenn das passiert? Und manchmal habe ich auch diese Momente, das wird gut. So oder so.
Ich habe die Fähigkeiten, selbst wenn das jetzt schief läuft, was anderes auf die Beine zu stellen oder so. Aber das sind aktuell noch die Ausnahmen. Ich hätte es, glaube ich, eher andersrum gerne, dass ich das Letzteres die Haupt Zeit meiner Gedankenwelt wäre und Ersteres nur ab und zu oder gar nicht.
Kannst du mir einen Tipp geben, wie ich mir das irgendwie ansehen kann?
[Kirsten Wilhelm]
Es ist ja auch eine Gabe. Ich sage immer so, das nennt man ja katastrophisieren, wenn man es übertreibt. Also es ist ja eine Gabe auch Worst-Best-Case-Auseinander.
Natürlich mache ich auch, wenn ich eine Entscheidung treffe, gerade unternehmerische Entscheidungen treffe, stelle ich mir immer die Frage, was kann bestenfalls und was kann schlimmstenfalls passieren. Aber beim schlimmstenfalls sage ich mir dann auch immer, okay, jetzt mal ernster, was ist denn schlimmstenfalls? Ja, sagen wir mal schlimmstenfalls, ich bin erstmal pleite.
Gut. Ich habe zwei Hände, ich kann sogar nähen, ich kann zeichnen, ich kann coachen, ich werde mich schon ernähren. So, Punkt.
Ist für mich erledigt, ich werde nicht sterben. Und sich das immer wieder, dieses schlimmstenfalls, ja, okay, es gibt Szenarien, kann ich mir überlegen, aber nur, wenn ich das mal überlege, heißt das nicht, es tritt ein, sondern nur, ich bin gewappnet. Ich sage immer, ich habe meine Rüstung so hinten dran, ja, und bin gewappnet, aber muss ich gar nicht einsetzen und dann, wirklich, schaue für dich immer, gut, ich habe mir das überlegt, ist fein, also gehe ich jetzt nach vorne.
Nicht immer alles hinterfragen im Leben. Du kannst nichts planen, außer jetzt vielleicht die Minute, die wir hier sitzen. Was morgen passiert, wenn wir mal ganz ehrlich wissen, wir immer noch nicht.
Mein Terminkalender ist auch die nächsten drei Monate voll. Aber ob ich den wirklich in drei Monaten so erleben werde, weiß ich nicht. Kann morgen überfahren werden.
Ja, also, nicht alles so ernst nehmen. Das klingt total hart. Ich nehme alles ernst, schon, was ich tue, und ich verantworte das auch, ja, mit einer sehr, sehr Ernsthaftigkeit, auch was meinen Job angeht und gerade, was meine Familie angeht.
Und trotzdem, ich habe es nicht in der Hand. Das Leben kann dir ganz viel schenken, wenn du daran glaubst. Okay.
[Merlene]
Wie gesagt, ich bin froh, dass es ein Podcast ist und ich mir das nochmal anhören kann. Jetzt sind wir, haben wir schon so ein bisschen darüber gesprochen, auch über das Thema Resilienz.
Und du sagtest, dass es etwas ist, was man sich am besten eigentlich aneignet oder was man sich auch manchmal als Schutzmechanismus vielleicht aneignet. Ihr seid jetzt aber eine Resilienz-App. Oder ihr vertreibt eine Resilienz-App.
Wie kann ich das denn trainieren, wenn ich, wenn es mir gut geht?
Die Bedeutung von regelmäßigem Resilienz‑Training
[Kirsten Wilhelm]
Unbedingt. Und zwar ist es so, dass, wenn es einem gut geht, hat man viel häufiger die Möglichkeit, anders zu reflektieren. Ja, und du hast mehr Möglichkeiten, auch dich selbst wahrzunehmen.
Resilienz kann man sich vorstellen, das ist ja die Widerstandsfähigkeit grundsätzlich eines Menschen. Und das ist tatsächlich Training. Das ist wie Muskeln beim Sport.
Keiner erwartet, dass, wenn man einmal im Jahr zum Sport geht, plötzlich, schön wär's, gell, super schlank ist und sportlich und gut aussieht. Nein, man muss das immer wieder machen. Im Kopf ist es dasselbe.
Resilienz trainieren heißt, immer wieder Herausforderungen, aber auch Reflektionen üben. Wann oder wo passiert oder fällt es den Menschen sehr häufig aus, dass das plötzlich nicht mehr da ist, wenn die Menschen in Rente gehen. Weil sie nicht mehr gefordert werden, in ihrem Job zu Hause bleiben, man wird ängstlicher, der Radius wird kleiner.
Das ist gar nicht, weil man älter wird, sondern weil man das Gehirn weniger fordert. Das Gehirn kann eigentlich noch viel mehr leisten. Aber sie trainieren die Resilienz nicht mehr.
Und deswegen ist es auch ganz schlimm, ehrlich gesagt, wenn man Krankheiten hat und immer so lange krank geschrieben ist. Natürlich muss sich der Körper erholen. Das ist gar nicht falsch verstehen.
Aber wenn ich so lange dann krank bin, traue ich mir viel nicht mehr zu. Weil ich so oft nicht gefordert worden bin. Und dann traue ich mir psychisch das auch nicht mehr so zu.
Das heißt, so lange Krankenschreibungen, in manchen Themen ist es auch schwierig, wenn man nicht wirklich psychisch krank ist. Aber dass man halt auch weiter da gefordert ist.
Du kannst im Endeffekt in unserer App tatsächlich trainieren, wie du mit Situationen, die du mir alle heute gefragt und die du mir heute gestellt hast, wie du mit denen in Zukunft umgehen kannst. Da geht es um das Thema Bindung. Wie gehe ich in Konfrontation mit meinem Partner um?
Wie gehe ich mit Unsicherheiten meinen Kindern gegenüber um? Der Verwandtschaft gegenüber um? Da wird dir halt genau erklärt, welche Fragen solltest du dir denn stellen?
Was ich dir jetzt so gesagt habe zum Beispiel. Was kannst du dann anders tun im Verhalten? Welche Übungen kannst du dazu machen?
Wie so eine Atemübung, die wird dir dann aufgezeigt. Dann zeigt es dir ja auch durch die Messung, die du vorher machst, weil wir ja die Analyse vorher haben, wo du meistens Stress hast. Ob du eher Gedankenkreisen hast oder ausflippst oder dich zurückziehst.
Was du dagegen unternehmen kannst. Wie du das trainieren kannst. Auch wenn es dir gerade gut geht, bist du dir ja sehr bewusst wahrscheinlich, wie du bei Stress reagierst.
Ob du dann vielleicht nicht schlafen kannst. Dann wird dir da halt auch gezeigt, was es alles für Tipps und Tricks gibt, wieder einzuschlafen oder damit umzugehen. Dann Sinnhaftigkeit.
Finde ich ein wahnsinnig wichtiges Thema. Du machst so viel mehr und kannst so viel mehr leisten, wenn du Sinn dahinter verspürst. Hast auch richtig Bock darauf.
Denn wie gesagt, ist Arbeit vielleicht gar keine Arbeit in dem Sinne, sondern einfach Spaß. Auch das, wo finde ich den Sinn? Wie genau kann ich den überhaupt für mich wieder entdecken?
Motivation. Was wir gerade gesehen haben. Oh Gott, wie schaffe ich das denn am Tag so gut drauf zu sein?
Ist tatsächlich Training auch eben, wie ich sage, ich frage mich jeden Tag, für was ich dankbar sein darf. Ist aber auch umgekehrt am nächsten Tag wieder das, auf was ich mich freue. Und das ist Training.
So war ich auch noch nicht vor zehn Jahren immer. Es hat sich auch alles entwickelt mit der Zeit. Ich glaube, das ist genau das, was mir so wichtig war in der App.
Dass man sagt, das sind kleine Tipps. Du musst keine halbe Stunde da sitzen am Tag. Das sind fünf Minuten vielleicht kleine Veränderungen in deinem Leben.
Und die können aber so viel auf Dauer bewirken. Und das ist alles, was du trainieren kannst, wenn es dir schlecht geht natürlich, umso besser. Dann ist es noch nötiger auch.
Aber umso besser, wenn du gut drauf bist, weil dann kannst du da nochmal anders intensiver umgehen und musst dich nicht noch mit dem anderen Thema ja auch beschäftigen. Ich sage immer so, ich trainiere es im Urlaub genauso, wie ich es im Alltag trainiere.
Bewusst und immer wieder neu. Und selbst, obwohl ich das geschrieben habe, ich lerne jeden Tag wieder neu dazu.
[Merlene]
So geübt bin ich daran noch nicht. Aber dafür auf jeden Fall schon mal herzlichen Dank. Ich habe abschließend noch zwei Fragen.
Und zwar, das erste ist, auf Instagram sieht man manchmal so, entspannst du gerade wirklich? Oder das assoziierst du und bist auf Instagram zum Beispiel und scrollst, weil du dir gerade denkst, du musst dir eine Auszeit nehmen, aber du weißt nicht wirklich wie. Du möchtest auf Krampf entspannen sozusagen.
Was ist der Unterschied? Und wie merke ich das?
[Kirsten Wilhelm]
Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Tatsächlich ist es so, dass man, ich sage jetzt mal, mit digitalen Medien grundsätzlich, ich habe eine App geschrieben, also ich verfluchte es ganz sicher nicht, aber dass du die Psyche wirklich entspannst.
Also wenn es jetzt um die Psyche und Entspannung geht, solltest du das definitiv weglegen. Entspannen in der Psyche heißt, du musst dich tatsächlich lernen, mal zu langweilen, und wahrzunehmen. Entspannen tust du, die Psyche macht das, wenn sie Regenplätschern hört, wenn sie mal rausgucken darf und einen Vogel beobachten kann.
Bewusst sitzen. Hast du uns letztens, wann hast du das letzte Mal wirklich bewusst gesessen und hast gefühlt, dass dein Popo hier drauf liegt, dass du dich anlehnst, dass du atmest, dass du dir deiner Selbst, deines Körpers einfach bewusst wirst. Und dann merkst du erst, ob du entspannst, weil du dann merkst, ob deine Muskulatur ein bisschen runterfährt und du vielleicht sogar eine leichte Müdigkeit bekommst.
Das ist entspannen. Pause machen, zu sagen, ich lenke mich von meinen Gedanken ab. Das ist Instagram oder andere Medien, wo du sagst, ich möchte jetzt mal mich ablenken.
Da sind auch Computerspiele mega. Einfach mal zu sagen, ich will jetzt mal nicht das denken oder so in etwas gefangen sein. Aber das ist eher positives Ablenken.
Wo ich sage, da kann man vielleicht gefühlt entspannen, weil man gerade nicht mehr über das andere denkt, was einen beschäftigt oder was einen unter Druck setzt. Aber es ist nicht die körperliche Entspannung oder die geistige, wirkliche Entspannung. Und da ist die Frage, was brauche ich für mich?
Ich sage immer, es ist natürlich in Ordnung, wenn man gerade mal eine kleine Pause hat, mal das Handy zu nehmen. Keine Frage. Wenn man das aber nur noch macht und sobald man sogar vom Fernseher vielleicht eine Serie sieht, merkt, ach die ist ein bisschen langweilig und schon wieder das Handy nimmt, sollte man darüber nachdenken, ob das noch gesund ist.
Weil man dann meistens schon in so einer Situation ist, dass der Körper gar nicht mehr weiß, was es bedeutet, wirklich zu entspannen. Und ich kann jedem nur anraten, in seinem Leben am Tag fünf bis zehn Minuten achtsam weglegen, blöd aus dem Fenster gucken, einfach nur sitzen, einfach nur sein. Weil dann, wenn man das der Körper lernen darf, geht man um einiges entspannter und gesünder durchs Leben.
Das ist so ineffizient.
Es ist auch mal so schön, ineffizient zu sein.
[Merlene]
Okay. Eigentlich wäre das das perfekte Schlusswort, aber ich habe noch eine allerletzte Frage, die ich all meinen Gästen stelle. Wenn du jetzt zurückblickst auf dein 18-jähriges Ich oder vielleicht eins, das frisch aus der Schule kommt und du denkst, okay, was jetzt?
Was kommt als nächstes? Gibt es rückblickend etwas, was du dieser Kirsten wünschen würdest oder raten würdest?
[Kirsten Wilhelm]
Ich würde tatsächlich mir selber sagen, bleib bei dir, vertraue dir selber, weil ich sagen kann für mich, ich habe gewisse Dinge manchmal, wenn ich ganz ehrlich zu mir war, bei Entscheidungen schon geahnt, dass das immer nicht gut ist, was ich da mache. Und das lief dann auch nicht gut. Und das mache ich nicht mehr.
Und seitdem merke ich, dass mein Leben viel runder läuft, weil ich mir selber mehr treu bin. Dieses lerne dir selbst zu vertrauen, weil es ist ja für dich alleine diese Entscheidung. Und versuche nicht anderen zu gefallen.
Das ist was, was ich mir immer wieder sagen will. Also dieser Mut, unbeliebt zu sein ist das schönste Geschenk, was ich mir irgendwann im Alter geben konnte, so gesehen. Dem würde ich mir lieber gerne früher geben.
Und auch sei dir deines Lebens, was du liebst, bewusster. Weil es ist einfach doch relativ kurz. Und beschwer dich nicht über das, was du da draußen hast oder wie die Leute manchmal sind.
Sondern sei dankbar, dass du sie hast. Weil sie könnten halt auch mal nicht mehr sein. Also auch mal anzuerkennen, wir sind hier nicht so viele Jahre auf dieser Welt.
Und die kleinen Probleme sind vielleicht dann nicht so wichtig. Und wenn man eben mal einen Menschen verloren hat, den man so sehr geliebt hat, dann weiß man auch, dass diese Jahre sehr begrenzt sind.
[Merlene]
Dann haben wir jetzt auch den Full-Circle-Moment. Zurück zur Familie. Auch wenn es vielleicht schwierig sein könnte, dieses Weihnachten.
Die Liebe steht doch im Vordergrund. Und sich dessen bewusst zu sein, wenn es der Liebe ist. Das wird's hoffen.
Genau. Von daher, frohe Weihnachten und ganz, ganz herzlichen Dank, dass du dabei warst. Danke dir auch.
[Kirsten Wilhelm]
Frohe Weihnachten und allen einen gewöhnlichen Tag.
[Transkript Ende]
Was Kirsten uns in dieser Folge mitgegeben hat:
Resilienz entsteht nicht durch Harmonie, sondern durch Selbstvertrauen, Klarheit und den Mut zur Abgrenzung. Kirsten Wilhelm zeigt, wie mentale Stärke im Alltag trainiert werden kann – durch bewusste Entscheidungen, regelmäßige Reflexion und den respektvollen Umgang mit sich selbst.
Hör hier die ganze Folge mit Kirsten.




