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Motherhood Penalty: Sara Nuru über die unterschätzte Effizienz von Müttern

  • Autorenbild: Merlene
    Merlene
  • 8. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit
„Seit ich selber Mutter bin, stellen wir auch anders ein, weil wir merken, wie toll – wie effizient – Mütter arbeiten."

Als Sara Nuru diesen Satz beim Female Founders Panel der Körber-Stiftung sagte, brachte sie eine Wahrheit auf den Punkt, die in Debatten über Female Leadership viel zu selten ausgesprochen wird. Während die Gründerin von nuruCoffee und nuruWomen längst verstanden hat, welches Potenzial in arbeitenden Müttern steckt, sieht die Realität in den meisten Organisationen anders aus.


Sobald Frauen Mütter werden, verändert sich ihre berufliche Wahrnehmung fundamental – und selten zu ihren Gunsten.



Wie Mutterschaft die Karrierewahrnehmung verändert

Was sich ändert, wenn eine Frau ein Kind bekommt? Plötzlich drehen sich Gespräche nicht mehr um ihre Qualifikationen oder Entwicklungsperspektiven. An ihre Stelle treten Fragen: Wird sie noch so verfügbar sein? Schafft sie die Doppelbelastung? Können wir ihr noch wichtige Projekte anvertrauen?


Die Kompetenzen, die über Jahre aufgebaut wurden, geraten in den Hintergrund. Stattdessen dominieren Zweifel über Belastbarkeit und Zuverlässigkeit.


Bei Männern verläuft derselbe Prozess in die entgegengesetzte Richtung. Vaterschaft wird als Zeichen von Reife interpretiert. Väter gelten als verantwortungsbewusst, als Menschen, die für eine Familie sorgen müssen – und werden entsprechend häufiger für Gehaltserhöhungen oder Beförderungen in Betracht gezogen.


LeadHER-Gründerin Merlene interviewt Unternehmerin Sara Nuru auf dem Female Founders Panel der Körber-Stiftung © Körber Start-Hub / Claudia Höhne


Motherhood Penalty versus Fatherhood Premium: Die Forschung dahinter

Für diese gegensätzlichen Entwicklungen gibt es mittlerweile klare Begriffe:


Das "Fatherhood Premium" beschreibt den Karrierebonus, den Männer nach der Geburt erfahren. Die "Motherhood Penalty" bezeichnet das Gegenteil – den messbaren Verlust an Gehalt, Aufstiegschancen und Einfluss, den Frauen erleiden.


Dieser Unterschied ist nicht marginal. Er prägt Karriereverläufe über Jahrzehnte und trägt maßgeblich zur Lücke in der Karriereentwicklung von Frauen bei.


Welche Fähigkeiten Mütter tatsächlich mitbringen

Besonders widersprüchlich wird es, wenn man genauer hinsieht: Die Fähigkeiten, die Mütter durch ihre neue Rolle entwickeln, gehören zu den meistgesuchten in der modernen Arbeitswelt.


Aufgaben werden radikal priorisiert. Wer ein Kind großzieht und arbeitet, entwickelt gezwungenermaßen die Fähigkeit, zwischen Wesentlichem und Unwichtigem zu unterscheiden.


Die psychische Widerstandskraft, die entsteht, wenn man Schlafmangel, Verantwortung und berufliche Anforderungen gleichzeitig bewältigt, ist außergewöhnlich.


Wer unter dauerhafter Belastung funktionieren kann, baut eine Resilienz auf, die durch kein Resilienz-Training der Welt ersetzt werden kann.

Wer lernt, die Bedürfnisse eines Kindes zu erkennen und darauf einzugehen, schärft emotionale Intelligenz auf einem Level, das für Führung unverzichtbar ist. Empathie wird nicht theoretisch erlernt – sie wird täglich praktiziert.


Wer zwischen Wickeltisch, Meetings und Kita-Abholzeiten navigiert, trifft schnellere Entscheidungen. Statt in endlosen Abstimmungsrunden zu verharren, wird bewertet, entschieden, gehandelt.



Was Sara Nuru bei nuruCoffee anders macht

Bei ihren Unternehmen nuruCoffee und nuruWomen hat Sara Nuru eine Beobachtung gemacht, die sie veranlasst hat, ihre Einstellungspraxis zu ändern: Mütter arbeiten nicht effizienter trotz ihrer zeitlichen Einschränkungen – sondern wegen dieser Einschränkungen.


Die Notwendigkeit, in kürzerer Zeit genauso viel zu leisten, führt zu einer Form von Produktivität, die in klassischen Vollzeit-Präsenzkulturen oft nicht erreicht wird.

Diese Erkenntnis steht im krassen Gegensatz zu dem, was in vielen deutschen Unternehmen noch immer gilt: Verfügbarkeit wird mit Leistung gleichgesetzt. Wer früh kommt und spät geht, gilt als engagiert. Wer jederzeit erreichbar ist, als zuverlässig.


In diesem System haben Frauen, die pünktlich gehen müssen, strukturell keine Chance – unabhängig davon, was sie in ihrer Arbeitszeit tatsächlich leisten.

Warum Mutterschaft als Kompromiss wahrgenommen wird

In vielen Organisationen dominiert eine bestimmte Lesart: Mutterschaft im Beruf wird als Kompromiss betrachtet. Das Unternehmen ermöglicht Teilzeit oder flexible Arbeitszeiten – und interpretiert dies als einseitiges Entgegenkommen.


Diese Perspektive übersieht den Wert, den Mütter mitbringen: geschärfte Priorisierungsfähigkeit, gesteigerte Effizienz in begrenzten Zeitfenstern, emotionale Kompetenz durch Care-Arbeit, Belastbarkeit unter Dauerstress.


Statt diese Fähigkeiten als Gewinn zu betrachten, werden sie als Begleiterscheinung einer Einschränkung gesehen. Während das Unternehmen über Verfügbarkeit spricht, bleibt die Einsicht über das hinzugewonnene Potenzial aus.


Die wirtschaftlichen Kosten der Motherhood Penalty

Während Deutschland über Produktivitätssteigerung und internationale Wettbewerbsfähigkeit diskutiert, ignorieren wir systematisch eine der größten ungenutzten Ressourcen unserer Wirtschaft.

In Zeiten von Fachkräftemangel können wir es uns nicht leisten, hochqualifizierte Frauen nach der Geburt eines Kindes zu unterschätzen. In Zeiten von demografischem Wandel können wir es uns nicht leisten, auf die Expertise führungsstarker Frauen zu verzichten.


Mit einem steigenden globalen Wettbewerb können wir es uns nicht leisten, Produktivitätspotenziale zu verschenken. Das Motherhood Penalty ist kein Frauenproblem. Es betrifft unsere Wirtschaftsleistung.


Wie Unternehmen von einem Umdenken profitieren würden

Sara Nurus Beispiel zeigt: Es geht auch anders. Wenn Unternehmen verstehen, dass Mutterschaft keine Einschränkung ist, sondern eine Quelle neuer Kompetenzen, profitieren alle.


Sie gewinnen Mitarbeiterinnen und Führungskräfte, die unter Druck liefern können, klare Prioritäten setzen und Teams mit emotionaler Intelligenz führen. Wenn Mütter ihre Fähigkeiten einbringen können, ohne für ein gesetztes Zeitfenster abgestraft zu werden, erschließt die Wirtschaft Potenziale, die aktuell verschenkt werden.


Organisationen, die diese Erkenntnis umsetzen, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Sie gewinnen Talente, die andere übersehen, bauen vielfältigere, resilientere Teams auf und entwickeln bessere Lösungen für diversere Märkte.


Wie eine andere Bewertung von Mutterschaft die Arbeitswelt verändert

Die Frage ist nicht mehr, ob Mütter leistungsfähig sind. Die Frage ist, wer als Erstes versteht, welchen Vorteil es bringt, sie einzusetzen. Sara Nurus Aussage kann ein Weckruf sein – für Führungskräfte, HR-Verantwortliche und alle, die über die Zukunft von Leadership und Female Leadership nachdenken.


Denn wenn wir anfangen, Mutterschaft als das zu sehen, was sie ist – eine Phase, die wertvolle Kompetenzen entwickelt – öffnen sich neue Möglichkeiten. Für Frauen in Führung. Für Unternehmen. Für die Wirtschaft insgesamt.


Bewusstsein ist der Anfang. Handeln der nächste Schritt. Und dann entscheidet sich, wer zurückbleibt und wer rechtzeitig lernt, Mutterschaft einer Mitarbeiterin als das zuerekennen, was sie ist: ein Gewinn.



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