Julia Alexandra Heidinger über Female Leadership in Tech, Mut und neue Karrierewege
- leadHER

- 1. Apr.
- 27 Min. Lesezeit
Julia Alexandra Heidinger ist Webentwicklerin, Gründerin des Social Developers Club und eine der Stimmen, die Female Leadership in der Tech‑Branche greifbar machen. Ihr beruflicher Weg begann nicht mit einem klassischen Informatikstudium, sondern im Medienbereich – über Auslandsaufenthalte, Werkstudentenstellen und den Mut, sich auf Positionen zu bewerben, die sie „eigentlich nur üben“ wollte. Heute arbeitet sie als Webentwicklerin bei Gruner + Jahr bzw. RTL und engagiert sich parallel für mehr Sichtbarkeit und Zugang zu Technologie.
In der Podcast‑Folge spricht Julia darüber, wie sie den Quereinstieg in die Tech‑Welt erlebt hat, warum Lernen für sie immer einen konkreten Zweck braucht und weshalb Unsicherheit ein wichtiger Teil von Entwicklung ist. Zentrale Themen sind Female Leadership in Tech, Selbstvertrauen, Sichtbarkeit im Berufsalltag sowie die Rolle von Communities, um Barrieren abzubauen. Das Gespräch zeigt, dass Karriere nicht linear verlaufen muss – sondern durch Ausprobieren, Verantwortung und bewusste Entscheidungen wächst.
Disclaimer: Dieses Transkript wurde mit KI erstellt. Es können Abweichungen zum Original-Audio vorkommen.

Hör jetzt das ganze Gespräch mit Julia.
Julia Alexandra Heidinger Female Leadership in Tech: Das Gespräch
[Merlene]
Hi, ich bin Merlene und ich treffe mich jede Woche mit Frauen in Führungspositionen zum Kaffee, um mit ihnen über ihren Karriereweg zu sprechen. Ziel ist es dabei, auch wenn wir heute noch nicht 50-50 auf Führungsebenen haben, den nächsten Generationen eine Vielfalt an Vorbildern zu bieten und sie dazu zu inspirieren oder zu ermutigen, die Themen Karriere und Führung auch für sich zu entdecken.
Meine Gäste thematisieren dabei auch, was für eine Rolle ihre Lebenspartner und andere Vertrauenspersonen beim Thema Selbstverwirklichung und Gleichstellung spielen. Der Podcast ist also was für jeden, der Lust hat, eine faire Zukunft mitzugestalten. Heute spreche ich mit Julia Alexandra Heidinger, die bereits als Werkstudentin in den Kinderschuhen von About You mitgewirkt hat, später bei Car2Go und der Autogroup und mittlerweile als Webdeveloperin bei Gruner + Jahr und RTL arbeitet. Wie sie mit dem Social Developers Club vorhat, dafür zu sorgen, dass sie in Zukunft mehr KollegInnen in der IT hat und wo ihr sie demnächst live erleben könnt, erfahrt ihr in der heutigen Folge. Herzlich willkommen, Julia-Alexandra Heidinger.
Ich freue mich sehr, dass du zur neuen Leadher-Podcast-Folge dazu stößt. Ich habe dich getroffen im, ich glaube, Januar bei einem Women-Leading-Tech-Event. Bevor wir einsteigen, in was wir noch vorhaben, magst du dich einmal kurz vorstellen?
[Julia Alexandra Heidinger]
Danke für die Einladung. Ich heiße Julia, ich bin Webentwicklerin und Gründerin vom Social Developers Club. Das heißt, in meinem Day-Job programmiere ich Webseiten, Apps, kleine Tools, alles, was man so braucht.
Und mit dem Social Developers Club versuchen wir, Technologie möglichst barrierefrei zu machen bzw. allen Zugang irgendwie in die Tech-Branche zu bieten, aber auch Entwicklerinnen und Entwickler untereinander zu connecten. Wir machen jeden Monat Meetups, also zu unterschiedlichen Technologiethemen treffen wir uns im Afterwork, machen aber auch einmal im Jahr eine größere Konferenz hier in Hamburg.
Und auch ein bisschen was in Richtung Jugend- und Kinderbildung. Machen wir viele Workshops, dass die nächste Generation an Entwicklerinnen und Entwicklern auch heranwächst, sozusagen. Wir sind auch wieder zusammengekommen, würde ich sagen.
[Merlene]
Das stimmt. Magst du mir vielleicht einmal erklären, so Women in Tech ist ja schon noch eine Sache, das ist nicht so natürlich. Ansonsten würde man es, glaube ich, auch nicht immer so hervorheben.
Wie bist du dazu gekommen, diesen Bereich für dich zu entdecken?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, wie viele andere Frauen auch, bin ich so ein bisschen in die Industrie gestolpert. Die wenigsten aus meinem Netzwerk haben eigentlich Informatik studiert, sondern viele haben sich das selber beigebracht oder über einen Quereinstieg reingekommen.
Ähnlich war es auch bei mir. Ich habe zwar auch ein bisschen Informatik studiert, aber ich habe eigentlich einen Bachelor in Medien gemacht. Dachte erst mal, irgendwas mit Medien schadet nicht.
Genau, und zu der Zeit habe ich angefangen, schon in IT-Teams zu arbeiten und habe immer mehr angefangen zu programmieren. Und es hat mir mega viel Spaß gemacht, sodass ich nach meinem Bachelor dachte, okay, eigentlich könnte ich mir das jetzt eher vorstellen, als in eine Redaktion zu gehen. Genau, oder so diesen journalistischen Weg, den ich eigentlich geplant hatte.
Und habe deswegen nochmal zwei Semester Informatik studiert und ein Bootcamp gemacht, damit ich mich so ein bisschen mehr noch vorbereite auf die Tech-Branche. Hatte aber zu dem Zeitpunkt auch schon als Werkstudentin, ich glaube so zwei Jahre ungefähr, in IT-Teams gearbeitet. Genau, und bin dann direkt eingestiegen in den Job.
Und das ist ja wirklich, wie du sagst, also es ist noch leider etwas Besonderes. Beziehungsweise, wir haben noch sehr wenige Frauen. Ich hatte leider noch kein Team, wo ich eine Kollegin hatte.
So auf meinem Level, auf den Führungsebenen schon teilweise, das ist richtig cool, oder als Projektmanagerin. Aber jetzt nicht als Entwicklerin. Das ist natürlich super, weil man nie an einer Toilette anstehen muss.
Aber es ist natürlich für den ganzen anderen Rest total doof, weil ich liebe den Austausch mit Frauen und generell verschiedene Hintergründe in Teams zu haben, ist, glaube ich, immer wertvoll. Und deswegen ist das irgendwie noch so ein Ding. Also deswegen setze ich mich auch viel dafür ein.
Mehr Frauen für Tech zu begeistern oder sich zumindest mal zu trauen, da reinzuschnuppern. Bei dem Event, das ich gerade erwähnt hatte, hast du eine ganz schöne Geschichte erzählt, wie es das erste Mal dazu kam, dass du was gecodet hast. Genau, das war meine Schwester.
Die hat ein Praktikum bei uns gemacht, also beim Social Developers Club und hat Programmierworkshops vorbereitet, beziehungsweise sollte sie. Das war ein Scratch. Das heißt, das ist eine grafische Programmiersprache.
Kann man sich ein bisschen vorstellen wie Puzzlen. Man klickt so die Codeblöcke zusammen.
Und irgendwann, als sie eigentlich schon fertig waren, meinte sie, okay, wann starte ich denn jetzt eigentlich zu programmieren? Wann geht's los? Das war es schon.
Also wenn man mal so ein bisschen diesen Hollywood-Hacker-Code rausnimmt, sozusagen aus dem Bild, was man hat, sieht man auch, dass eigentlich Programmieren in allen möglichen Formen und Farben existiert und dass man auch so Spiele, Software, Apps entwickeln kann, ohne jetzt mit schwarzem Hoodie im Keller zu sitzen, sag ich mal, sondern dass es auch andere Lösungen gibt. Also zum Beispiel auch No-Code- oder Low-Code-Lösungen oder jetzt auch viel durch KI. Du beschreibst eigentlich eher, was du möchtest.
Du kriegst bestimmte Codeblöcke ausgespuckt und kannst die so zusammenfügen. Also ich habe auf jeden Fall deutlich mehr von indischen YouTubern gelernt als von meinen Uni-Profs, würde ich sagen. Die haben es einfach drauf.
[Merlene]
Ich würde ganz gerne noch mal darauf hinaus, wie man sich traut, vielleicht auch etwas Neues auszuprobieren oder sich selber so eine kleine Challenge zu stellen. Wie würdest du sagen, gehst du mit diesem Thema um?
[Julia Alexandra Heidinger]
Also bei mir muss es immer einen intrinsischen Grund geben, um etwas Neues auszuprobieren.
Ich lerne schlecht nur des Lernens wegen. Also ich brauche irgendwie immer ein Ziel oder eine Motivation oder eine Idee, die ich verfolgen möchte. Und dann sind die Tools sozusagen das, was ich lerne, der Weg dahin.
Ich liebe es, neue Sachen auszuprobieren, deswegen fällt es mir leicht. Da habe ich jetzt nicht so die Hürde. Aber wenn man selber jetzt sagt, okay, ich würde gerne programmieren, aber ich traue mich irgendwie nicht, das auszuprobieren, dann würde ich immer raten, was würdest du denn noch gerne haben?
Gibt es vielleicht eine personelle Webseite, die du brauchst oder für das Café deiner Tante oder keine Ahnung, braucht die eine? Oder gibt es eine App-Idee, die du hast oder möchtest du mal ein Spiel machen? Also so ein bisschen auf das große Ganze den Blick richten und nicht nur ich muss jetzt programmieren lernen oder ich will jetzt programmieren lernen, sondern erst mal so, worauf würdest du dich freuen, wenn du das umsetzen könntest?
Das in den Vordergrund zu rücken. Und dann sind sozusagen die Technologien, die Programmiersprachen, die Sachen, die es brauchen, dahin zu kommen, ein bisschen zweitrangig. Und das ist halt auch das Schöne in der IT.
Es gibt so viele Möglichkeiten. Also man kann eine App umsetzen mit allen möglichen Programmiersprachen oder Spiele. Man ist auch so ein bisschen egal womit, wenn man dann weiter sich entwickelt und irgendwie ein anderes Skill Level erreicht.
Dann macht es irgendwann Sinn zu gucken, was macht irgendwie was performanter? Was macht mehr Sinn? Aber am Anfang geht es für mich immer darum, erst mal Spaß zu haben.
Ja, irgendwie so ein kleines Produkt zu entwickeln oder ein Spiel oder was auch immer, worauf man Lust hat. Was ich aber auch sehe, dass es krass ist, wenn man neue Sachen lernt, dass auf einmal sich ganz neue Welten erschließen. Also jetzt nicht beruflich, aber so im Hobby-Bereich lerne ich eigentlich die ganze Zeit immer neue Dinge, weil ich es total schön finde, so unsere Welt sich neu zu erklären.
Also ich habe jetzt zum Beispiel angefangen zu segeln, Bootsführerscheine zu machen, lerne gerade für irgendwie einen Pyrotechnik-Schein. Das braucht man auch immer auf dem Boot sozusagen für so Signale.
Aber das finde ich halt so krass, weil ich bin in Hamburg aufgewachsen und auf einmal spaziere ich hier am Hafen lang und verstehe die Hupe Zeichen von den Booten, was die damit kommunizieren. Und das finde ich halt so krass. Und alleine dafür lohnt es sich schon, einfach mal neue Dinge auszuprobieren.
[Merlene]
Ja, ich habe letztes Jahr angefangen, Schlagzeug zu spielen. Ja, Anfang letzten Jahres. Das ist ja richtig cool.
Ja, also relativ spät in meinem Leben. Und war dann aber sehr überrascht davon, weil offensichtlich kann ich es nicht von Anfang an, auch wenn es ein relativ intuitives Musikinstrument ist, wie man denken könnte. Genau, und war dann sehr überrascht davon, was es aber ansonsten mit mir gemacht hat.
Also ich musste total über meinen eigenen Schatten springen, zum Beispiel vor mir selber mir einzugestehen, dass ich davon jetzt noch gar nichts kann, dass ich wirklich mal wieder so bei Null anfange, dass das aber auch in Ordnung ist, weil ich vorher noch keinen Berührungspunkt damit wirklich hatte, außer es mal zu hören, aber ja nicht bewusst. Und dann auch wirklich mit meinem Schlagzeuglehrer dann so also ganz basic Anfänge zu machen, wo ich gemerkt habe, das ist so unangenehm am Anfang gewesen. Einfach weil alles, was man so nach der Schulzeit macht, in diesem Business-Kontext, man hat irgendwo immer einen Ansatzpunkt.
Es gibt sehr, sehr wenig Sachen, die du noch nie gemacht hast oder wo du noch gar keinen Plan hast. Und auf jeden Fall jedes Uni-Modul weiß ich, habe ich irgendwo einen Ansatz schon mal. Und das war für mich, um ehrlich zu sein, so eine ähnliche Erfahrung.
[Julia Alexandra Heidinger]
Wie gesagt, dieses eine Uni-Modul, wo wir coden mussten, da war das genau so. Also so, da hatte ich auch ein bisschen Angst, fast vor anderen auch so einzugestehen. Ich kann das noch gar nicht.
Ich hatte total tolle Kommilitonen, die mir dann geholfen haben und auch meinten so, wir beurteilen das nicht. Aber so, das hatte ich vor mir selber irgendwie total. Und sich da auch mal so überhaupt über seinen Schatten zu springen, auch andere zu fragen, finde ich auch schwierig.
[Merlene]
Deswegen freue ich mich auch, dass wir unseren Coder-Workshop machen. Genau, Start Hamburg, gemeinsam mit Lita und Alexandra, wo ein kleiner Safe Space geschaffen wird, damit man keine Angst haben muss, zu fragen, sondern einfach mal einen Anfang findet. Weil häufig ist es ja dann doch so irgendwie in einem Kurs oder einer Klasse, dass man vielleicht nicht so comfortable damit ist zu sagen, ich habe das gerade gar nicht verstanden.
Ich bin hier irgendwie ganz hinterher. Genau, und das ist am 13. August in der HafenCity, im Space, heißt glaub ich die Location.
Superschöne Location. Und da machen wir mal so ganz basic Level und vielleicht schaffen wir ja, dass die ein oder andere für sich Coding auch versteht und entdeckt. Ich würde ganz gerne noch mal ein bisschen weiter zurück in deinem Lebenslauf, weil wir jetzt irgendwie direkt reingedived sind.
Du hast das Social Developers Club gegründet und vorher hast du Medien studiert oder im Bereich Medien. Wie ist diese Entscheidung dorthin überhaupt erst mal gekommen, das zu machen? Im Abi?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, also im Abi tatsächlich schon, weil ich war im Medienprofil. Also ich kam gerade zurück aus den USA. Ich habe so nach der zehnten Klasse so ein klassisches Austauschjahr gemacht.
[Merlene]
Interessant. Und das ist tatsächlich auch, was alle Podcast Gäste, glaube ich, bisher gemeinsam haben, dass sie eine gewisse Zeit im Ausland verbracht haben und dass das einen sehr, sehr großen Einfluss dann auch hatte.
Vom Medien‑Studium zur Tech‑ und Corporate‑Karriere
[Julia Alexandra Heidinger]
Auf jeden Fall. Also ich habe seit ich elf bin, glaube ich, Cheerleading gemacht hier.
Und das war der einzige Grund auf meine Bewerbung, warum ich nach Amerika wollte. Alle haben so fünf Seiten geschrieben, so I want to learn the language and culture and pipapo. Und ich war so, I want to be a cheerleader.
Ich konnte gar kein Englisch, gar nichts. Irgendwie 14-jähriges Ich. Genau.
Und dann hat es aber direkt geklappt, weil meine Gastmutter Trainerin war von einem Team und ich war so die Erste, die eine Gastfamilie gefunden hat mit dieser komischen Bewerbung. War total glücklich. Hat alles super geklappt, hat mega viel Spaß gemacht.
Und in Amerika gibt es ja diese ganzen Klassenmodule, die man sich zusammenstellen kann. Und da war ich halt viel im Bereich Broadcasting, Student News und alles Mögliche. So was schon so in Richtung Film, Fernsehen, alles Mögliche so ging.
Und das ist mega cool. Und kam dann zurück. Und war so richtig knapp davor, dass ich halt noch in den nächsten Jahrgang sozusagen eingeschult wurde wieder.
Da meinte der Schulleiter so, okay, kannst du dir noch aussuchen. Es gibt irgendwie Sport, Pädagogik und Medien. Ich so, auf jeden Fall Medien.
Deswegen, das war irgendwie klar für mich, dass das mich gereizt hat. Ich wollte eh mal Auslandskorrespondentin werden. Ich weiß nicht, warum, wann das entstanden ist.
Aber das war so mein Traum, einfach viel reisen zu können. Genau, bisschen journalistisch zu arbeiten, hab immer viel geschrieben. Das war auch irgendwie richtig cool, dass es so diese Chance gab.
Weil wir hatten dann zum Beispiel Kunst einfach alles mit Photoshop gemacht. Also deswegen, es war irgendwie gut, dass mir da schon so die Angst vor so mich in Sachen Einarbeiten, in Software-Einarbeiten genommen wurde. Ich hab grad noch gesagt, ich find so Adobe-Programme, so gut sie auch sind qualitativ, wenn man sie beherrscht, das Beherrschen an sich braucht schon erst mal ein längeres Training.
Ja, es sind halt immer diese überkomplexen Programme für eigentlich Professionals. Und dann versucht man das zu nutzen für so sein Zeitprojekt oder Hobby-mäßig. Und dann denkst du so, oh mein Gott, wie geht das?
Und deswegen war es halt voll gut, dass das so in der Schule beigebracht wurde. Und ich dachte, ey, das ist voll wichtig, so nicht nur Medienkompetenz, sondern auch, wie geht man mit den Tools eigentlich um? Und dadurch, dass ich noch nicht so ganz genau wusste, so wie es danach für mich weitergeht, dachte ich, okay, dann erst mal irgendwas mit Medien.
Ich hab dann Medien und Information studiert an HW. Und das war so ein Studiergang, so ein bisschen von allem war. Also ein bisschen Recht, ein bisschen, ja, alles im Bereich Medien, aber halt auch so ein kleiner IT-Informatik-Teil.
Das hatte ich in dem Moment so ein bisschen ausgeblendet und dachte so, okay, hab ich eigentlich gar keinen Bock drauf, aber dann kümmere ich mich später drum. Und tatsächlich war dann das immer die Module, die mir am meisten Spaß gemacht haben. Wir haben dann zum Beispiel fürs Thalia-Theater einen Blog-Post gemacht, weil die hatten so ein Welt-Festival, wo irgendwie alle Stücke aus der ganzen Welt zusammenkamen und wir sollten dafür einen Blog schreiben.
Und es hatte aber keiner Bock, die Webseite dafür zu erstellen. Das war auch das erste Mal, wo ich so von WordPress gehört habe und dachte so, ah ja, irgendwie weiß ich, dass man damit irgendwie so Blogs machen kann. Let's go.
Und das haben dann eine Freundin und ich auch einfach so mit YouTube-Tutorials uns irgendwie zusammengebastelt, dass es funktioniert, so wie wir das wollten. Ja, letztendlich war ich voll froh, dass keiner Bock drauf hatte, weil es extrem viel Spaß gemacht hat und das so das erste Mal war, dass ich so richtig in Kontakt damit kam, irgendwie so selber Sachen anzupacken. Genau, und hatte dann irgendwie den Mut gefasst, mich darauf zu bewerben, auf solchen Stellen irgendwie in Hamburger Start-ups.
Weil du meinst ja, dir ist das unangenehm, wenn du komplett neu in Sachen bist, weißt du, oder von Anfang an leer. Aber eher, also ja genau, von mir selber auch, wo ich überrascht drüber war. Und ich mag das Gefühl total gerne.
[Merlene]
Ich weiß nicht warum, also ich wechsle lieber jeden Monat irgendwie neu meine Interessen und arbeite mich neu in Sachen ein. Als so extrem in die Tiefe zu gehen. Also immer, wenn ich merke, okay, ich verstehe irgendwas, dann denke ich, ja, dann kann ich jetzt das Nächste machen.
Ist nicht immer gut. Ich wünschte, ich wäre weitaus besser in die Tiefe ausgestattet, auch in meinen Eining-Skills, aber bis jetzt klappt es auch so ganz gut. Ich muss auch dazu sagen, es hat sich sehr verändert.
Also so dadurch, dass ich halt bestimmte Erfahrungen gemacht habe. Und ich bin auch ziemlich sicher, hätte ich nicht angefangen, Schlagzeug zu spielen, würde ich heute zum Beispiel nicht hier sitzen und jemanden interviewen, den ich noch gar nicht so gut kenne, wo ich aber denke, das hat einen Mehrwert für sehr viele andere Menschen. Also ich habe ja gemerkt, dass ich über meinen eigenen Schatten springen muss, um zu lernen.
Ich kann es nur lernen, indem ich es tue. So, ansonsten lerne ich kein Schlagzeug. So, wenn ich nur da vorne sitze und mir was durchlese, dann werde ich es niemals können.
Und dann war ich so richtig so, okay, the only way is through. Let's go. Genau.
Und das hat mich dann aber schon auch enabled oder so motiviert bei Events. Also das Nächste war dann irgendwie beim Cheftreff, bei einem Event. Habe ich für die HSBA, die Uni, an der ich zu der Zeit studiert habe, Social-Media-Beiträge gemacht und einfach Gründe angesprochen.
Und das Konzept war schon damals, okay, du hast jetzt was erreicht. Was würdest du deinem jüngeren Ich, nicht unbedingt, aber das war so eigentlich das Konzept, eine junge Person kann den nächsten Karriereschritt sagen und der Karriereschritt antwortet dann quasi.
Dass man so Weisheiten weitergibt. Und ich dachte so, oh, jetzt muss ich ja Leute ansprechen. Und jeder, den ich angesprochen habe, hat Ja gesagt.
Und das war für mich ein sehr, sehr großes Learning zu der Zeit. Und ich glaube, das hat sehr viel bei mir bewegt, dass man ganz, ganz viel machen kann und umsetzen kann in dieser Welt, wenn man sich nur traut. Ja, ich meine, die meisten Leute freuen sich doch auch, oder?
Irgendwie, wenn sie Wissen weitergeben können oder generell so Contributen zu Dingen.
[Julia Alexandra Heidinger]
Warum hast du dir eigentlich Schlagzeug ausgesucht?
[Merlene]
Weil es etwas war, wo ich das Gefühl hatte, da muss ich jetzt nicht erst mal Noten lernen, damit ich das direkt anfangen kann.
Das war der Hauptgrund tatsächlich, weil ich auch schon mal angefangen hatte, so Klavier zu lernen. Dann bin ich am Anfang schon so in meinem Kopf, dass ich schnell die Lust daran verliere. Leider.
Vielleicht kommt das ja auch noch. Genau. Aber Schlagzeug ist schon cool.
Ich werde jetzt erst mal professionelle Schlagzeugspielerin.
[Julia Alexandra Heidinger]
Das kommt doch bestimmt so richtig unerwartet, oder? Wenn irgendwo eins steht und du setzt einfach an und dann. Das solltest du machen.
[Merlene]
Dazu bin ich auch noch nicht fähig. Vielleicht bald.
Aber das habe ich sehr, sehr gemerkt, dass das auf jeden Fall auch eine positive Auswirkung hat. Deswegen hat es sich auf jeden Fall auch verändert. Ich möchte es nicht stehen lassen im Sinne von ich habe Angst vor mir selber, was nicht zu können.
Aber es war tatsächlich so. Und es war für mich überraschend, das so zu merken. Voll schön.
Ja, genau. Du hast studiert und dich dann beworben auf Projekte oder Stellen, die du noch nicht so gut kanntest. Habe ich das richtig verstanden?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, also tatsächlich habe ich bis dahin immer meine Jobs so unter dem Tisch. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll. Ich bin einfach irgendwo hingegangen und habe gefragt, kann ich hier anfangen?
Viele so Studijobs, Schülerinjobs, Kellnern oder nach dem Ausland habe ich zum Beispiel für die Organisationen gearbeitet, die diese Schüleraustausche plant, weil die mich gefragt hatten. Es hat sich immer irgendwie ergeben, dass ich so Jobs hatte, aber ich habe mich nie irgendwo beworben. Und das wollte ich einfach mal üben, weil ich dachte so, ich bin ja schon Studentin und ich habe mich noch nie so offiziell beworben.
Ich habe irgendwie das letzte Mal in der 8. Klasse so einen Lebenslauf beschrieben. Das kann doch nicht sein.
Und wir hatten immer so eine Wand an der Uni, wo eigentlich alle Jobs so ausgehangen waren. Und dann dachte ich so, ich hatte zu der Zeit zwei Jobs, mit denen ich super happy war und war so, ja, ich brauche keine, aber ich will es jetzt einfach mal üben.
Ich habe schon immer das liebt, Sachen parallel zu machen. Ich habe für die Austauschorganisation gearbeitet, also Interviews gemacht mit Schülerinnen und Schülern, die Lust hatten, ins Ausland zu gehen, zu gucken, ob die so ready sind. Und genau, also diese klassischen Interviews davor.
Dann haben wir mal telefoniert. Ja, kann sein, ja. Ich habe gekellnert und gebabysittet, glaube ich, auch zu der Zeit.
Also alles eigentlich gute Sachen, die man so gut miteinander kombinieren konnte und hatte eigentlich auch nicht das Bedürfnis, jetzt irgendwo anzufangen, neu oder noch was dazu zu machen. Und genau, dachte, ich übe das jetzt einfach mal und habe mir von dieser Wand so das ausgesucht, was am unrealistischsten ist, dass ich da reinkomme, weil ich ja nicht wirklich den Job haben wollte, sondern einfach nur mal das so üben. Und das war damals bei About You.
Die waren gerade neu gegründet. Die hießen auch noch nicht About You, glaube ich, Project Collins oder so. Und genau, dachte ich, die brauchen wir wie HTML, CSS, keine Ahnung, irgendwie so eine Frontend- oder Newsletter-Tasche, keine Ahnung, weiß nicht mehr genau.
[Merlene]
Ganz kurz, was ist der Unterschied zwischen Frontend und Backend? Also ich stelle mir das immer so vor wie ein Restaurant, dass das Frontend ist das, wo wir Gäste sitzen, wo wir die Einrichtung sehen, wo wir das Essen essen und interagieren sozusagen. Und das Backend wäre die Küche, wo alles vorbereitet wird, wo das Essen gekocht wird.
[Julia Alexandra Heidinger]
Und genau, dann gibt es sozusagen APIs oder Schnittstellen. Das sind für mich die Kellner, die dann sozusagen die Informationen vom Backend ins Frontend bringen. Das heißt auf einer Webseite alles, womit du als Userin interagierst, ist das Frontend und alles, was die Kommunikation zum Server ist, ist das Backend.
Genau, auf jeden Fall war das eine Stelle in der BI, also so Business Intelligence, viel mit Daten. Und die brauchten halt irgendjemand, der Newsletter macht und alles ein bisschen schick macht sozusagen auch an deren eigenen Tools. Und ich sage, ja, okay, wir hatten so in dem Studium ein HTML-Modul.
Und ich war so, das wird nicht reichen. Aber cool, habe ich schon mal gehört, bewerbe ich mich drauf. Kann ich ein bisschen was darüber erzählen.
Habe nicht damit gerechnet, dass ich eingeladen wurde, ehrlich gesagt.
[Merlene]
Zu welcher Zeit war das? War About You da schon? Wahrscheinlich noch kein Unicorn.
[Julia Alexandra Heidinger]
Nein, nein, das war vor vielen, vielen Jahren. Also da waren wir vielleicht 100 Leute.
Maximal 50 Prozent sicherlich Werkstudentinnen und Werkstudenten. Also genau, unser Sommerfest war noch beim Gründer in der Wohnung. Also das war eine kleine Reckmühle.
Genau, aber es ist auch ziemlich schnell gewachsen, schon zu der Zeit. Und auch, genau, also ich habe den Job bekommen.
Und zwar war das so, ich bin dann dahin zum Bewerbungsgespräch, bis irgendwann mein damaliger Chef meinte, weißt du überhaupt, was wir hier tun? Und ich so, nee, das sagt mir ehrlich gesagt gar nichts. Das war dann irgendwie doch CRM und BI so gemixt.
Und ich so, erklär mal, erzähl doch mal, was macht ihr? Und die waren erst mal so, hä? Müsstest du das nicht wissen?
Aber irgendwie war es super locker und wir hatten echt einen guten Vibe. Und ich meinte so, ich habe auf jeden Fall, also nachdem man erzählt hatte, was wir machen, es klingt richtig cool, hätte ich auf jeden Fall Bock zu lernen. Und wir meinten so, okay, das reicht eigentlich schon für uns.
Wenn du die Motivation mitbringst. Und haben mir dann den Job angeboten und ich so, shit, das war gar nicht der Plan. Aber irgendwie dachte ich, es ist schon besser in einem Unternehmen, in einem echten Unternehmen, sag ich mal, Berufserfahrung zu sammeln und das als mein Job zu sehen, als irgendwie bis nach zum Eins zu kellnern.
Genau, und hab dann getauscht sozusagen die beiden Jobs und hab da angefangen. Und musste mir dann halt ziemlich viel selber beibringen, so wie das im Startup ist. Man kriegt sehr viele Rollen auf einmal und sehr viel Verantwortung.
Ich glaube, den ersten Newsletter, den ich je gebaut habe, der ist dann rausgegangen an 70.000 Leute oder so mit sehr vielen Fehlern. Es war in allen Browsern nicht wirklich gut angezeigt. Es hat auch niemand noch mal geprüft.
Auf jeden Fall eine wilde Zeit. Das klingt witzig. Aber war cool.
Also da habe ich auf jeden Fall eine richtig steile Lernkurve gehabt. Und so hat sich das dann ergeben, dass ich dadurch irgendwie die Confidence oder das Selbstvertrauen bekommen hatte, dass ich auch in andere Teams gehen kann. Genau, ich war da nur ein halbes Jahr da, weil der Workload echt krass ist.
Und ich habe von da schon gemerkt, okay, das ist nicht so ganz, das, wie ich mir mein Leben vorstelle. Ich will auch mal Freizeit und andere Dinge. Bin dann eh fürs Praktikum weggegangen in den Süden und dann in die IT-Beratung danach.
Nach Stuttgart zu Daimler. Da haben die gerade Card2Go aufgebaut.
[Merlene]
Das war da ganz neu. Ah, sehr cool. Mittlerweile gibt es das nicht mehr, oder?
[Julia Alexandra Heidinger]
Nee, die wurden alle zusammengetragen. Also ich war dafür, den chinesischen Markt mit aufzubauen. Da geht ja viel über WeChat auch.
Genau, habe aber auch Hamburg-Kampagnen gemacht. Aber es war auch relativ Marketing-lastig. Also es war so ein bisschen so ein Mix.
[Merlene]
Aber es sind ja schon mal richtig coole Markennamen in deinem Lebenslauf. About You und Daimler. Doch schön, dass du irgendwie so die Möglichkeit bekommen hast, auch bei About You, das noch zu lernen an der Job.
Ich finde, das hört man gar nicht mehr so oft, dass Leute eingestellt werden mit einfach der Energie und vielleicht ein bisschen Grundwissen, so wirklich was umzusetzen.
[Julia Alexandra Heidinger]
An meinem ersten Tag meint auch Tarek und ich glaube auch noch die anderen Gründer waren dabei, es ist voll okay, wenn ihr das einfach als Sprungbrett nutzt. Wenn ihr das hier ein halbes Jahr seid, dann kriegt ihr überall einen Job.
Und so war es dann halt auch. Ich, aber auch viele andere sind dann auch zu Otto gegangen und haben dann da so ein bisschen ruhiger gemacht. Aber ja, das wurde auch oft genutzt.
[Merlene]
Stimmt, About You ist ja quasi Otto so ein bisschen entsprungen, wenn ich das richtig zusammenbekomme. Beziehungsweise Tarek Müller war bei Otto vorher.
[Julia Alexandra Heidinger]
Ich weiß gar nicht, ob er da auch war, aber ja, es ist glaube ich Kapital von Otto mit drin, aber auch sehr viel Kapital von den Gründern selber.
Aber ich glaube, einer ist noch irgendwie sehr involviert da gewesen worden. Also ich habe Freunde von damals, die immer noch da arbeiten. Ich glaube, die waren mittlerweile bestimmt so zehn Jahre Werkstudenten dort, wo ich auch so denke, okay, die haben dann aber schon mehr verdient, als alle anderen, die angestellt waren, gefühlt.
Und dass sich das Unternehmen dann immer noch Start-up genannt hat, fand ich irgendwann verrückt so, weil ich dachte so, okay, ihr könnt nicht einfach sagen, ihr seid ein Start-up und dadurch die Kultur rechtfertigen. Wer Bock drauf hat, da kann man auf jeden Fall viel lernen.
[Merlene]
Okay, das heißt, About You, Daimler, Otto, auch in der Reihenfolge?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, vor Otto war ich noch in einer IT-Beratung, habe mir das mal angeguckt, ob das was für mich wäre.
Doch, also es war ganz cool, einfach auch so viele Kundenprojekte zu sehen. Aber ich habe schon gemerkt, dass ich irgendwie Lust habe auf Produkt.
Genau, also weder Agentur noch irgendwie Beratung, sondern so eigene Produkte zu entwickeln.
Sichtbarkeit, Selbstvertrauen und Neues lernen
[Merlene]
Wir haben auf diesem Event von NetLight und 1,5, von dem ich sprach, mit Women Leading Tech and Energy war es, glaube ich, auch darüber gesprochen, wie man in einem Unternehmen vorankommt. Und da hast du auf jeden Fall auch coole Tipps gegeben.
Du meintest, du setzt dir immer eine kleine Herausforderung, um dir auch selber Sichtbarkeit im Unternehmen zu verschaffen und setzt dir dann eine Belohnung zum Schluss. Wenn du in dem Meeting laut aufsprichst und dich so ein bisschen in den Mittelpunkt stellst, was ja nicht für jeden angenehm ist, dass du dann sagst, okay, dann geht es heute auf dem Weg nach Hause, gehe ich an meinem Lieblingsrestaurant vorbei oder so. Oder dann mache ich am Wochenende so ein Spa-Day.
Hast du da so ein, zwei konkrete Beispiele, wo du dich daran erinnern kannst, dass es so war?
[Julia Alexandra Heidinger]
Also in der IT-Branche, die ist ja sehr männerlastig.
Und teilweise sind halt auch so Sprüche gefallen oder sowas. Und da habe ich halt gelernt, voll für mich einzustehen. Ich dachte am Anfang, es wäre cool, so ein bisschen unterschätzt zu werden, weil man dann irgendwie sich beweisen kann und alle so, oh, hätte ich gar nicht gedacht.
Aber irgendwann habe ich gemerkt, das ist voll Kacke, so nicht wirklich ernst genommen zu werden und sich immer beweisen zu müssen. So, das ist doch scheiße. Genau, und eine der Sachen war, das habe ich bei einem Google I am Remarkable Workshop gelernt, dass Frauen immer sagen, wir haben das gemacht, wenn sie über Leistungen sprechen.
Und das habe ich immer gemacht. So, egal, was ich gemacht habe und meistens irgendwie alleine irgendwas umgesetzt. Ich habe irgendwas gesagt, ah ja, wir haben dann das und das.
Und so immer unkonkret formuliert, was ich eigentlich gemacht habe. Und immer das als Teamleistung gesehen, auch wenn es gar keine war. Das war auf jeden Fall so mein erstes Jahresgespräch, was ich in der Festanstellung hatte.
Dafür hatte ich mir das vorgenommen, wirklich so zu sagen, was ich gemacht habe, mir das auch vorher alles das ganze Jahr über schon zu dokumentieren, herauszustellen, weil ich wollte eh schon immer 80 Prozent arbeiten. Und um 80 Prozent zu arbeiten, braucht man trotzdem mehr Gehalt, damit das Leben trotzdem noch so gut läuft. Genau, und wusste, okay, das nutze ich zum einen für eine Gehaltserhöhung, aber auch, um genau aus meiner Komfortzone rauszugehen und wirklich dafür einzustehen, was ich gemacht habe.
Genau, und das auch so zu kommunizieren. Und das war irgendwie voll die Herausforderung für mich, das so angeberisch zu sagen, obwohl es ja gar nicht angeberisch ist. Das ist ja einfach nur so, wie es gelaufen ist.
Aber das halt auch zum einen vor meinem Chef, aber auch in größeren Gruppen vor anderen zu machen, das war eine Herausforderung, für die es auf jeden Fall ein Spa-Day gab.
[Merlene]
Sehr schön, sehr schön. Und hat es dann funktioniert?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, also das Gute ist, ich habe auch mit meinem aktuellen Chef sehr viel Glück, dass der auch das auf dem Zettel hat und sieht. Aber ich glaube, das ist in wenigen Fällen so, gerade wenn die Teams irgendwie größer sind. Ja, aber so hat es ganz gut funktioniert für mich auf jeden Fall.
[Merlene]
Sehr schön, arbeitest du jetzt auf 80 Prozent?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, ich bin direkt so eingestiegen.
Perfekt. Es ist perfekt. Also auch, wenn eine Woche mal richtig scheiße ist, dann weiß man, okay, sind halt 4 Tage, so kriegt man das irgendwie rüber.
[Merlene]
Oder wenn es Montagabend schlecht ist, dann weiß man, okay, eigentlich noch 3. Alles ist irgendwie machbarer, ich finde. Also ich muss mir vornehmen, auch mehr das Wochenende als Wochenende zu sehen, weil aktuell nutze ich das einfach als Chance, andere Dinge zu tun.
Genau, also viel selbstständig oder auch im Social-Media-Festival. Aber selbst da die Freiheit und Selbstbestimmtheit zu haben, finde ich so gut und es fühlt sich so sehr frei an. Oder auch einfach Sachen zu machen, die unter der Woche besser funktionieren.
Einkaufen oder über den Isemarkt schlendern oder so, ist einfach schön. Es hat schon Lebensqualität.
[Julia Alexandra Heidinger]
Und ich finde die Diskussion um die 4-Tage-Woche auch sehr, sehr berechtigt. Ich wünsche mir auch, dass sich das durchsetzt. Also ich finde es auch so krass, weil ich würde mal behaupten, dass ich genauso viel schaffe wie Kollegen, die 100% arbeiten in 80%.
Gerade wenn man im Büro ist, finde ich, da geht so viel Zeit flöten. Ich merke es im Homeoffice, wie produktiv wir alle sind.
Also ich schaffe ein Projekt in so viel Zeit, wie viel Zeit ich habe. Das gibt ja dieses Konzept, dass alles immer so lange dauert, wie viel Zeit man hat. Und wenn ich mir selber eigene Deadlines setze, die irgendwie härter sind, dann kriege ich auch viel mehr geschafft, als wenn ich jetzt noch diese 8 Stunden extra hätte in der Woche.
Ist natürlich auch unfair, weil 20% wäre ja Gehalt für eigentlich den gleichen Output. Aber das ist es mir wert.
[Merlene]
Das heißt, du bist jetzt noch bei Otto?
[Julia Alexandra Heidinger]
Nee, bei Otto war meine letzte Werkstudentenstellung. Ah, okay. Genau, also alles war sozusagen Werkstudentenzeit.
Studiumszeit, da habe ich versucht, möglichst viel auszuprobieren, um irgendwie klarzukriegen, worauf ich Lust habe. Und bin dann eingestiegen bei Corona und Jahr. Also hier gegenüber am Hafen.
Und die wurden jetzt gekauft von RTL. Also bin ich jetzt jetzt bei RTL.
Ich dachte, es wird schlimmer. Also es war extrem schlimm, weil viele Leute entlassen wurden. Aber mein Team ist einfach genau gleich geblieben.
Und wir machen so unser eigenes Ding irgendwie und das ist schon schön.
[Merlene]
Und wie bist du dazu gekommen, den Social Developers Club zu gründen? Also was war dein Leiter dahin, wirklich was Eigenes zu machen?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, also als ich in die Tech-Branche gestartet bin, gab es schon relativ viele so Meetups, also so Afterwork-Events, wo Entwicklerinnen und Entwickler beziehungsweise hauptsächlich Entwickler sich ausgetauscht haben zu Technologiethemen, bestimmten Programmiersprachen. Und das habe ich auch sehr genutzt, auch Frauennetzwerke, in denen es passiert ist.
Aber ich fand es immer so ein bisschen schade, dass alle Gruppen für sich waren. Also nicht nur Frauen für sich, sondern auch unterschiedliche Programmiersprachen so für sich und irgendwie nie übergreifend Austausch stattgefunden hat. Das hat meine Mitgründerin Sabrina genauso gesehen.
Da dachten wir, wäre es eigentlich ganz cool, mal alle Technologie-Bereiche zusammenzubringen, unterschiedliche Branchen, aber auch Skillsets, Hintergründe und das als kleines Event zu machen, also dass halt wirklich mehr Innovation und Austausch in den jeweiligen Bereichen besteht. Und daraufhin haben wir dann ein Kick-off-Event gestartet. Also dachten wir, wir probieren mal aus, fragen mal unsere Netzwerke, wie die das so sehen.
Und haben eine kleine Agenda geplant, die wirklich genauso bunt zusammengemixt war. Ich glaube, letztendlich haben über 100 Leute teilgenommen und haben gesehen, okay, dafür ist Bedarf. Dann war ich auch noch in der Zeit gerade, genau, da ich mit meinem Studium und habe so ein paar Informatik-Module gesammelt und war so, okay, wo bewerbe ich mich jetzt?
Und fand es immer so ein bisschen schade, dass man Unternehmen erst kennenlernt, wenn man sich schon beworben hat und zum Vorstellungsgespräch da ist und eigentlich selten die Chance hat, wirklich selber mal reinzublicken. Und deswegen dachten wir, okay, das ist eigentlich perfekt mit unserem Konzept, was wir machen wollen, irgendwie unterschiedliche Tech-Themen immer als Einsteiger, Meet-up zu beleuchten und haben das dann immer in einer anderen Firma gemacht, so dass wir halt auch die ganze Hamburger Tech-Firmen, Communities sozusagen kennengelernt haben. Und da haben sich so die Welten getroffen.
Zum einen unterschiedliche Technologie-Themen, zum anderen, dass man unterschiedliche Firmen sieht und Communities kennenlernt, aber auch, dass wir einfach selber die Chance hatten, die ganzen tollen Frauen, die wir kannten, auf die Bühne zu stellen und sichtbar zu machen und nicht in dem Kontext, warum gibt es so wenig Frauen in der IT, sondern die haben einfach über ihre Expertise erzählt in der Programmierung, aber waren gleichzeitig ein Vorbild für viele Mädels und Frauen, die das sonst nicht so gesehen hatten. Ja, das ist ja auch der Grund von Leader oder der Purpose, wieso ich das Projekt gestartet habe, weil es generell in der Business-Welt in Führungspositionen ja noch nicht 50-50 ist und es fehlen sehr, sehr viele weibliche Vorbilder.
[Merlene]
Ich bin da total bei, ich finde es immer schade, wenn es so negativ beleuchtet wird und dann irgendwie nur am International Women's Day irgendwie ein paar Frauen gezeigt werden und danach geht es wieder zu Punkt Null.
[Julia Alexandra Heidinger]
Hier ist eigentlich eine ganz schöne Plattform, um viele Frauen, die schon sehr Großes erreicht haben, aber jetzt nicht unbedingt eine Personal Brand haben, den Platz zu schaffen.
[Merlene]
Da bist du ein bisschen anders. Du hast ja schon eine Personal Brand, auf jeden Fall auf LinkedIn und Instagram einige Follower. Hast du schon für dich einen nächsten Schritt? Weil es wirkt so, als wärst du jetzt so sehr, sehr zufrieden und es klingt für mich sehr attraktiv, wie gesagt, vier Tage die Woche zu arbeiten.
Und du hast auch dein Projekt noch nebenbei, den Social Developers Club. Hast du irgendwie für die Zukunft noch ein Ziel, dass du das stärker ausarbeiten möchtest oder?
[Julia Alexandra Heidinger]
Ja, ich möchte auf jeden Fall.
Also ich habe auch ein so tolles Team aus Volunteers. Mein Ziel wäre es, dass die nicht alle Volunteers sein müssen, also dass ich Leute auch bezahlen kann für deren Arbeit. Aber wir hatten auch mit Lucina Cochen dieses Jahr viel erarbeitet, dass eigentlich viele Sachen bei uns auch Routine sind, wo man Templates erstellen kann, wo man vorarbeiten kann, was man wiederverwenden kann.
Und das war mir vorher gar nicht so bewusst. Eigentlich die ganzen Events sind dadurch so viel leichter geworden, weil es so eine Routine mittlerweile ist. Wir haben so eine tolle Community.
Also wir können immer mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern rechnen. Wir haben so ein riesiges Speaker-Datenbank mittlerweile, dass wir auch an andere weiter connecten können. Und aktuell ist mein Ziel, diese ganzen Prozesse irgendwie simpel zu machen, verständlich zu machen, auch für Leute, die sich neu engagieren wollen, verständlich zu machen, was wir machen, wie man sich engagieren kann, wie man reinkommt.
Und genau, die Leute auch im besten Fall zu bezahlen für das, was sie tun. Deswegen auch noch mal auf einer Business-Ebene zu gucken, okay, wie können wir den Wert, den wir gerade schaffen, auch noch attraktiver für unsere Partner-Unternehmen machen? Und das ist halt alles.
Also klar, alle machen das gerne ehrenamtlich und ich ja auch. Also wir zahlen uns jetzt auch kein wirkliches Gehalt. Aus der Firma, sondern investieren eigentlich alles wieder in die Firma rein.
Aber das wäre so der nächste Step, den ich mir gut vorstellen könnte, das so ein bisschen ernster zu nehmen auf einer Business-Ebene, aber trotzdem, dass der Spaß dabei nicht verloren geht.
[Merlene]
Und du hast gerade gesagt, ihr habt mit einer Coachin zusammengearbeitet. Wie kam es zu der Entscheidung?
[Julia Alexandra Heidinger]
Also ich bin auch Mentorin bei Start-up-Programmen, sozusagen helfe mal mit allen Tech-Fragen, Tech-Stack, wie Ideen technisch umgesetzt werden können. Auch hier im Körperhub? Im Körperhub auch teilweise, genau, zu bestimmten Projekten, aber auch für die Kreativgesellschaft allgemein, für MediaLift.
Eine andere Mentorin ist die Lucy und die hatte sich auch vorgestellt. Wir hatten so eine Vorstellungsrunde und da hatte sie erzählt, dass sie schon mehrere Unternehmen gegründet hatte, wo alle ehrenamtlich arbeiten und da Systeme geschaffen. Da habe ich gesagt, okay, ich brauche dich und habe sie direkt angesprochen und meinte, okay, ich baue das gerade auf, was du schon ein paar Mal erfolgreich umgesetzt hast.
Kannst du mir helfen? Und sie so, ja, ich bin Coachin, ich mache das hoffentlich. Ich so, perfekt.
Und sie hat da viele Wege uns aufgezeigt, sind aber auch noch mal ganz an den Anfang gegangen, haben unsere Werte überarbeitet, unsere, ja, galaktisch einfach so Visionen, Missionsstatements erarbeitet und dann halt auch Teamaufteilungen einfach noch mal geguckt, wo sind unsere Stärken und wie können wir eigentlich am besten und effektivsten zusammenarbeiten?
[Merlene]
Als abschließende Frage stelle ich immer die Frage, was würdest du deinem jüngeren Ich raten aus deiner heutigen Sicht auf das Leben?
[Julia Alexandra Heidinger]
Oh, die kleine Frage hier. Auf das Berufsleben, mutiger zu sein und Dinge auszuprobieren, auch wenn man sie eben noch nicht kann oder das Gefühl hat, man kann sie noch nicht genug.
Ich habe das Gefühl, dass alle, also gerade wenn es im Berufseinstieg geht, so tun, als könnten sie es und alle versuchen es irgendwie nur so zu lernen und zu können und da geht es einfach allen gleich. Und ich würde mir selber oder meinem jüngeren Ich raten, einfach mutiger zu sein und selber auch die Initiative zu ergreifen und proaktiv auf Unternehmen zuzugehen, wo ich gerne arbeiten würde. Und wie wird man mutiger?
Indem man immer wieder aus seiner Komfortzone rausgeht. Am Anfang ist es so unangenehm und ich habe es gehasst, aber jetzt liebe ich es. Also ich versuche mir ständig Challenges zu stellen, wie ich in Situationen komme, die mir eigentlich unangenehm sind oder die ich von mir aus nicht machen würde.
Aber dieses Gefühl ist irgendwann so normal und es ist so wertvoll, weil es gibt einem so viel mehr, wenn man sein Horizont einfach sehr oft erweitern kann.
[Merlene]
Perfekt. Dann ganz herzlichen Dank, dass du hier warst.
[Julia Alexandra Heidinger]
Danke für die Einladung.
[Transkript Ende]
Selbstvertrauen und Neues lernen wie Julia
Female Leadership in Tech entsteht nicht durch perfekte Lebensläufe, sondern durch Mut, Lernbereitschaft und Verantwortung. Julia Alexandra Heidinger zeigt, wie wirksame Entwicklung gelingt, wenn Menschen sich trauen, neue Wege zu gehen und andere mitzunehmen.
Hör hier die ganze Folge mit Julia.




