Female Founders, Intimate Wellness & Wachstum: Anna Kössel über Mut, Gründung und Führung
- leadHER

- 11. März
- 36 Min. Lesezeit
Anna Kössel, Co‑Founderin von Nevernot, hat gemeinsam mit ihrer Mitgründerin eine Love‑Brand im Bereich Intimate Wellness aufgebaut und den Weg vom D2C‑Startup in den stationären Handel gemeistert. In dieser Episode des leadHER Podcasts spricht sie über mutige Entscheidungen, Wachstum als Gründerin und Female Leadership.
Anna erzählt offen von der gemeinsamen Gründung mit ihrer Co‑Founderin, dem Weg vom D2C‑Startup in den Retail und den persönlichen Learnings, die Wachstum mit sich bringen. Ein ehrliches Gespräch über Unternehmertum, Verantwortung und Female Founders jenseits klassischer Rollenbilder.
Disclaimer: Dieses Transkript wurde mit KI erstellt. Es können Abweichungen zum Original-Audio vorkommen.

Hör jetzt das ganze Gespräch mit Anna.
Das Gespräch mit Anna Kössel: Female Founders & Wachstum
[Anna Kössel]
Schön, dass du da bist.
[Merlene]
Ganz herzlichen Dank für deine Einladung und deine wunderschöne Wohnung. Ihr zieht ja gerade um mit dem Büro auf eine etwas größere Fläche. Das Team wird größer.
[Anna Kössel]
Genau, wird wieder größer. Also wir waren mal ein relativ großes Team, haben dann ja den Switch gemacht von D2C zu B2B. Also unser Fokus ist gerade voll auf Retail-Business.
Da in dem Zuge hatten wir dann unser Team verkleinert, weil wir gerade so in der Content-Produktion gar nicht mehr so viele Leute brauchten. Und ein sehr großer Teil von unserem Team war wirklich auf E-Commerce, Content-Produktion, Marketing ausgelegt. Und jetzt lassen wir das Team wieder langsam wachsen.
[Merlene]
Nice. Wir haben ja auch unsere leadHER-Community und WhatsApp-Gruppe. Und ich habe heute schon reingepostet, dass ich mit dir spreche.
Und die ersten Kommentare waren auch so, oh wie cool. Die gehören seit Jahren zu meinen Bathroom-Basics oder die Sachen, die ich halt immer dabei haben muss. Man kennt euch auf jeden Fall und ihr seid sehr beliebt.
Ich muss aber mal fragen, weil es ja schon ein sehr besonderes Produkt ist. Wie bist du zur Gründung von Nevernot gekommen?
[Anna Kössel]
Ja, ganz einfach gesagt durch meine Co-Founderin. Also wir haben davor in einem Blockchain-Startup zusammengearbeitet. Da war sie Head of Marketing, ich Head of Finance.
Klingt erstmal, als hätten wir natürlich vorher was ganz anderes gemacht. Haben wir auch. Wir hatten aber beide davor schon Touchpoints mit den Bereichen Consumer und D2C und so weiter.
Katha war zum Beispiel bei Glossybox mit dabei, ganz am Anfang. Und ich war bei einem der Investoren, die dann auch bei Hello Body und Ocean's Apart zum Beispiel investiert waren. Und so hatten wir da beide schon unsere Insights.
Katha hatte aber schon sehr, sehr lange diese Idee mit den Soft-Tampons. Also wirklich jahrelang und hatte halt immer nach der richtigen Co-Founderin oder einem richtigen Co-Founder gesucht. Aber da muss man sich natürlich vorstellen, für dieses Produkt, da musst du dann schon jemanden haben, der auch Bock hat, sowas Provokatives auch mitzumachen oder was, was vielleicht nicht so Standard ist und das vielleicht auch mal anecken kann.
Und wir haben halt in unserem Job da, in diesem Blockchain-Startup einfach festgestellt, dass wir sehr, sehr gut zusammen funktionieren. Katha hat mir das dann gepitcht und dann haben wir relativ schnell losgelegt.
[Merlene]
Sehr cool. Was seid ihr so für unterschiedliche Typen? Also ich habe sie tatsächlich mal erlebt auf dem Project A Knowledge Conference letztes Jahr, Ende letzten Jahres.
Und ich fand es so cool, was sie so alles erzählt hat über eure Marketing-Sachen. Auch so ein bisschen die Struggles können wir gleich nochmal drauf eingehen. Aber sie ist, glaube ich, ein anderer Typ als du.
[Anna Kössel]
Ja, also wir sind in mancher Hinsicht sehr, sehr, sehr verschieden. Und in anderer Hinsicht haben wir aber so eine gemeinsame Grundlage. Also wir haben zum Beispiel, glaube ich, eine sehr ähnliche Auffassung von unserer Arbeitsethik.
Wir haben vor allem, und das ist wirklich wichtig, einfach denselben Humor. Und ich glaube, das hat uns einfach die letzten fünf Jahre wirklich auch immer wieder gerettet. Weil jeder, der mal ein Startup gegründet hat und auch Leute, die in Startups gearbeitet haben, wissen, wie es da auf und ab geht emotional.
Und ich glaube, wenn man da nicht einfach viel drüber lachen kann, dann macht es einem das auch wirklich schwierig. Also das ist so unsere gemeinsame Basis eigentlich. Und wir wissen halt auch vor allem, dass wir uns auf die jeweils andere verlassen können.
Aber was uns wirklich unterscheidet, also Kata ist ja einfach dieser wahnsinnig kreative Kopf von Nevernot. Und wie man das eben von Kreativen kennt, hat sie halt ganz viele tausende Ideen. Und ständig muss irgendwas geändert werden und blablabla.
Und was auch dann dazu führt, dass unser Marketing und unsere Marke so sind, wie sie sind und so erfolgreich sind. Aber ich bin eher so der stabile, ruhige Typ. Deswegen mache ich auch so Sachen wie Operations, Finance.
Also alles, was man eigentlich ein bisschen unter langweilig verbucht. Aber ich bin da trotzdem eher so der Nerdy-Typ. Ich finde das dann eigentlich auch ganz geil, mal durch die Zahlen.
Es ist ja eigentlich, wie wenn man durch die kalte Küche geht. Man weiß halt wirklich, woran man ist und weiß halt, was läuft und was nicht. Und ich glaube, das ist einfach so, wo wir grundverschieden sind.
Aber wo wir uns natürlich auch wahnsinnig gut ergänzen. Weil man sieht das schon auch oft bei anderen Gründerinnen und Gründern, dass Leute zu sehr sich dann in ihre Bereiche gegenseitig einmischen. Und das ist bei uns eigentlich fast gar nicht der Fall.
Es funktioniert einfach richtig gut, dass wir uns da so ergänzen.
[Merlene]
Ja, viele Start-Ups scheitern ja daran, dass die Co-Gründer sich irgendwann nicht mehr verstehen. Wann kommt eigentlich der Punkt? Weil ich finde, so eine Start-Up-Gründung ist halt ein richtig krasser Schritt.
Wann kam der Punkt für euch? Du hast gesagt, ihr habt vorher schon in einem Start-Up gearbeitet gemeinsam. Zu sagen, okay, wir machen jetzt diesen Schritt, wir machen das selber.
Mut zur Gründung, Wachstum & unternehmerische Entscheidungen
[Anna Kössel]
Ja, ich glaube, also wir kommen beide aus Familien, wo so Unternehmertum schon auch immer so ein Thema war. Ich glaube, dass das auch ein Privileg von uns beiden war, dass wir uns das auch beide getraut haben, beziehungsweise dass es sogar fast selbstverständlich war. Also für uns war das nie so eine Riesenangst, diesen Schritt zu gehen.
Aber manchmal muss man ja auch sagen, Mut und Naivität liegen manchmal sehr nah beieinander. Manchmal weiß man ja auch gar nicht, was kommt da auf mich zu. Aber ich war, glaube ich, auch immer schon so, ich habe einfach Sachen gemacht und dann stand ich manchmal da und dachte so, ups, das war doch ein bisschen krass.
Aber ich war einfach, glaube ich, immer schon so. Also ich bin auch immer schon viel gereist und habe mir nie irgendwie so viele Sorgen gemacht. Ich wollte einfach Sachen immer durchziehen und hatte einfach Bock.
Und das hat bei mir immer deutlich überwiegt, als dass ich da so sehr Angst vor Sachen hätte. Und ja, ich war eigentlich, glaube ich, immer schon sehr abenteuerlustig und wollte einfach Sachen erleben und hatte einfach auch Bock, Sachen umzusetzen, mein eigenes Ding aufzubauen. Und ich glaube, das war bei Katha auch so.
Und deswegen, ja, ich glaube, da war nie so ein Punkt, wo wir gedacht haben, oh, sollen wir jetzt oder wann machen wir es jetzt? Sondern wir haben einfach gesagt, okay, geile Idee, wie machen wir es? Also war gar nicht so, ob, sondern wie.
[Merlene]
Sehr cool, sehr, sehr cool. Übrigens, das hat Isabelle mir auch erzählt, mit der ich am Montag gesprochen habe, die Geschäftsführerin von Odaline, dass sie auch immer einfach so sehr wagemutig Sachen gepitcht hat, bevor sie fast überlegt hat, okay, kann ich das überhaupt oder so? Oder ist es überhaupt richtig?
Da scheint es irgendwie auf jeden Fall Synergien zu geben oder so, was vielleicht erfolgreiche Menschen auch ausmacht. Euer Startup ist jetzt eigentlich sehr besonders, dadurch, dass ihr ja ein physisches Produkt habt. Weil viele Gründer, die ich kenne, haben irgendwie eine App gebaut oder so oder halt ein Softwareprodukt, wo man jetzt gar nicht so in die Produktion gehen muss.
Wie habt ihr, wie seid ihr damit umgegangen? Wie kam es zum ersten Produkt?
[Anna Kössel]
Ja, also auch das war gar nicht so das Thema. Also ich glaube, vor 30 Jahren so etwas zu gründen, war ein ganz anderes Ding. Ich meine, ich gehe jetzt einfach auf Google, gebe ein paar Suchbegriffe ein oder mittlerweile würde ich wahrscheinlich dann auch auf GTP starten.
Und ja, das war auch das. Hat sich irgendwie relativ natürlich so ergeben. Also hast du halt gesucht, okay, kann ich sowas in Deutschland suchen, muss ich ins Ausland gehen.
Wo sind da die Supplier? Es gibt ja auch was Rohstoffe. Also man geht ja auch bei Suppliern nach Rohstoffen.
Das ist mir auch erst auf dem Weg klar geworden. Das heißt zum Beispiel gibt es Länder, da ist zum Beispiel die Plastikproduktion total vorrangig. Dann in anderen Ländern, also gerade im Textilbereich ist das super krass, dass zum Beispiel in manchen Ländern dann auch Baumwolle mehr verarbeitet wird und so weiter.
Also da gibt es riesige Unterschiede. Oder zum Beispiel kann man in Deutschland relativ gut so Aluminiumtuben sourcen, während man Plastikverpackungen von irgendwelchen Produkten viel weiter herholen muss. Also es gibt da ganz viele Sachen, die sind uns auf dem Weg aufgefallen, aber wir haben das einfach gemacht.
Und ich glaube, das gilt aber für so viele Sachen. Also du musst es einfach machen. Das ist das Einzige, was man irgendwem zu irgendwas in den Bereich raten kann.
Wir haben uns da nie so gedacht, oh Gott, wie sollen das jetzt funktionieren, sondern du musst es halt einfach. Ich glaube, das ist auch das, was einen Gründer und eine Gründerin ausmacht, gar nicht so sehr sich mit dieser Frage aufzuhalten, ob etwas irgendwie stattfinden kann, sondern du versuchst es einfach umzusetzen.
[Merlene]
Cool. Und wie kann ich mir das finanziell vorstellen? Weil man muss dann wahrscheinlich irgendwie so in Vorleistung gehen, um überhaupt irgendwie was produzieren zu können.
Habt ihr euch da so einen Rahmen festgesteckt, was ihr aus eurem privaten Vermögen dann da reingeben möchtet? Oder hattet ihr direkt von Anfang an Investoren?
[Anna Kössel]
Nee, wir hatten tatsächlich die ersten eineinhalb Jahre keine Investoren. Haben auch unser Produkt gelaunched ohne Investoren. Also das war die ersten eineinhalb Jahre komplett gebootstrapped.
Wir haben beide erst mal das Stammkapital unserer GmbH eingelegt und dann wieder nochmal so ein gesellschaftlicher Darlehen. Aber das war jetzt kein so großer Betrag. Es waren einfach Sachen, es war einfach Geld, das wir uns die letzten Jahre angespart hatten.
Weil wir wussten, okay, wir wollen irgendwann mal den Schritt gehen. Und ja, genau. Und dann haben wir aber 2021 im Sommer unsere ersten Business Angels dazu geholt.
[Merlene]
Krass. Also ich habe mich selber Anfang des Jahres oder Ende letzten Jahres sehr viel mit diesem Thema juristische Personen beschäftigt. Und du hast gerade so ganz klar gesagt, ja, wir haben eine GmbH gegründet.
War es klar, dass ihr eine GmbH gründet?
[Anna Kössel]
Ja, relativ. Zu dem Zeitpunkt, wo du weißt, ich werde Investoren reinholen, macht das eigentlich fast immer Sinn. Weil du halt nicht diese private Haftung hast.
Und das möchtest du ja nicht, wenn da noch viel mehr Menschen oder Gesellschafter mit an Bord sind. Das war aber, glaube ich, auch, weil ich ja davor bei so einem Investor gearbeitet hatte, der selber auch Anwalt für Gesellschaftsrecht ist. Und aber teilweise kriegt man sowas auch im BWL-Studium ja mit.
Genau, also das war relativ klar von Anfang an, ja.
[Merlene]
Okay, sehr cool. Katharina hat erzählt, dass bei dieser Konferenz, auf der ich war, dass es beim Werben manchmal ein paar Probleme gibt auf Social Media.
Weil ich habe von euch, das ist aber schon ein paar Jahre her, irgendwie so auf Instagram so Ads bekommen, die so richtig spicy waren. So ein bisschen risky. Und dann hat sie ein bisschen so aus dem Nähkästchen geplaudert, wie ihr das angestellt habt oder wie ihr da so ein bisschen rumgetrickst habt.
Weil scheinbar Meta das halt auch irgendwie blockiert dann. Wie traut man sich überhaupt an so ein Produkt?
[Anna Kössel]
Ja gut, das ist, also man muss ja dazu sagen, wir waren am Anfang super provokativ, sind es jetzt langsam ein bisschen weniger geworden. Aber auch, also wir versuchen da immer mit zu spielen. Also einerseits, ich glaube, die Kombination mit dem Provokativen und dem Humorvollen, das hat halt immer ganz gut geklappt.
Das auch, wenn es eigentlich schon sehr spicy war, das für viele Leute trotzdem noch ging, weil es halt lustig war. Und viele haben uns ja auch einfach dafür gefeiert. Wir haben aber dann halt gemerkt, dass es einfach auf Meta nicht durchgeht.
Und das war halt eigentlich unser Hauptmarketingkanal. Und jetzt, da wir im Retail sind, das heißt, wir arbeiten mit Partnern wie DM und Rossmann und Müller und so weiter, da hast du natürlich nochmal andere Ansprechpartner und musst auch schauen, okay, die haben ja nochmal ihre eigenen Kunden. Und in so einem Drogeriemarkt, da gehen ja alle.
Das heißt, du musst auch dann dich mit denen abstimmen, was geht denn überhaupt in unserer Markenkommunikation. Weil die wollen ja auch nicht, dass wir zu provokative Inhalte dann haben, die mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Das heißt, wir mussten da jetzt über die Zeit, auch wenn wir nicht so viel Meta-Werbung mehr machen, trotzdem ein bisschen runterschrauben, aber versuchen immer noch so ein bisschen damit zu spielen, weil es macht unsere Marke ja auch einfach aus.
Aber selbst da, ich glaube, wir fanden uns halt selber immer recht lustig. Und Katha hat da ja auch sehr viele lustige Sachen einfach rausgehauen damals, auch auf unserem Instagram-Account. Das hat uns natürlich auch sehr viel Traction gebracht.
Ja, hat uns zu einer Love-Brand für viele Leute gemacht. Solange es halt ging, bis wir dann relativ schnell auch immer weniger Reichweite bekommen haben auf den ganzen Meta-Kanälen.
[Merlene]
Euer erstes Produkt waren die Soft-Tampons, richtig? Wie kam es zum allerersten Kunden?
[Anna Kössel]
Oh, also wir haben halt einfach, also wir haben halt einfach gelauncht im November 2020. Und davor hatten wir aber schon den Instagram-Account aufgebaut. Ich glaube, wir hatten zum Launch schon 2000 Follower.
Das war ganz cool, weil wir halt wirklich seit Frühjahr 2020 schon den Account aufgebaut haben, halt wirklich nur mit so lustigem, bisschen spicy Content. Und genau, dann wurde eben beim Launch schon mal alles an diese ganzen Followerinnen und Follower ausgespielt. Und ich glaube, das hat schon ein bisschen geholfen.
Aber ja, es war natürlich dann alles noch relativ klein beim Launch. Wir haben da ja auch zu dem Zeitpunkt gar kein Geld für Investoren gehabt, um richtig groß Marketing zu machen. Also es waren wirklich nur Leute, die unserem Instagram-Account gefolgt sind.
Und natürlich ein paar bisschen Family-Friends so natürlich, die uns unterstützt haben am Anfang. Aber hauptsächlich war das alles nur organisch.
[Merlene]
Und wie viel muss man dann in Vorproduktion gehen? Weil ihr müsst dann ja wahrscheinlich was auf Lage haben, wenn ihr launcht. Kannst du so ungefähr Größen nennen?
[Anna Kössel]
Ich weiß gar nicht mehr, wie viel wir damals eingekauft haben, weil es ist auch schon ein paar Jahre her. Ich schätze, was werden wir eingekauft haben? Ich glaube so 5000 Packungen oder sowas haben wir nur gekauft.
Du hast halt in der Beschaffung bei fast allen Produkten immer so Mindest-Order-Mengen. Und die liegen selten unter 5000 Stück. Im Kosmetikbereich eher 10.000. Und bei den Soft-Tampons muss man aber sagen, das ist ja ein Produkt, das ist ja super unüblich. Also das ist ja auch kein normaler Tampon, was ja in Massen produziert wird. Sondern wir mussten wirklich die ganze Supply Chain uns selber zusammensuchen. Also wer produziert diesen Schaum?
Wer kann diesen Schaum verpacken? Das war nämlich eigentlich das größte Problem, was wir hatten. Nicht mal diesen Schaumhersteller zu finden.
Oder diese Firma, die dann den Schaum auch ausstanzt. Und wer kann dann auch diese Folie herstellen, um das zu verpacken? Aber dadurch, dass es eben nicht so ein Standard-Kosmetikprodukt zum Beispiel war, hatten wir ein bisschen andere Mindest-Order-Mengen.
Aber ich glaube, es werden nicht mehr als 5000 gewesen sein.
[Merlene]
Und wie seid ihr dann so reingekommen? Weil es ist ja eine richtig krasse logistische Aufgabe, dann immer so den Bestand richtig nachzuordern, oder? Wart ihr auch dann so sold out und dann kam erst mal nichts?
[Anna Kössel]
Nö, das haben wir eigentlich ganz gut hingekriegt. Aber das war schon, ja, also... Ja, einfach Pi mal Daumen, würde ich sagen.
Nicht Pi mal Daumen, aber man beobachtet halt, okay, man weiß ja, wie lange muss ich vorher bestellen, damit die Ware dann da und da und da ist. Wie viel Ware verkaufe ich im Monat? Und dann kann man das relativ easy ausrechnen, wann muss ich wieder bestellen?
Man will natürlich nie zu viel Ware im Lager haben, weil das ja einfach gebundenes Kapital ist. Aber ja, das war eher alles ein bisschen Gefühlssache. Mittlerweile machen wir das natürlich alles ein bisschen auf einem professionelleren Level.
Aber selbst jetzt weiß ich ja auch nicht. Ich launch ein neues Produkt bei dm. Wie gut wird das laufen?
Wie viel muss ich vorher bestellen? Muss ich vielleicht sogar schon wieder nachbestellen? Weil gerade mit so großen Partnern wie Drogerie-Märkte, da hast du dann richtig ein Problem, wenn du out of stock bist und so.
Dann ist es nicht so nur, dass du deinen Kunden, deinen direkten Endkunden und Kundinnen sagen musst, okay, sorry, Leute, gibt jetzt gerade nicht. Sondern du musst halt wirklich dann auch nochmal deinem Industriepartner das erklären. Und das ist dann auch nochmal was anderes.
[Merlene]
Ihr seid ja mittlerweile ein größeres Team. Macht das jemand anderes, dieses Logistikmanagement, oder macht ihr das?
[Anna Kössel]
Nee, tatsächlich. Gerade mache ich die ganze Beschaffung noch. Wir kriegen aber ab Juli eine sehr gute neue Mitarbeiterin, die dann sich um den Bereich kümmern wird.
Genau, und ich werde dann nur noch so im Lead ein bisschen mit drüber schauen.
[Merlene]
Okay, also wie gesagt, das klingt einfach so super anspruchsvoll. Ihr seid von Female Foundern, for everyone who likes to make love. Du hast vorhin schon gesagt, dass Katharina die Idee hatte.
Woher kam die? Kannst du das noch erklären?
[Anna Kössel]
Ja, das kann ich erklären. Wie vielleicht schon viele, hat Katha sich vor Jahren, aber schon auch Jahre, bevor wir uns kennengelernt hatten, hatte mal ein Date, während sie ihre Tage hatte, dann dachte sie, das kann doch nicht sein, dass es gar keine Lösung dafür gibt. Vielleicht hat ja schon mal irgendwer eine Lösung dafür erfunden.
Ein bisschen recherchiert. Und dann hat sie sich auch gedacht, was machen denn eigentlich Sexworkerinnen? Die können ja nicht jeden Monat fast eine Woche Urlaub nehmen.
Es muss ja irgendeine Lösung dafür geben, sozusagen. Und dann hat sie tatsächlich herausgefunden, dass es Softtampons gibt. Aber die gab es auch schon seit wirklich Jahrzehnten, und niemand kennt die.
Das kann ja wohl nicht sein. Das ist ja voll die geile Lösung. Wir müssen das irgendwie publiker machen.
Alle Frauen müssen erfahren, dass es dieses Produkt gibt. Wir sind damals dann auch mal auf den Weihnachtsmarkt gegangen und haben um die 100 Frauen bestimmt gefragt. Wir dachten, am Weihnachtsmarkt haben die alle schon mal einen Glühwein-Interest.
Dann reden die auch mehr über solche Themen. Haben mit wirklich vielen Leuten gesprochen. Das war halt auch noch hier in Berlin, wo man denkt, okay, hier kennen Leute vielleicht dann noch mehr solche Produkte, als irgendwo auf dem Land oder so.
Und nur nicht mal 30 Prozent Leute kannten das. Das ist ja echt eine hohe Prozentzahl an Menschen, die Softtampons immer noch nicht kannten, nachdem das Produkt seit Jahrzehnten in Deutschland auf dem Markt ist. Und dann haben wir gesagt, okay, wir müssen das machen.
Wir müssen das richtig geil vom Marketing her machen. Wir müssen aber auch das Produkt optimieren. Das wurde wahrscheinlich seit Jahrzehnten auch nicht mehr optimiert.
Und vor allem nicht von jemandem, der es selber nutzt. Und dann haben wir gemerkt, okay, dieses Produkt hat aber noch viel mehr Vorteile. Und dann haben wir gemerkt, okay, das ist auch super, wenn man Endometriose oder starke Krämpfe hat.
Für den Sport, für Strand, für Sauna, was auch immer. Oder wenn man halt einfach dazu neigt, eingeführte Periodenprodukte zu spüren. Also viele sind da recht empfindlich.
Und es ist halt viel angenehmer, wenn du nicht die ganze Zeit merkst, dass du eben da was eingeführt hast. So ist das entstanden.
[Merlene]
Sehr cool. Ich fand es tatsächlich witzig bei unserem ersten Kennenlernen-Call, dass wir so davor, ich hab sofort auch von meinen Erfahrungen irgendwie gesprochen, und ich fand es irgendwie so interessant, wenn man in Business-Calls oder so ansonsten nie über das Thema Geschlechtssicherheit oder so spricht, mir würde jetzt auch nicht einfallen, wieso. Es wäre wahrscheinlich eher unangebracht, auch in den meisten Fällen.
Aber es war voll interessant, dass es so direkt Thema war, weil es einfach euer Thema ist. Genau. Und auch negative Erfahrungen, die ich mit anderen Produkten zum Beispiel gemacht habe, weil es gibt ja in Drogerien auch andere Soft-Tampons.
Und dann dieses, einer eurer USPs ist ja erst die Verpackung und dann auch, dass ihr ein Band habt, was eigentlich super basic ist, weil man kennt das eigentlich von Tampons. Aber andere Soft-Tampons haben das nicht. Das heißt, man ist dann manchmal so wirklich, ich bin da schon mal richtig in Panik verfallen, weil ich den halt nicht wieder rausbekommen habe.
Und das ist halt eigentlich voll die negative Erfahrung. Und eigentlich nach etwas vielleicht eher sehr Schönem, ist man dann so...
[Anna Kössel]
Ganz genau, ja. Das war einfach, glaube ich, die beste Optimierung, die wir mit dem Produkt machen konnten, weil das, wie gesagt, nicht nur für viele Frauen ein Produkt ist, was sie gerne beim Geschlechtsverkehr verwenden, sondern eben auch für ganz andere Cases. Und selbst, wenn du es beim Geschlechtsverkehr verwenden möchtest, ist es halt super, wenn du am Anfang das erste Mal so ausprobieren kannst und irgendwie so dieses Backup hast.
Und selbst mit dem Faden kann man es ja auch beim Geschlechtsverkehr verwenden und hat dann irgendwie aber trotzdem was, womit man es leichter wieder rausziehen kann. Also ja, das war, glaube ich, so für uns auch das Wichtigste und wo wir auch unseren Kundinnen ein bisschen besserem Gewissen gegenüberstehen können und sagen können, du musst jetzt auch keine Angst vor diesem Produkt haben.
[Merlene]
Gibt es neben der spicy Werbung, die vielleicht auf Meta nicht so gut ankommt oder so, andere Herausforderungen, die du bei der Vermarktung eines Female Hygiene Produkts bemerkt hast?
[Anna Kössel]
Ja, ich glaube, wir haben einfach uns da nicht so viel von dem reinreden lassen, was es früher gab. Also früher wurde ja einfach ja viel zu viel um den heißen Brei herumgeredet. Und gleichzeitig glaube ich aber auch, dass man trotzdem das mit einer positiven Ästhetik alles rüberbringen kann.
Und während man normalisieren sollte, was einfach der weibliche Körper kann und leistet und wieder funktioniert, kann man das trotzdem irgendwie auf eine schöne Art und Weise rüberbringen. Und ich glaube, dass viel von diesem ja von diesem negativen Bild, was viele von der Periode haben und ja auch dieser ganze Charme, der damit einherging. Ich glaube, wir versuchen das einfach schon immer durch eine positive Ästhetik, durch Humor und einfach ein positives Sentiment ins positive Licht zu rücken sozusagen.
Aber genau das, ich glaube, wir haben uns einfach von Anfang an nicht so viel reinreden lassen, was wir dürfen sollten und so weiter. So weit es halt eben ging mit Mittag.
[Merlene]
Ich würde ganz gerne noch ein bisschen über dich sprechen und über deinen Lebensweg und wie du zu der Position gekommen bist, bei der du heute bist. Du hast schon gesagt, du hast einen familiären Unternehmer Hintergrund so ein bisschen. Gibt es bei dir in der Familie schon?
Was hast du vor der Gründung gemacht und auch bevor du in den Startup gearbeitet hast?
[Anna Kössel]
Ich war ganz am Anfang nach meinem Master. Ich habe International Business studiert, erst in Wien und dann in Leeds in England.
War auch ziemlich lang in so meinen frühen 20ern im Ausland, zwei Jahre in Australien und so weiter. Also ja, bin sehr viel gereist und so, weil ich immer ein bisschen Hummeln unter dem Arsch hatte sozusagen. Das hat mich, glaube ich, aber auch sehr geprägt.
Und dann bin ich in einem Beratungsstartup quasi gelandet in Berlin. Da ging es um das Thema digitale Transformation. Wir haben da so DAX 30 Konzerne auch beraten.
Das war ziemlich cool, weil wir wirklich als komplette Juniors sehr viel Verantwortung übernehmen durften für die Projekte. Und das heiße ich meiner damaligen Chefin auch sehr zugute. Die war eine wirklich gute Chefin, wo ich immer noch sagen würde, sehr inspirierende Person.
Und genau, das war super. Und dann habe ich aber gemerkt, okay, ich möchte eigentlich selber ein Startup gründen. Und bin dann eben zu diesem Investor gegangen, weil ich einfach gesehen habe, okay, da kann ich einfach aus einer guten Position raus andere Startups sehen, was da so passiert im Hintergrund und so weiter.
Und wie das auch aus Investorenperspektive alles wahrgenommen wird. Und da bin ich dann aber sozusagen auch als Beraterin einmal an dieses Blockchain Startup ausgeliehen worden oder bin da als Beraterin extern mit in dieses Blockchain Startup Team reingegangen und wurde dann da aber auch übernommen noch. Und dann war ich da glaube ich eineinhalb Jahre mit dabei oder fast zwei Jahre, genau.
Und habe da eben dann Katja kennengelernt.
[Merlene]
Aber dann ging es ja doch relativ schnell. Ich habe mir deinen Lebenslauf angeguckt und ich dachte, hast du dich auch immer was im UX-Design gemacht?
[Anna Kössel]
Ne, das ist eben diese Beratung. Die heißt aber MXU, weil das hat nichts mit UX-Design so viel zu tun. Das heißt Exponential University of Applied Science.
Das ist eine, wir wollten nämlich gleichzeitig oder machen gleichzeitig eine, ja im Prinzip eine Universität oder wie so eine Fachhochschule, die sich auf Digitalisierungsthemen spezialisiert hat und gleichzeitig eben auch eine Beratung für große Unternehmen. Genau, dass man einfach, also eigentlich alle Arten von Layern sozusagen in der Digitalisierung weiterbringt.
Frauen in Führungsrollen – Intimität, Sichtbarkeit & Erwartungen
[Merlene]
Sehr cool. Gibt es einen Tipp, den du hättest für eine junge Frau, die gründungsinteressiert ist, aber jetzt vielleicht nicht diesen Hintergrund mitbringt, schon mal vorher damit in Kontakt gewesen zu sein?
[Anna Kössel]
Also ich glaube, was wirklich viel bringt, ist einfach selber in Startups zu arbeiten, weil ja, ich glaube in fast keinem Job darfst du halt so früh so viel Verantwortung übernehmen, weil du musst auch die Verantwortung übernehmen, weil im Startup da sind nicht noch Mittelmanagement und noch drei Stufen über dir und neben dir und was auch immer, sondern du bist halt sehr schnell in deinen Job reingeworfen und wenn man sich das traut und auch die Verantwortung übernehmen will, dann kommst du damit voll schnell weiter in deine eigenen Entwicklungen, auch wenn du vielleicht oft so außerhalb deiner Comfortzone bist dann manchmal am Anfang, aber das bringt dich einfach so viel schneller weiter in deiner Karriere und in deiner Entwicklung und du siehst halt gleichzeitig auch, wie andere Unternehmen aufbauen und ich glaube, das ist einfach das Beste, was man da machen kann, weil besser als on the job lernst du es halt einfach nicht.
[Merlene]
Worauf achtest du bei neuen Leuten, die ihr einstellt?
[Anna Kössel]
Also ich glaube einfach einmalseits die generelle Arbeitseinstellung muss einfach passen. Wir sind jetzt keines von den Startups, wo ständig wahnsinnig viel Überstunden geschrubbt werden, aber wenn mir jemand die ganze Zeit mehr erzählt, wie viel Urlaub und wie viel frei uns so wichtig ist, als dass es wirklich in dem Gespräch erstmal um den Job geht und dass jemand richtig Bock hat auf den Job, dann ja, ist da irgendwie so ein Ungleichgewicht für mich da. Also Ambition ist mir schon wichtig, weil im Startup geht es halt wirklich um jede einzelne Person umso mehr.
Also es fällt umso mehr auf, wenn jemand nicht wirklich 100% gibt. Und dann aber auch einfach so eine positive Einstellung. Ich muss einfach das Gefühl haben, dass jemand ins Team passt und generell bei fast allen HR-Entscheidungen ist es sehr viel Intuition immer.
Und selten trügt einen da das Gefühl. Früher oder später stimmt bei solchen Sachen Intuition fast immer.
[Merlene]
Gibt es da ein Learning, was du hattest?
[Anna Kössel]
Ja, also generell kann ich auch sagen, wenn ich mir vielleicht so die Hard Facts nur angeschaut habe und gesagt habe, okay, das Profil passt so gut zu der Rolle und sollte eigentlich super zu uns passen und eigentlich gegen meine Intuition damit entschieden habe, ist es immer schiefgegangen. Also man muss schon auch ein bisschen auf seine Intuition hören. Intuition ist ja nicht nur irgendein Hokus-Pokus, sondern es ist ja eigentlich auch viel, was dein Hirn unterbewusst so verarbeitet und Sachen, die du vielleicht bewusst gar nicht wahrnimmst, aber einen Teil von deinem Hirn nimmst eben schon wahr und kann das mit vergangenen Erfahrungen irgendwie verknüpfen.
Und ich glaube, das ist super wichtig, wenn man Leute einstellt.
[Merlene]
Ja, Intuition ist eigentlich so ein intrinsisches Frühwarnsystem. Wenn du nicht so wirklich Zeit hast, lange zu überlegen, sag das einfach Ja oder Nein. Ganz genau das.
Das müsste man eigentlich viel mehr nutzen. Aber stimmt, manchmal hat das irgendwie so nicht den richtigen Ruf, als würde man irgendwie nicht gut genug darüber nachdenken.
[Anna Kössel]
Es ist auch oft, wenn Katja und ich aus einem Gespräch rausgehen und eine von uns sagt, boah, ich weiß nicht, irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Es ist manchmal auch so, dass die andere einem dann sagen kann, ja, ich glaube, das ist deswegen und ich selber habe es zum Beispiel gar nicht so richtig bewusst einordnen können, was ist da gerade das Problem. Und oft ist es dann die andere, die dann das doch irgendwie einordnen kann, genau.
[Merlene]
Gibt es was anderes noch als Charaktereigenschaft, was du bei dir beobachtest, was dir jetzt gerade in deiner aktuellen Rolle hilft? Hmm. Oder generell auf deinem Karriereweg geholfen hat?
[Anna Kössel]
Ja, also ich weiß manchmal nicht, ob das eine gute oder sicherlich in mancherlei Hinsicht auch schlechte Eigenschaft ist.
[Merlene]
Ich habe gestern mit meiner Karrierecoachin gesprochen und sie hat gesagt, es ist immer beides.
[Anna Kössel]
Ah ja, gut, siehst du, es gibt keinen Vorteil ohne Nachteil. Genau, ich gehe schon sehr viel out of my comfort zone sozusagen. Also das heißt natürlich auch, dass ich oft über meine Grenzen hinausgehe.
Und das kann ja auf der einen Seite gut sein, das heißt ich ziehe oft einfach durch und gehe noch einen Schritt weiter und so, auch wenn es super anstrengend ist für mich. Und das heißt natürlich einerseits, okay, ich ziehe dann manchmal auch Sachen durch, wo vielleicht jemand andere gesagt hat, nee, habe ich jetzt keinen Bock mehr oder ist mir zu viel oder was auch immer. Gleichzeitig heißt das aber eben, ich übertritte oft meine eigenen Grenzen, was ja dann manchmal auch nicht so ganz gut ist.
Also ich glaube, es ist so ein zweischneidiges Schwert.
[Merlene]
Kannst du irgendwas bei Katharina beobachten?
[Anna Kössel]
Was ihre Outstanding Characteristic eigentlich ist? Genau, ja, also Katha ist einfach eine wahnsinnig kreative Problemlöserin und vor allem eine sehr pragmatische Problemlöserin. Also sie sieht sehr oft den direkten Lösungsweg, wo andere den nicht so schnell sehen.
Und ja, einfach ihre unglaubliche Kreativität ist echt wirklich der Wahnsinn.
[Merlene]
Du hast schon sehr viel beantwortet auch einfach. Das geht mir auch oft so. Euch gibt es jetzt fünf Jahre und du hast schon erzählt, ihr habt das Businessmodell geändert von ursprünglich direkt zum Konsumentenverkaufen über einen Online-Shop wahrscheinlich durch jetzt Drogeriemärkte eher, also Hamburg-Mutti.
Das ist genau unser Ding. Ansonsten, ja, DM gibt es mittlerweile bei uns auch, aber so Müller und so weiter. Was sind die größten Herausforderungen, die du da beobachtet hast?
[Anna Kössel]
Ja, also wir mussten glaube ich in ganz vielerlei Hinsicht unseren Fokus wahnsinnig ändern. Also du, wie vorhin schon erwähnt, du hast ja nicht mehr nur den Endkonsumenten oder die Endkonsumentin als deinen Kunden, sondern du hast ja diesen zwischengeschalteten Kunden. Und das erfordert nochmal eine ganz andere Art von Professionalität, die dann natürlich da abverlangt wird.
Die Drogeriemärkte haben teilweise auch selber einen sehr hohen Standard gegenüber ihren Kunden. Das heißt, diesen Standard müssen wir ja auch mitgehen. Das heißt, du musst viel besser schauen, dass du lieferfähig bist, dass deine Inhalte stimmen.
Ja, wenn du, wenn wir bisher online vielleicht irgendwas veröffentlicht haben und dann ist da mal was schief gelaufen, dann kann man sie auch mal schnell entschuldigen und so, aber wenn da eben noch andere Stakeholder sozusagen eingeschaltet sind, musst du halt immer professioneller arbeiten. Das macht uns natürlich auch immer besser. Also von dem her, mir macht die Zusammenarbeit mit den Drogeriemärkten super viel Spaß.
Und ich finde es auch ein sehr angenehmes Arbeiten. Aber ja, also ich glaube, wir sind einfach ein bisschen erwachsener geworden als Firma.
[Merlene]
Und ich finde, ich habe auch mal im Startup Accelerator gearbeitet, tatsächlich, und man hat dann ja immer so Pitchdecks, wo irgendwie ein Drei-Jahres-Plan oder so draufsteht. Habt ihr sowas? Findest du sowas als sinnvoll als Startup?
Weil es ist ja, also gerade wenn, also wir waren Early-Stage Accelerator und da ist immer so ein bisschen mit so einem Augenzwinkern fast, weil man es noch gar nicht so wirklich voraussagen kann.
[Anna Kössel]
Also so-so, es kommt aufs Businessmodell drauf an. Es gibt Sachen, die sind so technisch und so logisch, dass man die glaube ich besser voraussagen kann. Je mehr eine softe Komponente im Produkt oder in der Marke und so weiter ist, also was, was man nicht so leicht in Zahlen greifen kann, desto mehr, desto unklarer wird natürlich das Bild.
Und je mehr ist es einfach eine Glaskugel gucken. Wenn ich jetzt weiß, in zwei Jahren kommt irgendein neues Gesetz, dass jeder so und so eine Heizung haben muss oder so und so irgendwelche, weiß ich nicht, umwelttechnischen Sachen an seinem Haus und seinem Auto und so weiter, dann weiß ich, okay, die Wahrscheinlichkeit, dass ich dann in zwei Jahren von meinem, von diesem Produkt, was alle haben müssen, so und so viel verkaufe, ist natürlich logisch dann so, aber bei einer Marke wie Nevernote ist es natürlich so, okay, da ist ja diese softe Komponente, wie gut wird die Marke angenommen? Und solche Sachen eben, wie gut wird ein Produkt angenommen? Wir machen zwar Produkte, die sehr vielen Menschen helfen und glaube ich, einen sehr großen Benefit für manche Menschen haben, aber trotzdem ist da eine viel unsicherere Variable mit dabei.
Und gleichzeitig glaube ich aber, du musst ja auch schauen, was ist denn überhaupt möglich? Also du willst ja auch wissen, okay, kann ich mit dieser Idee überhaupt Geld machen? Und dafür lohnt es sich schon mal anzuschauen, wie viel kann man da in den nächsten Jahren wachsen, was realistisch, was nicht.
Ich glaube, dass viele VCs halt, die sehen ja einfach sehr viele verschiedene Businessmodelle und können dann auch einordnen, was sie für realistisch halten, was nicht. Aber wie gesagt, ich glaube, es gibt Businessmodelle, da ist das sinnvoller, aus solchen Zahlen zu sehen und bei anderen halt weniger. Und dann kommt das natürlich immer noch auch auf diese andere Softwarekomponente, nämlich das Gründerteam an und ich glaube, das ist halt auch was, das kannst du auch nicht in Zahlen audrücken, wie gut funktionieren die einzelnen Personen, wie gut funktionieren die zusammen und darf man nie vergessen, beim Gründen, so viel man hart arbeiten kann und so schlau man sein kann, am Ende brauchst du auch immer ein bisschen Glück und das ist was, das kannst du in keinen Excel-Sheet bringen. Deswegen macht man zwar oft auch pessimistische und optimistische Cases, aber am Ende macht man ja auch gerade im Startup so oft so unterschiedlich, so viele Entscheidungen, die sich dann wieder widersprechen und wirft oft wieder alles über einen Haufen und macht wieder alles neu und das ist ja auch das, was Startups so gut macht, weil sie halt eine andere Geschwindigkeit in der Entwicklung von neuen Ideen draufbringen und Sachen schneller optimieren können und wieder korrigieren können, aber ich glaube, das ist alles ein bisschen vor sich zu genießen.
[Merlene]
Wir haben noch gar nicht darüber gesprochen, ihr habt ja mittlerweile viel mehr Produkte. Erstens, was sind das für Produkte und wie entscheidet ihr euch für ein neues Produkt?
[Anna Kössel]
Wir haben ja angefangen mit einem Periodenprodukt, wir haben uns aber relativ früh entschieden, weil es einfach schon recht viele andere oder recht gute andere Periodenprodukte-Firmen gab zu dem Zeitpunkt, dass wir eigentlich eher in den Bereich Intimate Wellness gehen wollen. Das heißt, alle Produkte, die ich im Intimbereich verwenden kann, entweder als Pflege oder beim Sex oder einfach alles, was einen in seinem intimen Wohlbefinden sozusagen weiterhilft. Wir haben dann angefangen mit Gleitgel, Massageöl, dann auch Intimwaschlotionen und was wir jetzt als Neuestes rausgebracht haben, gerade bei dm, ist so ein Schaum, den macht man aufs Toilettenpapier und kann dann das normale Toilettenpapier wie feuchtes Toilettenpapier verwenden.
Und es ist halt einerseits günstiger, weil einfach wahnsinnig viele Pumpstöße, also wahnsinnig viele Anwendungen in so einer Flasche sind und das ist halt günstiger als wenn du dir, glaube ich, das entspricht sechs Packungen feuchtes Toilettenpapier und das kostet dann auch irgendwann ganz schön viel Geld und sieht halt schön ästhetisch aus, als wenn man immer diese Plastikdinger da im Bad rumliegen hat. Man kennt es ja, die trocken ja dann auch leicht mal aus und sehen nicht besonders ästhetisch aus. Und genau, dass man einfach da ein bisschen mehr was für seine Selfcare-Routine macht und das sind auch einfach so Themen, die wir angehen möchten, wie kann ich mich mit so intimen Themen, du hast ja vorhin schon angesprochen, jeder will ja immer über diese Themen sprechen, aber wie kann ich mich eigentlich damit wohler fühlen und vor allem positiveren Gedanken dazu bekommen und positivere Einstellungen dazu bekommen und deswegen schauen wir eben auch immer, dass unsere Produkte halt ästhetisch sind und irgendwie was Positives von der Message her auch rüberbringen. Zusätzlich dazu, dass es uns sehr wichtig ist, dass sie halt eine hohe Funktionalität haben.
[Merlene]
Ja, ich finde, ihr seid vom Design halt irgendwie so wie so ein spaßiges Lifestyle-Produkt, eher als so ein klinisches Produkt und das finde ich schon sehr besonders. Und ich finde, das zahlt auch sehr darauf ein, dass man nicht das Gefühl hat, dass es so was ist, was man so unter den Tisch kehren muss oder so oder worüber man nicht sprechen darf oder sollte, sondern was, was irgendwie schon in den Vordergrund gerückt werden kann und das finde ich irgendwie voll cool, auch so von der Farbgebung und so weiter.
[Anna Kössel]
Aber trotzdem ist es uns immer wichtig, dass unsere Produkte auch irgendwie ein Problem lösen und wirklich auch, wie gesagt, die Funktionalität, weil ich glaube nur das Design ist geil, aber du willst ja auch ein Produkt Mehrwert haben und ich glaube, das ist dann auch der Grund, warum unsere Kundschaft immer wieder nachkauft.
[Merlene]
Ja. Mir ist gerade noch eingefallen, ich habe noch Fragen zum Gründertum und zu deinem Auslandsaufenthalt und zwar als Gründerin bist du ja auch in einer leitenden Position. Wie empfindest du das auf einmal, so Personalverantwortung zu haben und anderen Leuten zu erzählen, wie sie arbeiten müssen?
[Anna Kössel]
Also ich glaube, am Anfang habe ich ein bisschen zu wenig delegiert. Also mir macht das eigentlich super viel Spaß, um mit anderen zusammenzuarbeiten und ich bin jetzt auch nicht so gern jemand, die so ewig allein vor sich hin brütet und so weiter. Ja, ich glaube, das war echt bei mir das einzige Thema, dass ich am Anfang sehr viel ja noch zurückgehalten habe und auch mich teilweise gar nicht so wohl damit gefühlt habe, anderen Leuten Aufgaben zu geben.
Ich glaube, ich musste da erst ein bisschen reinwachsen, dass ich, wenn ich mich dann immer so bossy, so unangenehm gefühlt habe am Anfang, was ja total blöd ist eigentlich, weil es ist ja eigentlich einfach mein Job. Aber das habe ich dann auch irgendwie hinter mir gelassen und doch, also jetzt fühlt sich das eigentlich ganz gut an. Aber ich glaube, das ist auch normal, dass man am Anfang, wenn du eigentlich aus einer Mitarbeiter oder Mitarbeiterin Rolle rauskommst und dann auf einmal die bist, die eben sozusagen auf der anderen Seite vom Gespräch steht, das ist dann erst mal ein bisschen ungewohnt.
Aber ja, das hat sich, glaube ich, relativ schnell gelegt.
[Merlene]
Interessant. Ich habe ja nur Volunteers bisher und mir fällt es da immer schon so komplett schwer einfach da zu sagen, okay, das muss dann und dann fertig sein oder du musst das und das machen oder so soll das sein. Weil ich irgendwie, also ein Learning von mir ist auch, du kannst schon direkt das auch sagen, wie das sein soll, weil ich war da immer so, ja, du hast total viel Freiheit, so, aber es fängt an zu gewittern.
[Anna Kössel]
Ja, aber richtig. Okay.
[Merlene]
Aber du hast vorhin auch noch erzählt, dass du im Ausland warst und immer sehr viel gereist bist.
[Anna Kössel]
Ja, ich glaube, das hat schon auch viel damit zu tun gehabt, wie ich dann gegründet habe oder wie wir dann gegründet haben, weil das ist ja schon ein bisschen ähnlich, wenn du so mit 18 irgendwie um die halbe Welt reist und irgendwie da komplett auf dich alleine gestellt bist erst mal. Da musst du ja auch so deinen Weg finden und einfach mal machen und dann kannst du nicht einfach da am Flughafen rumsitzen und so denken, oh Gott, hoffentlich holt mich jetzt hier jemand ab. Ich glaube, das ist ja genau das, was du beim Gründen auch hast.
Du musst alles auf Eigeninitiative machen. Du musst deine Probleme immer selber lösen. Da ist niemand, der dir sagt, mach jetzt das und dann das und dann das, sondern du musst es wirklich auf Eigenregime machen.
Ich glaube, das kann man sehr gut damit vergleichen, wenn man so alleine auf eigene Faust loszieht und reist und ohne viel vorher geplant zu haben. Und da geht ja auch so viel schief, also musst du auch immer improvisieren, musst du auch immer mal schnell umplanen, neue Lösungen finden und ich glaube, das ist schon sehr ähnlich zum Gründen. Kann man schon irgendwie vergleichen.
[Merlene]
Echt?
[Anna Kössel]
Also ich glaube, komplett, ich glaube, er würde mich gar nicht mehr wiedererkennen. Ich glaube, das ist schon auch, also man entwickelt sich in so einer Gründung auch wahnsinnig viel weiter. Aber ich glaube, ich war auch immer schon jemand, ich habe mich immer innerhalb von ein paar Jahren habe ich immer riesige Schritte oder riesige Sprünge in meiner Entwicklung gemacht.
Das heißt, also ich kann, ich glaube, wir müssten mal eine Freundin fragen, wie die das so sehen, wie viel von meinen Persönlichkeitsanteilen von damals noch da sind. Aber ich glaube, es hat sich da sehr, sehr viel getan. Das Einzige, was ich immer, ja, ich glaube, ich war immer schon ein bisschen, wollte immer was Neues sehen, was Neues lernen, was Neues machen, sozusagen.
Und da ich aber nicht leider, aber ich bin auf dem Land im Allgäu aufgewachsen und es gab da sehr...
[Merlene]
Hätte ich gar nicht gedacht.
[Anna Kössel]
Es gab da halt so schön, so wunderschön, wie schön es dort ist. Es gab nicht so viel Angebot bei vielen Sachen. Man konnte zum Beispiel Volleyball spielen bei uns da im Ort und man konnte Skifahren im Club und man konnte halt so ein paar Sachen machen, aber ich hätte, glaube ich, wenn ich in der Stadt aufgewachsen wäre, mich viel mehr ausprobiert, viel mehr Sportarten, viel mehr kreative Sachen, viel mehr in irgendwelchen ja, weiß ich nicht, Vereinen oder was auch immer, mich ausprobiert und ich glaube, ja, das hat mich damals so ein bisschen zurückgehalten und das habe ich aber dann alles in meinem Studium zum Beispiel ganz viel nachgeholt. Da habe ich dann, glaube ich, jedes Semester eine neue Sportart angefangen.
[Merlene]
Aber sehr cool. Du hast vorhin schon erzählt, du hattest eine gute Chefin, hattest ansonsten Vorbilder oder so?
[Anna Kössel]
Ja, also auf jeden Fall meine Tante auch, die selber auch ein Startup gegründet hat und die aber selber auch schon immer selbstständig war und dann natürlich auch nicht nur meine Tante, sondern auch meinen Vater, der ja auch selber Unternehmer ist, also wir haben ein kleines Hotel im Allgäu eben, was aber auch schon sehr lange im Familienbesitz ist und jetzt durch meinen Bruder weitergeleitet wird und da war eben auch meine Mutter und meine Großmutter, die da mit vor Ort waren, also ich glaube, ich wurde da einfach von meiner ganzen Familie immer sehr zum Positiven beeinflusst und die ich eigentlich alle auch als Vorbilder sehen kann, ja.
[Merlene]
Ich habe in letzter Zeit angefangen, erfolgreiche Frauen nach ihren Partnerschaften zu fragen, beziehungsweise ihrem Umgang mit Partnerschaften, weil ich das so interessant finde, wen sie sich da ausgesucht haben, wie sie damit umgehen, ob das eine Priorität in ihrem Leben hat oder nicht. Wie sieht das bei dir aus?
[Anna Kössel]
Ja, verschiedene Aspekte. Also ich bin gerade nicht in einer festen Beziehung. Dating in Berlin, ist ja auch immer nicht so einfach.
Kennt man ja. Das Klischee schlechthin stimmt aber leider meistens. Es gibt so ein paar Faktoren.
Einerseits fehlt mir tatsächlich manchmal so die Zeit, gefühlt auch. Man wünscht sich natürlich schon irgendwie so eine Partnerschaft, aber gleichzeitig muss ich mir dann auch eingestehen, dass ich momentan vielleicht auch gar nicht richtig die Zeit dafür hätte und ich das dann super schade fände, wenn ich dann die Zeit nicht nehmen könnte. Andererseits sagt man ja auch oft, wenn es dann so ist, dann funktioniert es auch.
Ich habe da gerade einfach nicht so den Fokus richtig drauf, muss ich sagen. Oft habe ich aber dann auch so dass also zwei Themen sind wichtig. Ich habe öfter schon so ein bisschen die Rückmeldung bekommen und auch von männlichen Freunden, dass es schon manchmal so ein bisschen ein Thema ist, wenn eine Frau in so einer sehr Führungsposition ist und irgendwie auch beruflich sehr erfolgreich oder einfach auch in so einer Position ist, wo ein Mann vielleicht so das Gefühl hatte, er ist vielleicht beruflich weniger erfolgreich, auch wenn er das dann de facto vielleicht auch nicht mal ist.
Für manche scheint das tatsächlich ein Thema zu sein. Und ja, wie gesagt, ich habe das auch schon im Dating teilweise so miterlebt. Das heißt aber natürlich nicht, dass es bei allen Männern so ist.
Und ich glaube, ja, wenn man den richtigen findet, dann passt das schon alles. Ich habe aber mir oft das Gefühl, dass jetzt alle mit diesem Thema maskuline und feminine Energie vertraut sind. Ich bin sehr viel, vor allem seit ich gegründet habe, aber war ich, glaube ich, immer schon sehr viel in meiner maskulinen Energie.
Das bedeutet ja, dass man in diesem ganzen Organisieren, Führen, Leisten, Stabilität in diesen ganzen Themen so sehr stark drin ist. Und das ist ja als Gründerin fast automatisch so, musst du ja auch. Aber ich habe seitdem ich das mal entdeckt habe, dass es überhaupt diese Schemata gibt, arbeite ich wirklich auch ein bisschen aktiv daran, dass ich mal mehr wieder in diese weibliche Energie, in diese feminine Energie komme.
Das heißt, mehr zu genießen, loslassen, kreativ sein, einfach so ein bisschen mehr Weichheit zu leben sozusagen. Und nicht immer nur so in diese harte, maskuline Art zu verfallen, was uns ja eigentlich als der Führungsstil schlechthin vorgelebt wird. Aber ich glaube, es gibt auch eine Möglichkeit, auf eine weiblichere Art zu führen.
Und das ist gerade so ein Thema, mit dem ich mich beschäftige und wo ich mich ein bisschen einlese. Da bin ich noch relativ am Anfang. Und ich glaube, dass das aber auch wiederum auf einer gewissen Ebene ein Thema ist, auch in Beziehungen.
Also wenn beide immer diese sehr starke Personen oder diese starke Energie leben, manchmal funktioniert das vielleicht dann auch nicht so gut im Miteinander. Aber das ist wie gesagt so ein Thema, da bin ich jetzt erst seit Kurzem draufgekommen und beschäftige mich damit.
[Merlene]
Es ist einfach was, was du auch im privaten Leben so auslebst, weil zum Beispiel Katja zur Linden gestern, die Karrierecoachin, mit der ich gesprochen habe, die ist halt auch super tough und so sehr Go-Getter und super klar und so. Also wahrscheinlich dann auch eher, was man als maskuline Energie bezeichnet im Job. Aber hat dann gesagt, dass sie so im privaten Leben halt schon sich voll freut, wenn ihr Mann dann einfach mal was übernimmt und sie sich so quasi zurücklehnen kann und das da nicht mehr übernimmt.
[Anna Kössel]
Genau, also freuen, gefreut hätte ich mich da auch schon immer drüber. Aber ich glaube, mir war das nie so bewusst und ich habe es im privaten selten so ausgeschaltet. Ich bin einfach trotzdem in diesem Modus geblieben und seitdem ich aber darüber Bescheid weiß, mache ich das bewusster und versuche dann wirklich auch mal mehr in so, ja, ich habe zum Beispiel letztes Jahr angefangen mir viel mehr Hobbys auch über die Firma hinaus, weil man beschäftigt sich ja irgendwann nur noch mit dieser Firma.
Aber ich habe mir einfach angefangen neue Hobbys anzueignen. Angefangen zu singen, zu malen, zu dies, das, jenes. Also ich glaube, das ist schon wichtig, dass man sich da auch anderweitig nicht verliert.
Also man kann ja sonst einfach wenn man einfach so viel Energie in so ein Startup reingibt, kann man halt auch so ein bisschen zu viel von sich selber aufgeben und ich glaube, das ist auch so ein Trick, wie man so ein bisschen sich manchmal so stressmäßig runterholen kann. Dass man einfach nicht nur das ganze Leben nur noch mit dem Startup füllt, auch wenn es das manchmal braucht und es Phasen gibt, wo es wahnsinnig anstrengend ist und man wirklich diese Energie da reingeben muss, aber dass man trotzdem noch ein anderes Leben hat oder andere Anteile in seinem Leben hat, die auch Raum einnehmen dürfen.
[Merlene]
Was heißt, woraus schaffst du deine Energie?
[Anna Kössel]
Also sehr viel aus Sport, aber auch so Freunde, Familie ist mir super wichtig. Das ist schon echt sehr wichtig. Gehe schon auch ganz gern mal so tanzen, vor allem in Berliner Clubs kann man ja auch so tagsüber mal einfach tanzen gehen und das finde ich, das ist manchmal ein echt guter Ausgleich, weil man ja einfach wirklich mal in so eine ganz andere Welt wieder eintaucht.
Ist nicht so angenehm. Reisen ist für mich super wichtig nach wie vor, weil ich nicht nur wenn mir das Spaß macht, sondern es ist manchmal einfach, dass du mal ein anderes Umfeld hast, nicht immer mit den gleichen Leuten redest, nicht das gleiche siehst und ich komme manchmal auch nach vier Tagen einfach so inspiriert und erholt einfach vom Kopf her wieder zurück und habe einfach viel mehr Energie wieder fürs Arbeiten.
[Merlene]
Ich finde es beim Reisen auch so krass, ich finde manchmal fühlt es sich gar nicht so an, als würde man in einen anderen Ort fliegen oder so, sondern in eine andere Zeit, weil da alles so anders ist. Das Wetter ist anders, die Menschen sind anders, es ist ein ganz anderes Gefühl in einem anderen Land oder in einem anderen Ort, der wahrscheinlich dann auch ein bisschen weiter weg ist, zu sein, als dann irgendwie zu Hause. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.
Okay, bevor ich meine letzte Frage stelle, hast du bestimmte Antreiber im Leben?
[Anna Kössel]
Antreiber? Ja, ich glaube, ich muss mir oft selber was beweisen. Manchmal hinterfrage das mittlerweile auch, aber ich will schon immer mir selber einfach was beweisen.
Das ist einfach auch manchmal so ein bisschen eine Ambition von mir. Ich glaube, ich glaube einfach, Sachen zu erleben, ist mir auch super wichtig. Man hat so sein Leben und irgendwann ist es over.
Das Leben ist einfach ein Geschenk und möglichst viel davon mitzunehmen, möglichst viel zu erleben, das reizt mich einfach. Ich glaube, das ist wichtig für mich. Ich bin halt sehr abenteuerlustig und das ist halt genau das.
Ich mache manchmal auch einfach Sachen, ich will das sehen oder ich will da hinfahren, weil ich will das erleben. Wie ist es da? Wie leben die Leute da?
Wie ist der Vibe? Solche Sachen, genau.
[Merlene]
Dann als letzte Frage stelle ich immer, was würdest du deinem 18-jährigen Ich raten, das gerade aus der Schule kommt und vielleicht noch nicht so richtig weiß, wo jetzt hin? Du hast ja auch studiert.
[Anna Kössel]
Ich glaube einfach, trust the process. Ich glaube, das Lustige ist immer, man wird 18 und sagt mir, jetzt bist du erwachsen. Kein Mensch ist mit 18, ganz wenige Menschen sind mit 18.
Das, was ich als Erwachsenen sehen würde, nicht mal mit Mitte 20 manchmal. Vielleicht werde ich in 10 Jahren sagen, du warst mit 35 immer noch nicht erwachsen. Ich bin 31, ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich erwachsen bin.
Auch dieses Wissen, das ich jetzt habe, erstens mal, es wird immer noch besser. Klar, es gibt das Leben schwankt, es gibt Ups und Downs, aber so overall, es wird immer alles noch geiler und besser und du wirst noch viel mehr geile Sachen erleben und einfach entspannen dich und vertraue auch auf diesen Prozess. Ich glaube das.
[Merlene]
Du hast gerade Downs gesagt.
[Anna Kössel]
Aussitzen, aber auf eine bewusste Art und Weise wahrzunehmen, jetzt ist gerade Scheiße und es gab auch schon vorher solche Situationen und sie sind auch vorbeigegangen und einfach schauen, was kann ich jetzt gerade aktiv für mich tun, dass es mir besser geht? Was kann ich aktiv im Außen tun? Was ist eigentlich gerade das Problem?
Und dann am Ende natürlich vor allem reflektieren, was kann ich jetzt daraus lernen, dass diese Situation nicht nochmal so kommt oder dass ich nächstes Mal besser damit umgehen kann. Aber vermeiden lässt sich das nicht und ich glaube, das ist auch generell, man muss einfach verstehen, Ups und Downs sind wichtig und dürfen genauso passieren und müssen auch so passieren. Weil ohne Downs keine Ups.
[Merlene]
Okay. Ich muss jetzt einfach weiterfragen, weil das mich gerade so interessiert. Mir fällt ein, dass ich das gar nicht gefragt habe, aber wenn es so Herausforderungen im Unternehmen gibt, wie geht ihr denn damit um?
Weil es sind ja auch Downs auf eine gewisse Art und Weise. Ergänzt ihr euch da irgendwie?
[Anna Kössel]
Ja, also das ist natürlich, muss ich schon sagen, ich habe sehr viel Respekt vor Menschen, die ganz alleine gründen und da bin ich super froh, dass ich Katja habe, weil natürlich geht es auch oft so, dass mal einer irgendwie einen Durchhänger hat oder dass man sich dann so gegenseitig wieder rausholt und sagt, komm, das haben wir jetzt auch schon mal alles so erlebt. Es ist alles schon mal nicht gut gelaufen, wir kriegen das wieder hin. Oder dann ist man einfach auch aus privaten Gründen mal schlecht drauf.
Also man hat halt wenigstens dann immer diese andere Person, die einen da wieder rauszieht. Und selbst wenn wir beide schlecht drauf sind, dann können wir wenigstens gemeinsam drüber lachen. Also da ist auch dieses Thema Humor für uns immer super wichtig, weil während manche Leute erst über eine dumme Situation lachen, wenn sie schon vorbei ist, wir lachen schon während der Situation.
Ich glaube, das hilft uns sehr oft.
[Merlene]
Perfekt, dann haben wir jetzt den perfekten Full Circle. Ganz, ganz herzlichen Dank, dass ich heute hier sein durfte und du mich in dein Zuhause eingeladen hast. Super spontan und flexibel ja irgendwie.
Wir haben auch noch einen Rabattcode für unsere Community, die sich wahrscheinlich sehr, sehr freuen wird. Ich meine, ich habe ja schon erzählt, die Produkte kommen gut an, ich werde den auch nutzen. Mit leadHER gibt es 15% Rabatt im Onlineshop.
Ich freue mich. Ganz, ganz lieben Dank und alles Gute für die Zukunft.
[Anna Kössel]
Ja, sehr schön, dass du da warst. Danke, dass ich hier sein durfte in deinem Podcast.
[Transkript Ende]
Warum diese Folge Mut macht
Anna Kössel zeigt, dass erfolgreiches Unternehmertum nicht laut, hart oder perfekt sein muss, sondern ehrlich, reflektiert und lernbereit. Ihre Geschichte macht deutlich, dass Female Leadership bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Wachstum entsteht dort, wo Mut, Intuition und Klarheit zusammenkommen.
Hör hier die ganze Folge mit Anna.




